Borkenkäferplage: Holzstapel wachsen bis zum Horizont

Befallene Fichtenstämme will der Forst so schnell wie möglich aus dem Wald bringen. Aber wohin damit, wenn die Säge- werke keine Kapazität mehr haben? In Zschorlau gibt es nun eine Lösung.

Zschorlau.

Raus aus dem Wald - das ist im Moment im Forstbezirk Eibenstock oberstes Gebot für die vom Borkenkäfer befallenen Fichtenstämme. Weil aber Schadholz auch wegen der Sturmereignisse der Vergangenheit in riesigen Mengen anfällt, sind die Sägewerke ausgelastet. Um dennoch das Holz aus dem Wald zu bringen und damit dem Schädling die Grundlage zur Vermehrung zu entziehen, lagert der Sachsenforst nun Fichten in großen Stapeln auf dem ehemaligen Standortübungsplatz an der Eibenstocker Straße in Zschorlau.

Platz ist dort für etwa 40.000 Festmeter Holz, auf etwa einem Zehntel lagern bis jetzt Fichtenstämme. Der Forstbezirk hat einen Teil des Standortübungsplatzes von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gepachtet, die die Fläche verwaltet. "Wir können davon ausgehen, dass es die nächsten Jahre so weiter geht", sagt Michael Pfalz, im Forstbezirk für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er erklärt, dass durch die Trockenheit die Haarwurzeln der Fichten absterben, diese sind für die Wasserversorgung zuständig. Der so geschwächte Baum produziert keinen Harz mehr, der sonst der Schutzmechanismus gegen Käferbefall ist. "Wir erleben derzeit eine Extremsituation, weil die Witterung - warm, trocken und windstill - die Brutzeit des Käfers verkürzt", sagt Pfalz. Statt zwei wie sonst üblich entwickeln sich in diesem Sommer vier Käfer-Generationen. "Wir sind noch lange nicht durch", so Pfalz.


Die Fläche an der Eibenstocker Straße in Zschorlau ist laut Christian Arnold, Leiter des Holzbüros, der einzige Platz im gesamten Westerzgebirge, der weit genug von Fichtenbeständen entfernt ist. "Wenn der Käfer hier schlüpft, kann er nur Sand fressen." Der Borkenkäfer fliegt nicht weiter als 500 Meter - von daher der Schutzradius. Zudem liegt der Platz in einer vernünftigen Distanz zu den Orten, wo die Bäume geschlagen werden. Vom Trockenlagerplatz werden die Stämme nach und nach von den Käufern abgeholt. Je nachdem, ob sie als Bauholz oder in der Papierindustrie ihre Verwendung finden, sind sie auf benötigte Längen geschnitten und danach in den Stapeln sortiert worden. Zusätzlich Probleme beim Absatz schafft der aktuell niedrige Holzpreis; der Markt ist gesättigt.

Viele der Stämme haben einen beachtlichen Durchmesser. "Es sind gerade die alten Bäume, die mit einer klimatischen Veränderung nicht klar kommen und absterben", erklärt Arnold. Zum Beispiel leidet das Holz aus dem Hartmannsdorfer Forst darunter, dass das Moor am Filzteich trocken fällt.

Christian Arnold geht davon aus, dass es voraussichtlich in diesem Winterhalbjahr keinen Frischholzeinschlag geben wird. Auch wenn gerade das Winterholz begehrt ist. "Würden wir Frischholz einschlagen, wäre das gegenüber der Öffentlichkeit nicht vertretbar", sagt der Herr übers Holz.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    0
    Tauchsieder
    07.08.2019

    Mit gutem Beispiel voran. Tschechien hat die gleichen Probleme wie wir, versucht sie aber mit der kostenlosen Abgabe von Holz zu lösen.

  • 3
    1
    SaschE
    07.08.2019

    Es ist ausdrücklich zu begrüßen, dass von ursprünglich geplanten Frischholzeinschlägen (kein Käferholz) im Landesforst, zumindest zunächst per Lippenbekenntnis, abgesehen werden soll. Vielleicht tritt dadurch eine Entlastung des Sägeholzmarktes und in der Folge eine leichte Holzpreis- "Normalisierung" ein. Kein Waldumbau ist ohne die Erträge aus dem Holzverkauf finanzierbar und vor allem auch bei den vielen kleineren engagierten Waldbesitzern vermittelbar.

  • 4
    9
    Distelblüte
    31.07.2019

    @Interessierte: Ohne Rinde kann kein Baum lange überleben. Die wächst auch nicht nach. Stellen Sie sich das vor wie bei der menschlichen Haut - wäre die zu großen Teilen weg, besteht Lebensgefahr.
    Übrigens: der Holzeinschlag wegen Borkenkäferbefalls erfolgt nicht aus Profitgier, sondern aus der Not heraus. Waldbesitzer und Staatsforst sind verpflichtet, alle befallenen Bäume fällen und entfernen zu lassen.

  • 5
    6
    Interessierte
    31.07.2019

    Die Fichtenstämme sind doch mit der Abschabung der Rinde befreit von dem Borkenkäfer , die Käfer laufen und fliegen doch nun zwischenzeitlich durch den Wals zu den anderen , noch gesunden Bäumen - oder will man uns hier veralbern und man braucht nur Holz für den Verkauf ???



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