Brexit kann auch Jobs in der hiesigen Region kosten

Was bedeutet das Geschehen in England für das Erzgebirge? Ein Politiker warnt vor Schadenfreude, eine Auer Firma spürt erste Auswirkungen.

Aue/Schwarzenberg.

Eingeladen hatte der Kreisverband Erzgebirge der FDP gemeinsam mit dem Kreisverband des BVMW zu einem "informativen Dialog rund den Brexit und die Bundespolitik". Was daraus wurde, war am Montagabend ein fast zweistündiges Referat, das Jürgen Martens, FDP-Bundestagsabgeordneter, vor zwölf Gästen im Hotel "Blauer Engel" in Aue hielt. Informativ allemal, denn Martens ist Mitglied im Unterausschuss Europarecht. Das heißt, er kennt sich mit dem Thema Brexit aus.

Um den verstehen zu können, muss man in die Geschichte der Europäischen Union eintauchen. Und die setzt nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Ausgehend von diesem geschichtlichen Exkurs spann Martens den Bogen bis zu den in dieser Woche anstehenden Ereignissen in England. Nachdem die britische Premierministerin Theresa May die Europäische Union um einen Brexit-Aufschub bis zum 30. Juni gebeten und sich mit dem Europäischen Rat auf eine Verschiebung bis mindestens zum 12. April geeinigt hat, will nun aber das britische Unterhaus über Alternativen zu Mays Brexit-Abkommen abstimmen.

Torsten Kleditzsch

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"Es ist alles offen im Moment, konkrete Aussagen können nicht getroffen werden", lautete das Fazit von Christina Pfeiffer, Leiterin des Kreisverbandes des BVMW im Erzgebirge. "Egal was die Briten entscheiden, Schadenfreude ist fehl am Platz. Wir müssen abwarten, den Engländern die Hand aber weiter entgegenstrecken", sagte Martens. In seinen Ausführungen machte der Politiker klar, welche Auswirkungen der Brexit auch auf die Region haben kann, denn die Exporte Sachsens nach England erreichen jährlich einen Umfang von 2,4 Milliarden Euro. Damit nimmt England Platz 3 hinter China und den USA bei den Hauptexportländern Sachsens ein. "Wenn die anderen auf Platz 1 und 2 ebenso schwächeln, dann gehen Arbeitsplätze auch in Sachsen verloren, machen sie zumindest unsicher", sagte Martens.

Etwas von der schwächelnden Konjunktur gespürt hat auch schon die Firma Metallbau Müller in Aue-Alberoda. Der Zehn-Mann-Betrieb liefert Teile an Kunden, die wiederum nach England exportieren. Christian Müller hat vor fünf Jahren seinen Meister gemacht und wird in absehbarer Zeit die Firma von seinem Vater übernehmen, dann führt er sie in 7. Generation. "Klar, auch als kleines erzgebirgisches Unternehmen sind wir Teil des europäischen Wirtschaftsmarktes", so der 26-Jährige am Rande des Treffens.

Andere Diskussionsteilnehmer kamen allerdings schnell ab vom Thema Brexit und hin zu Themen, die der Region aus ihrer Sicht mehr zu schaffen machen: Fachkräftemangel, Bürokratie, besonders die in der EU, fehlendes Engagement. Während der eine meinte, dass der Wohlstand in Deutschland zu Bequemlichkeit, Faulheit und Neiddenken führe, machte der andere die Freizeit, die von jungen Leuten als Priorität in ihrem Leben gesetzt werde, dafür verantwortlich, dass keiner mehr Verantwortung übernehmen will. Der Inhaber einer Pumpen-Firma erklärte, er hat Meister unter seinen Beschäftigten - aber keiner wolle seine Nachfolge antreten.

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