Boden aus Stahl beeindruckt Minister

Die Erfindung aus Stützengrün war für den Sächsischen Innovationspreis nominiert. Eine Firma soll das inzwischen viel beachtete Produkt zur Serienreife bringen.

Stützengrün.

Im ersten Stock des Bodenfachmarkts Queck in Stützengrün befindet sich ein Raum, den Firmenchef Volker Queck (59) seine Tüftlerwerkstatt nennt. Hier hat er vor sieben Jahren begonnen, einen Bodenbelag zu entwickeln, wie es ihnbis dahin nicht gab - aus Edelstahl, verlegbar wie Laminat. Heute ist die Erfindung europaweit patentiert.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (45, SPD) ist am Donnerstag zusammen mit Queck in die Erfinderwerkstatt hochgestiegen und hat eigenhändig ein Paneel des Bodenbelags montiert: Gummi gegen Feuchtigkeit, eine Dämpfungsschicht gegen Trittgeräusche, robuster Edelstahl. Dulig arbeitete mit Schablone, Andruckrolle und Sprühkleber und bekleckerte sich den Anzug. "Moment, ich hab Verdünnung da", sagte Volker Queck.


Noch vor ein paar Monaten hatte er nicht damit gerechnet, dass seine Entwicklung einmal den sächsischen Wirtschaftsminister interessieren würde, aber in diesem Jahr hat sich vieles getan. Der Edelstahlklickboden aus Stützengrün war für den Sächsischen Innovationspreis nominiert, als eine von zehn Erfindungen aus dem gesamten Freistaat.

"Dadurch hat das Produkt einen Riesensprung nach vorne gemacht", sagt Queck. "Unser Telefon hat permanent geklingelt." Neben Medien und potenziellen Kunden hätten sich auch Interessenten gemeldet, die den Edelstahlklickboden produzieren und vertreiben wollen. "Wir sind jetzt dabei, eine Firma zu gründen, die unsere Entwicklung zur Serienreife bringen soll", sagt Queck.

Wirtschaftsminister Dulig besuchte die Stützengrüner im Rahmen seiner zweitägigen Innovationstour. Stationen waren Firmen, die vielversprechende Neuentwicklungen vorzuweisen haben. "Was Sie mit Ihren Partnern geschaffen haben, verdient Respekt", sagte Dulig. "Diese Erfindung aus dem Erzgebirge wird hoffentlich hilfreich im Kampf gegen Krankenhauskeime sein." Der Edelstahlboden ist leicht abwaschbar und bietet Keimen keinen Nährboden. Außerdem dämpft er Tritte, ist rutschfest, langlebig und sieht auch noch gut aus. Volker Queck zeigte neue Oberflächen, die selbst Wohnräume schick machen.

Inzwischen wurde der erste Edelstahlklickboden bei einem Kunden installiert - im Konferenzraum einer Firma in Schönheide. Anfragen habe man für Schlachthäuser, Fitnessstudios und die Duschräume eines regionalen Industriebetriebs, sagte Queck. Mehrere Vertriebspartner stünden bereit. "Es geht jetzt darum, von der Manufakturfertigung zur industriellen Herstellung zu kommen, um marktfähige Preise bieten und die Nachfrage befriedigen zu können." Dafür sei man mit mehreren Firmen in Verhandlung. "Der künftige Hersteller wird auf alle Fälle in Sachsen sitzen", so Queck.

Stützengrüns Bürgermeister Volkmar Viehweg (50, parteilos/ Mandat CDU) würde es begrüßen, wenn die Produktionsstätte in seiner Gemeinde entstehen würde. Allerdings hat Stützengrün zwar viele grüne Wiesen, kann diese aber nicht für Gewerbeansiedlungen nutzen, weil es sich entweder um zu kleine Flächen handelt, die Raumplanung dagegenspricht, oder die Grundstücke in diversen Schutzgebieten liegen. Hier wünsche er sich mehr Flexibilität, sagte Viehweg zu Dulig. "Es wäre gut, wenn wir Flächen, die wir haben, auch entwickeln können."

In den folgenden Gesprächen präzisierte Viehweg das Problem: "Von den Behörden bekommen wir fünf, sechs Gründe genannt, warum etwas nicht geht, aber keinen einzigen Weg, wie es gehen könnte."

Der Bodenfachmarkt Queck wurde vor 34 Jahren gegründet: Im November 1985 eröffneten Katrin und Volker Queck ein Polstergeschäft in Lichtenau. Nach der Wende zogen sie nach Stützengrün. Zunehmend gehörten Bodenbeläge zum Angebot. Heute befindet sich das Familienunternehmen mit zehn Mitarbeitern in einer Halle mit 960 m2 Verkaufsfläche an der Schönheider Straße.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    Nixnuzz
    16.08.2019

    Interessantes Produkt! Welche Di-elektrischen Eigenschaften liegen nach der Verbauung vor?

  • 5
    0
    11111
    16.08.2019

    Wunderbare Erfindung für vielerlei Zwecke. Wir drücken Volker Queck und seinem Unternehmen die Daumen das es so läuft wie er es sich vorstellt. Macht weiter so.



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