Bergbau-Schatz im Kurort ist gehoben

In Bad Schlema war im Herbst 2016 zufällig unter Tage eine historische Bergbaumaschine entdeckt worden: ein mehr als 500 Jahre altes Kehrrad. Inzwischen sind die Ausgrabungsarbeiten beendet - wie geht es weiter?

Bad Schlema.

Es gilt als bedeutendes historisches Zeugnis des Bergbaus: ein über 500 Jahre altes Kehrrad, das Bergleute im Herbst 2016 zufällig beim Erkunden einer Einbruchstelle in Bad Schlema entdeckten. Jetzt sind die Bergungsarbeiten abgeschlossen worden. Das berichtet Matthias Schubert vom Landesamt für Archäologie Sachsen.

Schubert hatte die Ausgrabung gemeinsam mit Kollegen als Teil des Forschungsprojekts Archaeomontan begleitet. "Die gewonnen Messdaten werden von uns in den nächsten Monaten aufgearbeitet, die geborgenen Hölzer sortiert, beschrieben und konserviert", sagt er.

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Bei dem Kehrrad handelt es sich um eine Bauform eines Wasserrads, das in zwei Richtungen bewegt werden kann. Durch Untersuchungen des Holzes gelang dem Landesamt der Nachweis, dass es aus der Zeit um 1500 stammen muss. Laut Archäologen ist die Entdeckung, die am Schneeberger Weg gemacht wurde, damit das bislang älteste bekannte Kehrrad und eine der größten Maschinen dieser Zeit, die je in Europa entdeckt wurden.

Arbeiter nutzten die Räder im 15.und 16. Jahrhundert in den Silberbergwerken vermutlich zum Heben von Wasser. Schon in Georgius Agricolas Standardwerk "De re metallica" von 1556 sind solche Kehrräder dargestellt. Experten schätzen den Durchmesser des Bad Schlemaer Exemplars auf fast zwölf Meter. Matthias Schubert erklärt: "Es ist für uns ein beeindruckender Fund, allein von den Ausmaßen her." Er dokumentiere den technischen Fortschritt im Bergbau, den es damals gegeben habe.

Holzfragment um Holzfragment hatten Bergleute mit Baggerschaufel und in Handarbeit in den vergangenen Monaten freigelegt. Laut Matthias Schubert konnten bis März dieses Jahres insgesamt 450 Einzelteile geborgen werden. Das kleinste Holzstück misst dabei 30 Zentimeter, das größte ist 8 Meter lang und vier Tonnen schwer - die Antriebswelle. Sie war im Sommer vergangenen Jahres bei einer aufwendigen Bergungsaktion aus der untertägigen Radstube gehoben worden. Ein Schwerlastkran bugsierte das hölzerne Stück durch den engen Schacht aus 20 Metern Tiefe an die Oberfläche. "Die Vorbereitungen dafür haben mehrere Tage gedauert", erzählt Schubert. So habe die Bergsicherung Schneeberg etwa ein kleines Modell des Schachts und des Kehrrades gefertigt, an dem die Bergung im Vorfeld geübt wurde.

Von dem Kehrrad ist unter Tage laut dem Archäologen circa die Hälfte erhalten gewesen. Davon konnte wiederum ein Großteil gerettet werden. Dass das Kehrrad die vielen Jahrhunderte relativ gut überstand, ist offenbar einem Unglück zu verdanken. So könnte das Rad bei einem Hochwasser im 16. Jahrhundert von Erdmassen verschüttet worden sein. Dank luftdichtem Abschluss und feuchtem Klima unter Tage überdauerte das Rad die Zeit.

Was später einmal damit passiert, ist unklar. Laut Schubert soll zunächst eine wissenschaftliche Dissertation über das Kehrrad erscheinen. Darin will man unter anderem auch einem Rätseln nachgehen - nämlich ob das Kehrrad jemals in Betrieb war. Weil bei den Bergungsarbeiten vom Eisenlager jede Spur fehlte, wird vermutet, dass das Rad damals möglicherweise erst aufgebaut oder vielleicht repariert wurde.

Parallel zur wissenschaftlichen Arbeit laufen in Bad Schlema weiter die Sicherungsarbeiten an der Einbruchstelle. Laut dem zuständigen sächsischen Oberbergamt wird mit deren Abschluss im Frühjahr 2020 gerechnet. Derzeit werden die Radstube und ein Kunstschacht bis auf das Niveau eines geplanten Betonriegels verwahrt, später die Betonplombe eingebaut und Resthohlräume verfüllt. Die Kosten für die Sicherungsarbeiten belaufen sich auf insgesamt etwa 2,1Millionen Euro.

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