Bäckerei Süß in Burkhardtsgrün schließt

Für das Geschäft gibt es keinen Nachfolger. Es lohne sich auch nicht mehr, sagen die Inhaber. Dankbar sind die Bäckersleute ihren Stammkunden.

Burkhardtsgrün.

Fast im Minutentakt ertönt die Türglocke der Bäckerei Süß in Burkhardtsgrün an diesem Vormittag mitten in der Woche. "Das ist jeden Tag anders, es kann auch sein, dass niemand kommt", erzählt Inhaber Sieghard Süß. Bald jedoch wird die Glocke verstummen, denn in vier Monaten schließt die Bäckerei.

Sieghard Süß, der die Bäckerei 1992 von seinem Vater Herbert übernahm, hat zwar seinen Sohn und seine Tochter beide im Handwerk ausgebildet. Doch keines der Kinder möchte die Bäckerei übernehmen. Weil Hannelore und Sieghard Süß über der Bäckerei wohnen, wollen sie keinen fremden Nachfolger.


Wenn sie ihr Geschäft schließen, ist er 65 Jahre alt, sie 63. "Es ist ein harter Job, bei dem die Gelenke kaputtgehen, die Kraft reicht nicht mehr", sagt Hannelore Süß. In der Nacht 1 Uhr aufstehen, Teigmassen von 50 Kilogramm Gewicht heben, den Teig mit den Händen bearbeiten - für Sieghard Süß ein Knochenjob. Seine Frau hatte all die Jahre quasi zwei Jobs, in der Backstube und im Verkauf.

Jetzt, wo es ans Abschiednehmen geht, denken der Burkhardtsgrüner Bäcker und seine Frau voller Dankbarkeit an ihre Stammkunden. Viele kommen seit Jahren an den immer gleichen Tagen und haben ihre Dauerbestellung. Selbst in den zwei Jahren, als die Ortsdurchfahrt gebaut wurde, seien die meisten gekommen. "Sie haben ihr Auto am Beginn der Baustelle abgestellt und sind bis zu uns gelaufen", erzählt Hannelore Süß.

Die Bäckerei an der Hauptstraße gibt es schon seit den 1930er-Jahren. Herbert Süß übernahm sie 1956. Dass sein Sohn das gleiche Handwerk lernt, war zu jener Zeit üblich.

Sieghard Süß liebt an seinem Beruf, dass er alles mit eigenen Händen macht und den unmittelbaren Erfolg sehen kann. "Nur wenn es ihnen schmeckt, kommen die Kunden wieder", sagt er. Und das muss wohl in vielen Fällen so gewesen sein, denn die Bäckerei hat einen großen Kreis Stammkundschaft bis nach Zwickau und Aue. Trotzdem ist sich das Ehepaar Süß einig, dass sich das Geschäft nicht mehr lohnt. Da helfe auch der gute Standort an der Hauptstraße nicht viel. Mindestlohn und die Konkurrenz machen dem traditionellen Bäckerhandwerk zu schaffen. "Backwaren gibt es heute im Baumarkt, selbst an der Tankstelle kann man Brötchen kaufen", zählt Sieghard Süß auf. "Und alles darf nichts kosten." Mit 40 Cent für die Doppelsemmel verlangt die Burkhardtsgrüner Bäckerei allerdings schon über Jahre stabil einen günstigen Preis.

Mehrere Sorten Brot und Brötchen, Kuchen und Torten gehören zum Angebot. Etwas Spezielles ist das Dreierbrötchen mit Anis, das es nur samstags gibt. Ebenfalls beliebt bei den Kunden sind Maulschellen aus Hefeteig, die kaum noch ein anderer Bäcker backt.

Nachdem die Bäckerei am 12. Oktober das letzte Mal geöffnet sein wird, werden in der Backstube die Maschinen abgebaut. Laut Sieghard Süß gibt es Interessenten, die froh sind, diese preisgünstig erwerben zu können.

Mit der Bäckerei schließt die letzte Verkaufsstelle in Burkhardtsgrün. Allerdings, so ist von Bürgermeister Wolfgang Leonhardt (CDU) zu erfahren, macht man sich Gedanken um eine Lösung für eine Nahversorgung an anderer Stelle in dem Ortsteil von Zschorlau.

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