Babymarkt Süß schließt nach 16 Jahren im Simmel-Center

Der übermächtige Online-Handel zwingt ein weiteres Geschäft in Aue in die Knie. Ganz aufgeben wollen die Geschäftsleute aber nicht. Junge Eltern finden das Angebot zukünftig am Altmarkt - aber nicht mehr so umfangreich.

Aue.

Nach 16 Jahren geben die Brüder Thomas und Detlef Süß ihren Babymarkt im Simmel-Center Aue auf. "Der Online-Handel setzt uns zu", sagt Thomas Süß. Er sieht sich in der gleichen Situation wie viele Einzelhändler auf dem Markt der Babyausstatter. "Von ehemals 36kleineren Einzelhändlern in Ostdeutschland sind drei, mit uns, übrig geblieben. Aber es ist ein gesamtdeutsches Problem."

Der Babymarkt im Simmel-Center war eins von zwei Geschäften der Familie in Aue. Das Kinderparadies Süß am Altmarkt bleibt erhalten, dort wird zukünftig die Kleinkinderbekleidung bis Größe 128 zu haben sein. Von allem anderen - Kinderwagen und -betten, Autositze und Babyausstattung vom Fläschchen bis zur Wickelauflage - trennt man sich. Für die Textilien werde im Geschäft am Altmarkt Platz gemacht, indem man dort wiederum das Angebot für Bastelbedarf und Modellbau reduziert.

Über acht Wochen hatte der Babymarkt seine Waren im Ausverkauf angeboten, letzter Verkaufstag war der 28. Dezember. "Fast alles ist raus", so Thomas Süß. Der 59-Jährige und sein 61-jähriger Bruder wollen das Geschäft am Altmarkt noch einige Jahre führen und hoffen dann darauf, dass Detlef Süß' Sohn Carsten es übernimmt. "Das hängt von der Entwicklung in den nächsten Jahren ab, ob es sich überhaupt noch lohnt." Jahr für Jahr habe man zuletzt vor immer neuen Herausforderungen gestanden, so Thomas Süß. "Das war eine rasante Entwicklung."

Die Tradition des Geschäfts geht auf das Jahr 1813 zurück, da wurde es als Korbmacherei gegründet. 1906 eröffnete Wilhelm Süß das eigene Einzelhandelsgeschäft. Nach 1945 wurde mit der Herstellung eigener Korbkinderwagen begonnen. 1966 wurde die Genehmigung für den Verkauf und Handel entzogen, aber die Korbmacherei weitergeführt. Seit dieser Zeit betrieb Familie Süß eine Vertragswerkstatt für Kinderwagen in der damaligen DDR. 1990 eröffnete sie dann wieder das Einzelhandelsgeschäft mit dem Namen "Kinderparadies Süß".

Im Simmel-Center belegte der Babymarkt eine Fläche von 480 Quadratmetern und war damit der größte seiner Art im Erzgebirge. Jetzt bleibt noch bis zum 31. Januar Zeit fürs Ausräumen und Renovieren. Ab 1. Februar könnte das Geschäft neu genutzt werden - das Centermanagement ist auf der Suche nach Interessenten. "Nach 15 Jahren, so lange besteht jetzt das Center, laufen viele Mietverträge aus. Es gibt auch Geschäfte, die bleiben und Verträge verlängern", sagt Center-Managerin Yvonne Härtig.

Claudia Ficker, Stadträtin der SPD in Aue-Bad Schlema hatte jüngst zur Stadtratssitzung ihr Bedauern zur Schließung des Geschäfts im Zusammenhang mit der Erhöhung des Babybegrüßungsgeldes geäußert. Denn dort konnten junge Eltern ihre Gutscheine einlösen. Für ihre Kinder, jetzt 18, 11 und 5 Jahre alt, habe sie gern im Babymarkt eingekauft. "Mit der Beratung zu Kinderwagen und Autositzen hatte das Geschäft auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal, ich bedaure, dass es den sich wandelndem Marktverhalten zum Opfer fällt." Am Ende entscheide jeder selbst als Kunde über die Zukunft des Einzelhandels, so Claudia Ficker.

"Uns liegt jedes Geschäft am Herzen", sagt Stadtsprecherin Jana Hecker zum Aus. Allerdings seien für die Stadtverwaltung Grenzen gesetzt, man könne nur versuchen, die Rahmenbedingungen so günstig wie möglich zu gestalten.

1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 11
    6
    heangel
    14.01.2020

    Problem ist nicht der Online Handel, Problem ist, dass die Einzelhändler "alten Schlages" nicht begreifen, dass Onlinehandel auch von Händlern betrieben wird, und selbst Mini-Händler, die das erkannt haben, durchaus gute Umsätze damit erzielen können. Multichannel erfordert halt etwas Wissen und Anstrengung, mehr als Kistenschieben und die Hand fürs Geld aufmachen erfordert es schon...



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...