Bronze-Geläut hinter Christusgruppe

Vogel-Perspektiven: Auf über 6000 Ansichtskarten hat der Schwarzenberger Verlag Vogel von 1898 bis etwa 1955 Gebäude und Landschaft dokumentiert. Vieles ist längst Nostalgie, anderes fast unverändert. Heute: Glocken-Ehrenmal auf dem Friedhof Lauter.

Lauter-Bernsbach.

Für Soldaten, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben lassen mussten, sind in ihren Heimatorten - auch im Westerzgebirge - Gedenksteine und Ehrenmale errichtet worden. Darunter so stattliche Anlagen wie die im Schwarzenberger Rockelmannpark, am Friedhof in Beierfeld und an der Elterleiner Straße in Grünhain. Kein derartiges Denkmal weit und breit gleicht aber dem auf dem Friedhof in Lauter: in Turmform, mit Gedenkhalle, Namenstafeln und Plastik, mit Glockenstuhl und einer die Vorderseite schmückenden Christusgruppe aus Holz.

Als die Lauterer ihr Glocken-Ehrenmal 1928 eingeweiht hatten, da dauerte es nicht lange, bis das außergewöhnliche Bauwerk zum Motiv für Ansichtskarten wurde. Auch der Schwarzenberger Fotograf und Verleger Arthur Vogel (1868-1962) kam mit Kamera in den Nachbarort. Die Einheimischen konnten eine nicht alltägliche Geschichte erzählen.


Ursprünglich gab es auf dem jetzigen Standort einen Glockenstuhl aus Eisen. Da hingen von der Fabrikantenwitwe Alma Gnüchtel gestiftete Glocken, die 1899 geweiht wurden und für einen Kirchenneubau gedacht waren. Dieser Neubau kam durch die Zeitumstände nie zu Stande. 1917 mussten diese Glocken abgeliefert werden; der Erste Weltkrieg forderte auch solchen Tribut. Mehr als zehn Jahre gingen ins Land. Der Fabrikbesitzer Guido Götz stiftete drei Bronzeglocken, die ihren Platz aber nicht im Freien , sondern im nahe der Kirche gebauten Ehrenmal fanden. Eine Tafel auf dessen Rückseite besagt, dass die Gemeinde Lauter diese Anlage ihren im Weltkrieg 1914 bis 1918 gefallenen Söhnen widmet. Geweiht wurde der Bau anlässlich der 300-Jahr-Feier der Lauterer Kirche am 30. September 1928.

In Schwarzenberg war bereits am 9. und 10. Oktober 1926 ein Ehrenmal eingeweiht worden. Der Entwurf, der den Zuschlag erhalten hatte, stammte von Baumeister Fritz Adler aus Schwarzenberg - und von Bildhauer Ziegler aus Chemnitz. Die Lauterer wussten also, an wen sie sich wenden konnten. Und auch das Ehrenmal von Lauter verfehlte seine Wirkung nicht: Im nahen Grünhain weihte man am 18. August 1929 ein Ehrenmal für im Ersten Weltkrieg Gefallene ein. Hier trat der Militärverein Grünhain als Bauherr auf. Pläne, Entwurf und Plastik schuf Bildhauer Bruno Ziegler aus Chemnitz: Ein Zufall war das sicher nicht.

Doch zurück nach Lauter. Das dortige Ehrenmal überstand alle Wirren der Zeit und behielt auch seine drei Bronzeglocken. Die können heute übrigens automatisch geläutet werden und erklingen nicht nur hin und wieder, etwa zum Volkstrauertag oder bei Beerdigungen, sondern jeden Tag. Und die zwei Glocken auf dem Kirchturm werden für den Stundenschlag genutzt.

Das Glocken-Ehrenmal - 2018 besteht es 90 Jahre - ist in gutem, sanierten Zustand. Den Glockenstuhl von 1928 aus Metall ersetzt seit nun schon 14 Jahren einer aus Holz.


Zahlen und Fakten zum Schöpfer des Glockenehrenmals Lauter

Bruno Ziegler (1879-1941), nach dessen Plänen im Jahr 1928 das große Glockenehrenmal auf dem Friedhof in Lauter entstand, war einer der bekanntesten Bildhauer der Stadt Chemnitz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der aus Gotha stammende Künstler hatte zunächst in seiner Heimatstadt eine Holzschnitzerlehre absolviert, besuchte dann die Zeichenschule in Eisenach und die Kunstgewerbeschule in Dresden. Ab 1911 in Chemnitz ansässig, arbeitete Ziegler als selbstständiger Bildhauer, trat 1913 dem Deutschen Werkbund und 1924 der Künstlergruppe Chemnitz bei. Eines seiner Spezialgebiete waren Ehrenmale für im Krieg Gefallene. Unter anderem in Hainichen, Lauterbach und Chemnitz gibt es dafür Beispiele. Der Künstler verzierte Grabanlagen und öffentliche Einrichtungen, schuf auch Reliefs und allegorische Figuren. (stl)

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