Brasilianerin ist eine der besten Hauptschülerinnen Sachsens

Erst vor vier Jahren kam Lieselotte Oliveira Wolf zu ihrem Vater nach Schneeberg. Mit viel Fleiß schaffte sie ihren Schulabschluss und hat schon neue Pläne.

Schneeberg.

Was macht ein gutes Zeugnis aus, geht es allein um die Noten? Bei Lieselotte steht hinter den Zahlen eine Geschichte. Diese erzählt von Beharrlichkeit, Mut, Fleiß und dem erfolgreichen Neubeginn in einer fremden Welt, rund 7500 Kilometer von ihrer Heimatstadt entfernt. Denn Lieselotte Oliveira Wolf kam erst vor vier Jahren aus Brasilien zu ihrem Vater nach Schneeberg. Zuvor hatte er jahrelang gegen die deutschen Behörden gekämpft, um seine Tochter bei sich aufziehen zu können.

"Als ich sie endlich vom Frankfurter Flughafen abholen konnte, hatte ich zuvor nächtelang nicht geschlafen. Ich zweifelte plötzlich, ob es die richtige Entscheidung war, das Kind aus seiner gewohnten Umgebung herauszureißen", erinnert sich Mathias Wolf. Daran hat er heute keinen Zweifel mehr. Denn seine 16-jährige Tochter ist eine der besten Hauptschülerinnen Sachsens. Diese Auszeichnung erhielt sie nun von der Handwerkskammer Chemnitz. Und dies obwohl sie "nur" die Abschlussnote 2,7 erreichte. Vor allem ihr besonderer Werdegang war für die Ehrung ausschlaggebend. Denn der Start in Deutschland war für Lieselotte nicht leicht. "Ich musste erst Deutsch lernen." Zudem fing sie in allen Fächern bei null an, denn sie wuchs in einem Armenviertel der brasilianischen Millionenstadt Fortaleza auf. Die Schulen seien mit denen in Deutschland nicht vergleichbar. "Das war ein besserer Kindergarten. Wir haben vor allen viel gesungen", sagt sie rückblickend.

Trotz dieser schlechten Voraussetzungen wurde sie von der Oberschule Bergstadt Schneeberg aufgenommen. "Ihre Klassenleiterin Ramona Lorenz und die Schulleiterin Conny Kallweit haben sich hervorragend um sie gekümmert. Sie waren wie Ersatzmütter", sagt Wolf. Lieselotte ergriff diese Chance. "Ich bin auch früh um drei Uhr aufgestanden, um für die Schule zu lernen. Da konnte ich mich besser konzentrieren." Vor allem Englisch sei ihr schwer gefallen. Den Kontakt in ihre Heimat hält die 16-Jährige via Whatsapp bis heute. "Obwohl ich auch Heimweh habe, bin ich froh, in Deutschland zu leben." Deshalb will sie in Schneeberg nun eine Ausbildung zur staatlich geprüften Krankenpflegerin absolvieren.

Über diesen Werdegang ihrer Schülerin freut sich Conny Kallweit, die Lieselotte für die Auszeichnung vorgeschlagen hatte. "Sie ist der lebendige Beweis gelungener Integration", sagte sie bei der Laudation anlässlich der Ehrung ihrer Schülerin. Nicht nur mit schulischen Leistungen überzeugte Lieselotte, auch als stellvertretende Klassensprecherin brachte sie sich aktiv in das Schulleben mit ein. Zudem absolvierte sie vorbildlich ihr Praktikum bei der Polizei. Bei so viel Engagement macht es auch nichts, dass es auf ihrem Zeugnis auch Dreien gibt. Denn die Zensuren sind eigentlich nur Zahlen, hinter denen sich bei Lieselotte viel mehr verbirgt.

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