Auer Museumschefin tüftelt an Umzug in Wellner-Fabrik

Mehr als 9000 Exponate nennt das Stadtmuseum sein Eigen, darunter wertvolle Ölgemälde. Ein Schatz, von dem Besucher nur einen Bruchteil sehen, denn es fehlt an Platz. Das soll sich nun ändern - mit einer Millioneninvestition.

Aue.

57 Handfeuerwaffen, 389 Siegel und mehr als 3000 Fotografien: Das Depot des Stadtmuseums Aue ist prall gefüllt und birgt so manchen Schatz, wie die Sammlung von über 800 Bildern. Darunter sind Ölgemälde von überregionaler Bedeutung, wie die Museumschefin Sarah Becher berichtet. Als Beispiel nennt sie Arbeiten des deutschen Malers Ludwig von Hofmann.

Gründe genug, so scheint es, um eine große Ausstellung zu zeigen. Nur: Es fehlt an Platz.

Im Stadtmuseum an der Bergfreiheit stehen gerade einmal 250 Quadratmeter zur Verfügung. Das entspricht der Fläche eines Tennisplatzes. "Unser Depot ist sogar nur 42Quadratmeter klein", sagt Becher. "Das ist viel, viel zu wenig."

Ein Teil der Sammlung lagert deshalb seit Jahren auf dem Dachboden der Dürer-Grundschule. "Mit unserem Gebäude verbindet mich eine Hassliebe", erzählt Becher. "Es bringt uns immer wieder an die Grenzen."

Für Sonderausstellungen ist im Stadtmuseum etwa eine Fläche von gerade einmal 14 Quadratmetern vorgesehen. "Das ist kleiner als ein Kinderzimmer", sagte der Auer Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses und warb für eine Neuausrichtung des Museums, oder wie er es sagte: für "einen revolutionären Akt der Vergrößerung."

Konkret sieht diese vor, dass das Museum in die sanierte Immobilie der alten Besteckwarenfabrik Wellner ziehen soll. Im linken Gebäudeflügel will man dafür zwei Etagen nutzen. Die Ausstellungsfläche könnte sich so mehr als verdoppeln, auf gut 600 Quadratmeter. Auch das Depot würde deutlich an Platz gewinnen. Insgesamt sollen mehr als 1300 Quadratmeter zur Verfügung stehen, etwa auch für einen Veranstaltungs- und Pädagogikbereich.

Becher, die das Konzept miterarbeitet hat und nun im Kulturausschuss vorstellte, sieht dringenden Handlungsbedarf - nicht nur wegen des Platzmangels. Die jetzige Dauerausstellung zur Stadtgeschichte sei in den 1990er-Jahren entwickelt worden und veraltet. "Da muss jetzt etwas getan werden." Mit dem Umzug soll deshalb das Ausstellungskonzept komplett überarbeitet werden. Den Fokus wolle man künftig auf die Stadtgeschichte und die Industriekultur legen - und so auch eine Doppelung mit dem Uranbergbaumuseum in Bad Schlema vermeiden. Im Fokus sollen die Buchstaben des Stadtnamens AUE stehen, etwa "Arbeiter Und Erfinder" oder "Anfassen Und Erleben."

Bis das neue Museum eröffnet, dürften allerdings noch ein paar Jahre vergehen. Bis 2019 soll das Konzept fertiggestellt werden, 2021 die Planung beginnen. Erst im Jahr 2023 - zum 850. Geburtstag der Stadt Aue - ist der Umzug geplant. Kohl erklärte zum Zeitplan: "Das ist sportlich, aber realistisch."

Aus dem Kulturausschuss meldeten sich die Stadträte mit Lob zu Wort. Claudia Ficker (SPD) sagte beispielsweise: "Ich kann es kaum glauben, dass wir endlich darüber sprechen." Mehr als 1,2 Millionen Euro müsse man sicher dafür in die Hand nehmen, schätzte sie. Ulf Breitfeld (CDU) erklärte: "Ich begrüße es sehr, dass wir über ein neues Konzept nachdenken." Im jetzigen Museum wirke "alles etwas angestaubt".

Zustimmung kommt auch von der Fraktion der Freien Wähler. Bereits seit Jahren engagiere man sich für ein modernes, behindertengerechtes Museum, sagte Beatrice Meichßner. Dass nun endlich neue Flächen in der Wellner-Fabrik entstehen, begrüße man deshalb außerordentlich.

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