Auer OB schlägt nächste Impfprämie vor: 75 Euro für Verwaltungsmitarbeiter

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Impfen lassen oder nicht? Auch in Aue-Bad Schlemas Stadtverwaltung gibt es Unentschlossene. Oberbürgermeister Heinrich Kohl will seine Mitarbeiter nun mit Geld locken. Ein Stadtrat hat noch mehr Ideen gegen Impfmüdigkeit.

Aue-Bad Schlema.

Mit frisch gegrillten Würsten hat die Stadt Aue-Bad Schlema jüngst Erzgebirgern die Spritze gegen Corona schmackhaft gemacht. "Bratwurst-Impfen gegen Impfmüdigkeit" nannte das Rathaus die Aktion. Nun setzt der Oberbürgermeister im Kampf gegen die schleppende Impfkampagne in der Region auf weitere Anreize. Für alle Rathausmitarbeiter bringt Heinrich Kohl (CDU) eine Impfprämie über 75 Euro ins Spiel. "Vielleicht ist es so möglich, den einen oder anderen zu überzeugen", sagt er "Freie Presse".

Die Idee zu der Prämie für die Mitarbeiter kommt von Stadtrat Tobias Andrä (Auer Liste), der den OB vor wenigen Tagen bat, eine Einführung zu prüfen: "Es ist angesichts der stagnierenden Impfquote zwingend erforderlich, durchgreifende Schritte einzuleiten." Der Stadtverwaltung komme "eine Vorreiterrolle" zu, auch weil die Mitarbeiter Teil der kritischen Infrastruktur seien. Den FC Erzgebirge Aue bat Andrä zudem, bei Heimspielen künftig auf die 2G-Regel zu setzen - also nur geimpfte und genesene Fans ins Stadion zu lassen, getestete nicht. Das, so hofft er, motiviere vielleicht einige Erzgebirger für eine Impfung.

Der FCE ist beim Thema 2G jedoch zurückhaltend. "3G hat sich bei uns bewährt", erklärt Pressesprecher Peter Höhne. Deshalb gebe es aktuell keinen Grund für Änderungen. Stadtchef Kohl wiederum will den Ball, dem ihn Andrä zuspielte, aufgreifen. Auch er sagt zur Impfprämie in der Verwaltung: "Der Öffentliche Dienst hat eine Vorbildfunktion. Wie wollen wir andere von der Impfung überzeugen, wenn wir nicht vorangehen?"

Kohl selbst hat bereits zwei Spritzen mit dem Vakzin von Astrazeneca erhalten. Doch im Rathaus sind noch längst nicht alle der rund 300Mitarbeiter immunisiert. "Es gibt Skeptiker", so der OB. Genaue Zahlen hat er zwar nicht, geht aber davon aus, dass die Quote nicht höher als der Durchschnitt ist. Im Erzgebirgskreis liegt die Quote vollständig Geimpfter aktuell bei 38,7 Prozent - damit ist die Region sachsenweit Schlusslicht.

Andrä nennt die Quote "dramatisch niedrig", auch wenn sie nur ein Indikator sei. Denn der Freistaat erfasst bei den Impfzahlen nicht, wo der Geimpfte lebt, sondern nur, wo die Spitze verabreicht wurde. Ziel müsse es seien, deutlich mehr Menschen zu immunisieren, so der Politiker. "Nur die Impfung wird den Corona-Spuk beenden."

Über eine Impfprämie soll laut Kohl der Stadtrat auf seiner nächsten Sitzung im September beraten. Wird diese eingeführt, sollen auch rückwirkend all jenen im Rathaus Geld erhalten, die bereits immunisiert sind. "Eine Impfquote von 85Prozent würde ich mir als Ziel setzen", sagt er. Und wenn die Prämie wenig bringt? Andrä fordert für diesen Fall, zu prüfen, ob sich in der Verwaltung eine Impfpflicht einführen lässt. "Blaupause" sei die Masern-Impfpflicht in Kitas.

OB Kohl wiederum ist beim Thema Impfpflicht zurückhaltend. Das, sagt er, scheine juristisch nicht zu gehen. Nicht ausschließen will er zu einem späteren Zeitpunkt - wenn es mit einem "Totimpfstoff" mehr Vakzin-Auswahl gibt - eine Impfobliegenheit, also so etwas wie eine passive Impfpflicht. Heißt: Wer sich nicht impfen lässt und verschuldet an Corona erkrankt, muss auf die Lohnfortzahlung verzichten. Kohl: "Das könnte ich mir vorstellen."

 

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