Aue-Schlema applaudiert mutigem Retter

Zum Neujahrsempfang ist die neue Einheitsstadt mit einer Reihe positiver Nachrichten ins Jahr gestartet. Eine Vertreterin der Wirtschaft überraschte mit einem Appell, Ex-Oberbürgermeister Heinrich Kohl mit einem besonderen Geschenk.

Aue-Bad Schlema.

Mit Optimismus sollen die Bürger der neuen Stadt Aue-Bad Schlema ins Jahr 2019 blicken: Das wünschte sich der bisherige Bad Schlemaer Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler) beim ersten Neujahrsempfang beider Orte, der am Freitagabend im Kulturhaus Aktivist stattfand. Vor rund 400 Vertretern aus Kultur, Politik und Wirtschaft sprach er über zahlreiche Vorhaben, die kurz vor der Vollendung stehen oder dieses Jahr umgesetzt werden sollen: die millionenschwere Sanierung der alten Bergbau-Halde 65, der Umbau der Turnhalle der Schillerschule, die Errichtung eines Sport- und Freizeitzentrums am Auer Bahnhof. Zur Fusion mit Aue erklärte Müller: Es sei zwar "keine Liebesheirat, aber eine Vernunftehe". Der bisherige Auer Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) ergänzte später: "Es ist wie bei einer späten Liebe, die Zuneigung muss sich erst entwickeln. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt."

Der Appell des Abends: Eine Mahnung kam bei dem Treffen von der Industrie- und Gewerbevereinigung Aue (Iga), die nach eigenen Angaben im Westerzgebirge 125 Firmen mit 8000 Arbeitnehmern vertritt. Chefin Katrin Winkler bezeichnete den Zusammenschluss von Kommunen in einer kurzen Rede als alternativlos. Stillstand sei keine Option, erklärte sie: "Wir brauchen eine starke Kommune und eine starke Wirtschaft im Westerzgebirge, um langfristig überhaupt eine Zukunft zu haben." Für die Iga könne mit einer Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema deshalb noch nicht Schluss sein. Deuten dürfte man das als klaren Appell an die Nachbarorte wie Schneeberg oder Lößnitz, sich einer Fusion nicht zu verschließen.

Die Würdigung des Tages: Für ihr Engagement sind Falk Schellenberger und Christian Harnes geehrt worden. Schellenberger, der als Bäckermeister mit seinen Produkten wie dem Fanbrot zur Vermarktung von FCE und Aue beigetragen hat, bekam die Brücken-Nadel angesteckt. Harnes, der sich seit dem Jahr 1972 in der Freiwilligen Feuerwehr in Schlema engagiert, erhielt die Bad Schlemaer Ehrennadel.

Die Nachricht des Abends: Der Jungunternehmerpreis 2019 geht an Dirk Bauer-Reich. Der 38-Jährige belegte den mit 750 Euro dotierten ersten Platz. Weil er beruflich verhindert war, nahm Sandy Grüner am Freitag stellvertretend die Siegertrophäe entgegen. Bauer-Reich leitet als Geschäftsführer die Firma Klesch Kunststoffbeschichtungen in Aue-Alberoda. Das Besondere: Die 1973 in Metzingen (Baden-Württemberg) gegründete Firma hatte Bauer-Reich 2012 mit Hauptsitz ins Erzgebirge geholt. Platz zwei bei dem Wettbewerb konnte Tobias Hinkel, Chef der Firma Hinkel Gabelstapler- und Fahrzeugservice in Bad Schlema, belegen. Platz drei ging an Steve Serve, Firmenchef von Car-Lack in Schwarzenberg. Der Jungunternehmerpreis ehrt einen jungen Macher, der etwa durch kreative Geschäftsideen auffällt. Stifter sind der Städtebund Silberberg, die Industrie- und GewerbevereinigungAue, die Deutsche Bank Aue und die "Freie Presse".

Der Applaus des Abends: Den wohl größten Beifall des Abends erhielt Lars Merkel (44). Der Auer hatte bei einem Brand in einem Wohnhaus an der Lindenstraße am 10. Januar zwei kleinen Kindern das Leben gerettet. Seine Nachbarin - eine junge Mutter - bemerkte das Feuer mitten in der Nacht in ihrer Wohnung und lief auf der Suche nach Hilfe ohne Schlüssel in den Hausflur; hinter ihr fiel die Tür ins Schloss. In der Wohnung: ihr fünf Jahre alter Sohn und ihr sieben Monate altes Baby. Lars Merkel reagierte sofort. Mit einer Rabattkarte versuchte er, die Tür seiner Nachbarin zu knacken. "Es hat einige Minuten gedauert, bis sie offen war", erzählt er. Doch dann war es geschafft. Noch vor Eintreffen der Rettungskräfte waren beide Kinder in Sicherheit.

Als Zeichen des Danks lud die Stadtverwaltung Lars Merkel am Freitag zum Neujahrsempfang ein. In einer kurzen Rede bedankte sich Heinrich Kohl für die Zivilcourage und überreichte dem Auer Blumen und ein besonderes Geschenk: eine neue Rabattkarte. "Die alte haben sie ja vielleicht bei ihrem Rettungseinsatz verloren."

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