Ende des Bergarbeiter-Krankenhauses: Kliniken buhlen um Personal

Nach dem geplanten Aus des stationären Betriebs in Schneeberg wird befürchtet, dass die Mitarbeiter die Stadt verlassen. Zwei Mit- bewerber freuen sich bereits auf Bewerbungen.

Schneeberg.

Wie geht es mit dem Bergarbeiter-Krankenhaus (BAK) in Schneeberg und der medizinischen Versorgung in der Region weiter? Diese Frage stellt sich, nachdem am Montag die Pläne bekannt wurden, dass das Haus in ein medizinisches Versorgungszentrumplus Pflegeeinrichtung umgebaut werden soll. Fast eine Stunde hatten die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung in der vollbesetzen Cafeteria die Ausführungen der Geschäftsführer verfolgt. Danach war die Stimmung gedrückt und die Meinungen ganz unterschiedlich. "Wenn dieser Schritt notwendig ist, dann muss er getan werden", sagte eine Frau. Und eine andere sagte zur "Freien Presse", sie hoffe, dass das Versprechen der Weiterbeschäftigung erfüllt werde. Eine Schwester bedauerte, dass wohl das Stationsteam jetzt auseinander gerissen wird: "Das BAK war wie eine große Familie. Es hat viel Spaß gemacht, hier zu arbeiten."

Wie es mit dem BAK künftig weitergeht, dass müssen die Schneeberger Stadträte entscheiden, die bereits am Donnerstagabend im nicht öffentlichen Teil der Stadtratssitzung über das Ende des stationären Betriebes informiert wurden. Das Vorhaben muss durch sie genehmigt werden, da die Bergstadt mit 25,1 Prozent am BAK beteiligt ist.

"Wir haben sehr lange um die Erhaltung des BAK gekämpft", sagte am Dienstag der Fraktionsvorsitzende der CDU, Matthias Preiß. Doch nach den Informationen der Geschäftsführung sehe es so aus, als könne es die Stadt nun nicht mehr stemmen.

"Wenn wir es mit einem starken Partner wie dem Klinikum Chemnitz nicht schaffen, dann sind wir auch allein nicht in der Lage", so Matthias Preiß. Dennoch sei es für ihn ein Schlag ins Kontor. "Ich vermisse derzeit vor allem ein Konzept, wie das sehr gute Personal in Schneeberg gehalten werden kann. Was nützen alle Pläne, wenn die Mitarbeiter in andere Kliniken wechseln?" Darin besteht laut Preiß die größte Gefahr. Er hofft dennoch, dass mit der Entscheidung die medizinische Versorgung in der Stadt bestmöglich abgesichert ist.

Als positiv bewertet die Fraktion Aktiv für Schneeberg den Plan, ein ambulantes Versorgungszentrum aufzubauen. "Die Alternative wäre möglicherweise eine Insolvenz des BAK gewesen. Dies hätte für Schneeberg nicht nur einen beachtlichen finanziellen Verlust bedeutet, sondern wir hätten auch ein leer stehendes Gebäude gehabt, für das es schwer geworden wäre, eine Nachnutzung zu finden", erklärt Fraktionsvorsitzender Michael Bretschneider. Allen Stadträten sei mit Blick auf die Bilanzen des BAK in den vergangenen Jahreklar gewesen, dass es so nicht weitergehen konnte.

Die Fraktion der Freien Wähler/Bika will sich erst in den nächsten Tagen eine Meinung bilden, welche Zukunft das BAK hat. "Wir werden gemeinsam über die vorgelegten Fakten diskutierten", sagte Ray Lätzsch. Auch soll beim nächsten Treffen der Fraktionschef Tobias Steinert informiert werden, da er an der jüngsten Stadtratssitzung nicht teilnehmen konnte.

Doch wie bewerten die Chefs der anderen Krankenhäuser in der Region die Entwicklung in Schneeberg? Kritisch sieht der Geschäftsführer des Auer Helios-Klinikums, Marcel Koch, die Pläne: "Die Schließung des Bergarbeiter-Krankenhauses ist für mich zwar nachvollziehbar, aber für die medizinische Versorgung in der Region wäre es vorteilhafter gewesen, wenn man im Vorfeld auch mit uns gesprochen hätte. Vielleicht wäre dann eine andere Lösung möglich gewesen." So bestehe zum Beispiel die Gefahr, dass Fachpersonal die Region verlassen könnte.

"Die Pflegekräfte und die Ärzte des BAK sind für ihre gute Arbeit bekannt. Sie sollten den Patienten hier erhalten bleiben", sagt Marcel Koch. Daher werde man sich im Helios über entsprechende Bewerbungen freuen. Die Versorgung der Patienten in der Region sei durch die Schließung nicht gefährdet. "Bereits in der Vergangenheit hat sich das BAK nur noch eingeschränkt an der Notfallversorgung beteiligt. Lukrative Fälle werden schon seit längerem nach Chemnitz umgeleitet."

Als überraschend bewertet die Geschäftsführerin der Kliniken Erlabrunn, Heidrun Ballmann, die Entscheidung: "Die Schneeberger haben immer für ihr Krankenhaus gekämpft, es hat einen großen Rückhalt in der Bevölkerung."

Trotzdem kann sie den Schritt verstehen. "Für kleinere Krankenhäuser wird es immer schwieriger, die Anforderungen zum Beispiel beim Personal zu erfüllen", erläutert Heidrun Ballmann. Aus ihrer Sicht könnte die Neuausrichtung in Schneeberg auch ein Vorteil für die Kliniken Erlabrunn sein. Wer von den Beschäftigten weiter in einem ländlichen Haus arbeiten will, ist in Erlabrunn willkommen. "Bereits jetzt haben wir Mitarbeiter aus der Bergstadt." Und auch Patienten würden sich wohl nun noch öfter für die Kliniken entscheiden.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen
2Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    5
    CPärchen
    31.10.2019

    Ist doch simpel: So ist eine Hüft-OP lukrativer, als ein Nabelbruch, weil es mehr Geld gibt.

    Auch wenn es blöd klingt: Eine Klinik muss die Kosten stemmen können, um Personal und Technik bezahlen zu können.
    Und da ist die Notfallversorgung ein Minusgeschäft und muss entsprechend quersubventioniert werden über bspw. den Kreißsaal.

  • 15
    2
    KTreppil
    30.10.2019

    Beim Lesen dieses Artikels, hier vor allem dem Beitrag des Chefs vom Helios:"...Lukrative Fälle..." stellt sich für mich die Frage, wann ist ein Kranker lukrativ? Wenn er richtig krank ist, um maximal an ihn zu verdienen, wenn man seine Behandlungsmethoden ausprobieren kann...? Mit der Ankündigung der Schließung des Krankenhauses in Schneeberg bestätigte sich mal wieder deutlich, dass es in der Medizin weniger um die Behandlung kranker Menschen geht, sondern nur um Geld und Gewinn. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber diese Äußerung des Auer Klinik Chefs setzt dem nochmal eins drauf. Hoffentlich werde ich nicht irgendwann mal ein lukrativer Fall.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...