Baustellen-Zoff vor Gericht

Zwei Männer streiten sich über die Arbeit, dann fällt einer vom Gerüst. Eine vermeintlich brutale Straftat ist nun am Amtsgericht Aue auf- gearbeitet worden - mit überraschendem Ausgang.

Aue.

Auch über ein Jahr nach der Auseinandersetzung kann es der Zeuge noch nicht fassen: "Wir standen da und waren alle sprachlos",erklärte er diese Woche vor dem Amtsgericht in Aue. "Es war das erste Mal in 49 Jahren Arbeitsleben, dass ich das gesehen habe."

Das Gericht hatte sich mit einem ungewöhnlichen Vorwurf beschäftigen müssen: Ein Bauarbeiter (57) soll einen anderen auf einer Baustelle im Landratsamt in Aue im März vergangenen Jahres verletzt haben - offenbar im Streit um die Arbeitseinteilung. Laut Staatsanwaltschaft trat der Angeklagte dabei gegen ein Gerüst, auf dem sein Kollege stand. Daraufhin stürzte dieser zu Boden.


Dann schlug der Angeklagte mit der Faust zu und soll ihm mit seinem Arbeitsschuh auch aufs Gesicht getreten haben. Doch so brutal die Tat laut Anklage klingt, so gering waren die Verletzungen - "nur" eine Schramme an der Nase und Nasenbluten sind dokumentiert. Im Verlauf des Prozesses sollte es nicht die einzige Ungereimtheit sein.

Je länger die Verhandlung dauerte, desto mehr zeigte sich ein anderes Bild von dem Vorfall. Zwar stellte keiner der Beteiligten eine Rangelei wegen der Arbeit in Rede. Doch wer für diese verantwortlich war, dazu gab es ganz unterschiedliche Aussagen. Zudem entpuppte sich der bereits genannte Sturz von einem Baugerüst später eher als Sprung von einem niedrigen Rollgerüst.

Wie der Angeklagte über seinen Anwalt berichten ließ, hatte er zunächst versucht, auf das kleine Gerüst zu seinem Kollegen zu klettern, war dabei jedoch abgerutscht. Daraufhin habe auch sein Kollege den Halt verloren und sei abgesprungen. Dann sei es zu einer Schlägerei gekommen, die aber nicht er, sondern sein Kollege begonnen habe.

Dieser beschuldigt hingegen den Angeklagten. "Ich wusste nicht, wie mir geschieht", sagte der Mann. Einen absichtlichen Tritt ins Gesicht, wie es in der Anklage steht, konnte er aber nicht bestätigen.

Staatsanwältin und Verteidiger einigten sich nach gut dreistündiger Verhandlung schließlich darauf, das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung vorläufig einzustellen. Der Richter dazu: "Es liest sich schlimmer, als es war." Der Angeklagte muss im Gegenzug aber eine Geldstrafe über 1200 Euro an die Arbeiterwohlfahrt zahlen - denn zwei Zeugen hatten bestätigt, dass er seinem Kollegen ins Gesicht schlug.

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