Auer liefern Metall für den Himmel

Werkstoffe aus dem Auerhammer Metallwerk fliegen in Raumschiffen und Flugzeugen mit. Die Zahl der Abnehmer steigt.

Aue.

Die Walze, die Eric Kaufmann (30) in der großen Halle des Auerhammer Metallwerks bedient, wirkt wie ein gefräßiger, alles zermalmender Schlund. Eine kraftstrotzende Maschine, die Schwerstarbeit leistet. Kaum zu glauben, dass ganz am Ende des Prozesses filigrane Hightech-Bauteile stehen, die in Satelliten ihren Dienst verrichten werden.

Der Maschinenführer führt in seine Walze vorne ein Metallband ein. Hinten kommt es - je nach Einsatzzweck - zehn-, zwanzig-, hundertmal dünner heraus. Werkstoffe aus Aue werden in Navigationsaugen von Satelliten oder in Relais verbaut, die Teil der Bordelektronik von bemannten Raumfahrzeugen sind.

Geschäftsführer Rainhard Laag (61) zeigt das Gehäuse eines Satellitenauges: "Das besteht aus Metall und Keramik. Wir liefern das Metall. Es muss das gleiche Ausdehnungsverhalten besitzen wie die Keramik, sonst würde das Gehäuse auseinanderbrechen." In der Kälte des Weltraums werden Bauteile auf minus 150 Grad Celsius gekühlt, unter Sonneneinstrahlung steigen die Temperaturen auf plus 200 Grad. Dieses Auf und Ab lässt die Werkstoffe sich dehnen und wieder zusammenziehen. Geschieht das bei Metall und Keramik nicht im absoluten Gleichklang, bilden sich Risse - der Anfang vom Ende. Die Lebensdauer, die solche Bauteile für die Raumfahrt haben müssen, beträgt 35 Jahre.

Metalllegierungen, die so etwas können, bestehen aus Eisen, Nickel und Kobalt. Die Ingenieure bei Auerhammer entwickeln die Formel, nach der die Metalle gemischt werden müssen, um die verlangten Eigenschaften zu erreichen. Schmelzhütten stellen die Legierungen gemäß dieser Vorgaben her. In Aue erfolgt die Weiterverarbeitung durch Kaltwalzen mit Wärmebehandlung. So werden neben der Banddicke Här-te, Zugfestigkeit und Dehnbarkeit eingestellt. Ausgeliefert werden die Legierungen als große Bandrollen.

"Uns treibt die Miniaturisierung", sagt Geschäftsführer Laag. "Je kleiner die Bauteile werden sollen, desto dünner müssen unsere Bleche sein." Zwei Relais für Raumschiff-Elektronik verdeutlichen, worum es geht: Das Relais aus den 1970er-Jahren ist so groß wie eine Filmdose, das Relais von heute kleiner als ein Fingerhut. Das dünnste Metallband aus dem Auerhammer Metallwerk ist schon kein Blech mehr, sondern eine Folie, zehnmal dünner als ein menschliches Haar.

Etwa 300 Tonnen Ausdehnungslegierungen liefert Auerhammer jedes Jahr in alle Welt. Zu den Kunden zählen Hersteller aus Russland, den USA, China, Malaysia, Frankreich, Österreich, Spanien, Italien, Indien und Deutschland. Sie verarbeiten die Metallbänder aus Aue weiter - zu Schaltern, Relais, Gehäusen für den Einsatz unter extremen Temperaturen und Umgebungen. Vor einigen Jahren, sagt Rainhard Laag, lieferte Auerhammer seine Ausdehnungslegierungen vor allem für Energieverteiler. "Inzwischen wächst die Zahl der Abnehmer aus der Luft- und Raumfahrtbranche." Etwa 15 bis 20 Prozent des Jahresumsatzes mache diese Sparte mittlerweile aus.

Um sein Knowhow auf dem neuesten Stand zu halten, kooperiert das Auerhammer Metallwerk mit internationalen Forschungseinrichtungen. Zuletzt wurde ein Vertrag mit der Moskauer University of Science and Technology (Misis) geschlossen.

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