Berggeschrey in Zschorlau mit Familientag

St. Anna am Freudenstein ist eine der ältesten Silbergruben im Erzgebirge. Ein Verein kümmert sich seit 30 Jahren darum. Das wird jetzt gefeiert.

Zschorlau.

Gerade eben hatte die Interessengemeinschaft (IG) Historischer Bergbau Grund zum Feiern: der 100.000. Besucher im Zschorlauer Bergwerk St. Anna am Freudenstein. Und schon steht der nächste Anlass ins Haus: Das 30-jährige Bestehen des Vereins, der das Bergwerk aufgewältigt hat und dort seit 1990 Führungen anbietet.

Die Feier wird vom 23. bis 25. August stattfinden. Geplant ist unter anderem ein Familientag. Es ist der erste von mehreren, die unter dem Dach des Leader-Projekts "Berggeschrey.2018" organisiert werden. Träger des Projekts ist der Verein Montanregion Erzgebirge. "Wir wollen Vereine mit bergbaulichem Hintergrund fördern, das Bewusstsein fürs Ehrenamt stärken und die bergbauliche Tradition in der Region erhalten", sagt Andreas Riedel, für fünf von acht Leader-Regionen verantwortlicher Projektmanager. Der Familientag diene auch der Nachwuchsgewinnung und -förderung. So sind viele Angebote zum Familientag in Zschorlau für Kinder gedacht.


Das Projekt "Berggeschrey.2018" arbeitet seit Anfang des Jahres. Derzeit findet eine Umfrage unter Vereinen statt, was diese sich als Themen für geplante Workshops wünschen. Archäologie und Denkmalschutz, Öffentlichkeitsarbeit, Bergrecht, Bergbautechnik und pädagogische Arbeit sind als Themenkomplexe ins Auge gefasst. Ab 2020 soll dann ebenfalls über Leader noch eine Kleinprojekte-Förderung anlaufen.

Doch zurück zu St. Anna am Freudenstein. Es ist eine der ältesten Gruben des ehemals weltbekannten Schneeberger Bergbaureviers. Und trägt damit jetzt den Weltkulturerbetitel mit. Der Bergbau am Freudenstein begann im Jahr 1474. Was das Besondere an diesem Bergwerk ist, weiß Vereinsvorsitzender Uwe Tschiedel: "Es ist im Originalzustand erhalten geblieben, weil es von der Wismut nicht nachgenutzt wurde." Bei einer Führung kann man beispielsweise eine mit Schlägel und Eisen herausgearbeitete imposante Radstube mit einer Höhe von zwölf Metern sowie mächtige Erzabbaue bewundern. Bekannt geworden ist das Grubenfeld durch seine reichhaltigen Silberanbrüche. Es wurden aber auch noch andere Erz-Arten gefunden und gefördert, zum Beispiel Kobalt und Quarz. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ruht der Bergbau in dieser Grube bei Zschorlau.

Die Sage, wonach eine Magd das Silber von St. Anna fand, wird am Festwochenende vom Marionettentheater Dombrowsky gespielt, das seit Jahren in den Sommerferien im Bergwerk gastiert. Zur Geschichte der Interessengemeinschaft gibt es einen Vortrag von Wolfgang Georgi, Chronist und Schriftführer. Als sie sich vor 30 Jahren gründete, arbeiteten vor allem ehemalige Bergleute mit. Damit St. Anna als Schaubergwerk geöffnet werden konnte, mussten ein paar Tausend Schubkarren Abraum hinausgebracht werden. "Das waren bestimmt 300 Tonnen", schätzt Wolfgang Georgi. Die Vereinsmitglieder haben aber nicht nur das Bergwerk wieder begehbar gemacht, sondern auch das ehemalige Gaswerk als ihren Vereinssitz hergerichtet. Als die Gemeinde dieses per Erbpachtvertrag an die Interessengemeinschaft übergab, war es fast eine Ruine. Mit großer Unterstützung der Nickelhütte Aue konnten das Dach und die Holzheizung für das Gebäude gebaut werden. Heute befinden sich dort eine Werkstatt, eine Umkleide (Kaue) für die Besucher, eine Lampenstube, die Steigerstube und der große Saal, der auch für Privatfeiern vermietet wird.

"Der Verein ist beispielhaft mit seinem großen ehrenamtlichen Engagement", macht Zschorlaus Bürgermeister Wolfgang Leonhardt (CDU) deutlich. Gleichwohl steht die IG vor dem gleichen Problem wie viele andere Vereine: Das hohe Durchschnittsalter. Weil man weiß, dass die Interessengemeinschaft ein ganzes Festwochenende nicht allein stemmen kann, kommt Unterstützung von der Gemeinde. Sie übernimmt die Organisation der Veranstaltung. "Für uns ist das natürlich jetzt nach der Verleihung des Weltkulturerbetitels etwas Besonderes. Es dürfte die erste größere Veranstaltung sein, die unter diesem Vorzeichen stattfindet", so Leonhardt.

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