Bagger vor alter Wilisch-Villa in Bad Schlema sorgt für Aufsehen

Seit Jahren rottet das historisches Gebäude am Rande des Kurparks vor sich hin. Nun arbeiten sich Baumaschinen durch das Gelände - und werfen neue Fragen zur Zukunft der Villa auf.

Bad Schlema.

Es ist eine Nachricht, die bei einigen Erzgebirgern für Aufsehen sorgte. "Die Tage der alten Villa am Kurpark von Bad Schlema scheinen gezählt", hieß es vor kurzem in einem Beitrag im sozialen Netzwerk Instagram. Ein Foto dazu zeigte einen großen Bagger, der vor der alten Wilisch-Villa an der Hauptstraße steht.

Die Fabrikantenvilla, die in Oberschlema über dem Kurpark thront, ist bereits seit Jahren in keinem guten Zustand. Das Dach ist dem historischen Backsteingebäude bei einem Brand in der Neujahrsnacht 2008 abhandengekommen, das Parkett im Inneren herausgebrochen. Weil kein Investor in Sicht ist, hatte der Gemeinderat von Bad Schlema bereits im Mai 2017 beschlossen, das Gebäude für den Abriss freizugeben. Kommt es nun weg?


Der frühere Bürgermeister von Bad Schlema, Jens Müller, hat darauf eine klare Antwort. "Nein, der Bagger hat überhaupt nichts mit der Villa zu tun", erklärt er. Tatsächlich lässt der Bergbausanierer Wismut die Fläche davor derzeit lediglich instand setzen. Begonnen hatten die Arbeiten bereits vor zwei Monaten. Läuft alles wie geplant, sollen sie bis Ende des kommenden Monats abgeschlossen sein.

Manfred Speer ist Projektleiter bei der Wismut für die sogenannten Altstandorte. Er erklärt zu den Arbeiten in Bad Schlema: "Im Untergrund rund um die Wilisch-Villa befinden sich noch radioaktive Altlasten aus Zeiten des früheren Wismut-Bergbaus." Diese sollen nun beseitigt werden. "Das Gebäude selbst berührt uns gar nicht."

Auf der nur 0,3 Hektar großen Fläche finden sich zudem alte Fundamentreste von einer Halle der Wismut, in der einst Pumpen repariert und aufbereitet wurden. Auch diese sollen ausgehoben und entsorgt werden. "Wir hinterlassen kein großes Loch, sondern verfüllen wieder alles und pflanzen neues Grün", erklärt Manfred Speer.

Die Kosten für das Projekt liegen bei rund 450.000 Euro. Dafür muss aber nicht die Stadt Aue-Bad Schlema aufkommen, sondern Bund und Land teilen sich die Summe. Für die Wismut selbst ist es eine eher kleine Baustelle. Speer sagt zu den Arbeiten an der Hauptstraße: Anders als die Sanierung des benachbarten Uranbergbau-Halde 65 sei es "keine riesengroße Aufgabe".

Und was passiert nach Abschluss der Sanierungsarbeiten mit der Wilisch-Villa? Zuletzt hatte es Pläne gegeben, um das Gebäude herum neue Wohnhäuser zu errichten - der historische Bau könnte dabei in Teilen erhalten bleiben. Wie der Alt-Bürgermeister Jens Müller berichtet, hat sich diese Idee aber mittlerweile zerschlagen. "Es gibt im Moment keinen ernstzunehmenden Interessenten." Kein Dach, kein Investor - keine Zukunft?

Erbaut worden war das Gebäude im Jahr 1896 für den Unternehmer Alexander Wilisch, der hier mit seiner Familie residierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Wismut das Gebäude als Küche. Später wurde daraus ein Wohnhaus, ab Ende der 1990er-Jahre stand es leer. Im Jahr 2006 kaufte schließlich ein Zwickauer Geschäftsmann das Gebäude, um dort eine Pension einzurichten, ließ es dann aber verfallen. Eine Studie der Volksbank Erzgebirge schätzte die Kosten für eine Sanierung zuletzt auf gut 3,2Millionen Euro. Geld, das die Stadt nicht hat.

Der Abriss des markanten Gebäudes sei deswegen aber nicht zwingend die bevorzugte Lösung, erklärt Jens Müller. "Am Ende muss darüber der neue Stadtrat entscheiden." Die Chance, dass die Villa komplett erhalten bleibt, schätzt er derzeit aber eher gering ein. Die Villa in eine neue Wohnbebauung zu integrieren, sei Investoren zu teuer. "Aber vielleicht kann man den Turm oder Teile der Fassade als Erinnerungsstück erhalten."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...