Aue-Hartenstein: Letzter Wismut-Schacht erhält Plombe

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Eine halbe Million Kubikmeter Beton hat die Wismut in den vergangenen 30 Jahren in das Grubenfeld Aue-Hartenstein gepumpt. Bald folgt der letzte Streich im Schacht 208.

Bad Schlema.

Der hölzerne Turm auf dem Toelleberg in Bad Schlema erinnert den Betrachter an frühere Zeiten, als der Blick über die Uranbergbaulandschaft in einem fort an Fördergestellen hängen blieb. Der Turm ist ein Relikt aus den Anfangsjahren der Wismut. Nähert man sich dem Toelleberg aus Richtung Aue, ist er weithin sichtbar, aber man sollte sich beeilen, falls man die Ansicht noch einmal auf sich wirken lassen will. Bald ist sie weg.

"Die 208" ist der letzte Wismut-Schacht im ehemaligen Revier Aue-Hartenstein, der noch auf seine Verwahrung wartet. Deren Vorarbeiten laufen in diesen Tagen. In anderthalb Jahren wird es hier oben bloß noch eine Betonplatte geben, die den Weg in die Unterwelt versperrt.

"Dann sind wir mit den Grubenbauen durch", sagt Olaf Wallner, Markscheider beim Bergbausanierer Wismut. "Seit 1990 haben wir eine halbe Million Kubikmeter Beton in den Untergrund gepumpt." Am Schacht 208 kommen weitere 1000 dazu. Allein für den Riesenstöpsel, der die Schachtröhre verschließen soll, werden 850 Kubikmeter benötigt. "Er wird die Maße eines kleinen Eigenheims haben", so Wallner.

Seit Dezember ist wieder Leben unter der Holzhaube. Wismut-Mitarbeiter haben die alten Schachtinstallationen demontiert und neue eingebaut. "In der Schachtröhre hängt jetzt eine Arbeitsbühne mit der die Bergleute bis zu 45 Meter nach unten fahren können", sagt Mario Igler, Leiter Technische Dienste. Von dieser Plattform aus werden sie mit Presslufthämmern die Konturen des künftigen Betonpfropfens aus den Schachtwänden meißeln. Im Dezember 2021 soll die Platte gegossen werden, welche später die Plombe hält. Für das Frühjahr 2022 ist das Gießen der Plombe geplant.

Der alte Turm hat inzwischen zwei Erweiterungen bekommen - zu erkennen an dem helleren Holz der Verschalung. "Hier sind die Winden für die Arbeitsbühne und den Fahrkorb untergebracht, der unsere Leute nach unten bringt", sagt Susann Krächan, Projektleiterin Bergbausanierung. "Außerdem eine Schachtheizung und eine Sonderbewetterung." Letztere saugt Grubenluft ab, damit die Bergleute nicht in einer Radonwolke arbeiten müssen.

Die Stollen des Reviers Aue-Hartenstein bildeten einst ein unterirdisches Wegenetz von 170 Kilometern Länge. Heute sind sie zum großen Teil überflutet, fast alle Zugänge wurden verplombt. Einer der letzten ist Schacht 208. Das Grubenwasser steht circa 85 Meter unter dem Turm, doch auf der 60-Meter-Sohle könnte man theoretisch noch in den Berg gelangen. Die Betonplombe, eingesetzt auf halbem Weg zum Wasser, macht da den Deckel drauf. Sie markiert den Abschluss der Untertagesanierung der Wismut.

"Offen bleiben danach bloß noch der Schacht 15 II b in Bad Schlema und der Schacht 382 neben dem Golfpark auf der Hammerberghalde", sagt Markscheider Wallner. Beide werden benötigt, um Radon aus dem Untergrund zu saugen und so die Wohnbebauung zu schützen.

Der Schacht 208 wurde 1949 angelegt und war 863 Meter tief. Uran gefördert wurde aus ihm aber nur wenige Jahre. Seit 1958 ist er bloß noch als Wetterschacht genutzt worden. "1983 wurde er noch einmal interessant", erzählt Olaf Wallner. "Da lief die Verwahrung aller Grubenbaue in Niederschlema, und die Bergleute sind hier eingefahren."

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