Brauchen Sie Hilfe, Frau Nachbarin?

60 Nachbarschaftshelfer hat die Arbeiterwohlfahrt im Erzgebirgskreis ausgebildet. Senioren mit Pflegestufe können auf ihre Dienste zurückgreifen. Der Bedarf ist größer als die Anzahl der Helfer.

Aue/Schwarzenberg.

Zum ersten Mal über den Weg gelaufen sind sich Renate Päßler (80) und Sigrid Fröhlich (69) beim monatlichen Hutzentreff in Stützengrün. Als die ältere Frau erwähnte, dass sie jemanden sucht, der ihre Enkelin mit dem Auto abholt, sagte Sigrid Fröhlich: "Ich fahre sie!" Das war eine Gefälligkeit unter Nachbarn, aus der inzwischen ein dauerhaftes Arrangement geworden ist. Im vergangenen Herbst hat sich Sigrid Fröhlich zur Nachbarschaftshelferin schulen lassen. Danach bildeten die beiden Frauen eines der ersten Gespanne aus einem Pflegebedürftigem und seinem offiziellen Helfer im Erzgebirge.

Sigrid Fröhlich geht zusammen mit Renate Päßler einkaufen, hilft im Haushalt und fährt sie zum Arzt. Dafür erhält sie eine Aufwandsentschädigung. Da Renate Päßler nach einer schweren Operation und einem Herzinfarkt den Pflegegrad I zuerkannt bekommen hat, verfügt sie für solche Zwecke über ein Budget von ihrer Krankenkasse. Das beläuft sich auf 125 Euro im Monat. "Dafür kann sie einen Pflegedienst oder eben einen Nachbarschaftshelfer engagieren", erklärt Kerstin Klöppel (36), die als Gerontologin bei der Arbeiterwohlfahrt Erzgebirge ein Netz aus Nachbarschaftshelfern aufbaut.

Renate Päßler hat sich für Sigrid Fröhlich entschieden. Anders als eine Pflegekraft kann diese sich Zeit für die kleinen Dinge nehmen. So leistet sie Renate Päßler auch einfach mal Gesellschaft bei Kaffee und Kuchen. "Wenn ich ein Problem habe, rufe ich an", erzählt die Seniorin. "Dann quatschen wir erst einmal eine Weile. Es ist schön, jemanden zu haben, der jederzeit erreichbar ist. Sigrid kümmert sich wie eine Mutter um mich. Ach was, noch besser."

Zehn Euro Aufwandsentschädigung erhält Sigrid Fröhlich für eine Stunde Nachbarschaftshilfe. Am Monatsende füllen die beiden Frauen gemeinsam ein Formular aus, in das alle Tätigkeiten eingetragen werden. Sigrid Fröhlich schickt es an die Krankenkasse, und diese überweist das Geld auf Renate Päßlers Konto, die es ihrer Helferin dann auszahlt. Der Papierkrieg sei überschaubar, sagen die Frauen. Geld, das nicht verbraucht wird, sammelt sich auf dem Budgetkonto der Seniorin an und kann ins nächste Kalenderhalbjahr übertragen werden. Das sorgt für Flexibilität.

Vier doppelte Schulstunden dauerte der Kurs, den Sigrid Fröhlich als Nachbarschaftshelferin belegt hat. In Stützengrün ist sie heute eine von sechs aktiven Nachbarschaftshelfern, die sich um insgesamt zehn Pflegebedürftige kümmern. Im gesamten Erzgebirgskreis hat die Arbeiterwohlfahrt bislang 60 Helfer geschult. Das klingt nach viel, doch Kerstin Klöppel sagt, das Angebot sei geringer als die Nachfrage.

"Es macht ja nicht jeder Nachbarschaftshelfer alles. Manche übernehmen nur Fahrten, aber keine Arbeiten im Haushalt", erläutert Franziska Hänel, die für die neue Kontaktstelle in Hundshübel zuständig ist. Von hier aus sollen Nachbarschaftshelfer im Altkreis Aue-Schwarzenberg koordiniert werden.

Ein neuer Kurs zur Ausbildung von Nachbarschaftshelfern findet am Samstag, 29. Februar, 9 bis 16 Uhr im Awo-Quartiersbüro Hundshübel, Siedlung 6, statt. Anmeldung unter Telefon 0151 707 989 91 (Kerstin Klöppel), 0173 981 30 77 (Franziska Hänel) oder E-Mail: awo.starkimquartier2@awo-erzgebirge.de.


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