Bäcker kämpfen gegen steigende Kosten

Die Senkung der Mehrwertsteuer zum 1. Juli wird nicht in allen Branchen an die Kunden weitergegeben. Gestiegene Kosten sind ein Grund dafür, wie auch die neue Bonpflicht.

Aue/Schwarzenberg.

Seit Beginn des Monats ist in Deutschland die Mehrwertsteuer gesenkt. Damit verspricht sich die Bundesregierung niedrigere Preise und damit einen höheren Konsum der Bürger. Doch nicht alle Händler geben diesen Vorteil an ihre Kunden weiter. So haben zum Beispiel viele Bäcker ihre Preisschilder nicht ausgewechselt. "Es gibt gleich mehrere Gründe die gegen eine Preissenkung aufgrund der Änderung der Mehrwertsteuer sprechen", erklärte Rico Müller. Der Bäcker ist Obermeister der Bäckerinnung Aue-Schwarzenberg und kennt die Argumente seiner Berufskollegen.

"Bei einem Brötchen macht die Mehrwertsteuersenkung gerade einmal einen Cent aus. Der Aufwand für den Bäcker, der alle Preisschilder ändern muss, steht daher in keinem Verhältnis zum Vorteil für den Kunden", sagt Rico Müller, der in Breitenbrunn eine Bäckerei betreibt. Zudem müsste im Januar - nach dem Ende der kurzzeitigen Mehrwertsteuersenkung - die Waren erneut wieder neu ausgewiesen werden. Auch dies wäre wieder mit einem gewissen Aufwand verbunden.

Ohnehin hätten die Bäcker im Erzgebirge nach der Corona-Krise derzeit mit anderen Problemen zu kämpfen. "Während die kleinen Betriebe relativ gut durch den Shutdown gekommen sind, haben die größeren mit deutlichen Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Vor allem wenn sie auch Cafés betreiben", sagt der Innungsobermeister. Zwar wurden Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. "Aber Mietzahlungen und Raten für Kredite wurden trotzdem fällig. Auch wenn Fristen verlängert wurden, müssen diese Verbindlichkeiten dennoch gezahlt werden." Letztlich könne dies zu unvermeidlichen Preiserhöhungen führen. "Durch die Senkung der Mehrwertsteuer kann dies eventuell vermieden werden", so Rico Müller. Dies würde sich jedoch erst in den nächsten Monaten zeigen.

"Bereits zum Jahresanfang mussten die Bäcker mit dem Ansteigen des Mindestlohns eine Steigerung der Kosten hinnehmen", erklärt der Innungsobermeister. Mittlerweile machten die Ausgaben für das Personal etwa die Hälfte der Kosten in den Backstuben aus. Auch in das Kassensystem mussten die Bäcker zum Jahresanfang investieren. "Durch die Bonpflicht sind gleichfalls die Ausgaben gestiegen", sagt er. Auch wenn viele Kunden gar keinen Kassenzettel haben wollen, hatte die Politik diese neue Regel durchgesetzt. Zudem habe die Bürokratie für Bäcker zugenommen, was ebenfalls zu einer Steigerung der Ausgaben geführt habe.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.