Cem Özdemir über ES Guss: "Hier wird nicht gejammert"

Der Grünen-Politiker ist am gestrigen Dienstag bei der Schönheider Firma zu Gast gewesen. Er wollte sehen, wie ein Automobil-Zulieferer den Weg hin zur E-Mobilität meistert. Und der Geschäftsführer hatte nach dem Streit mit VW gute Nachrichten.

Schönheide.

Ein gewaltiges Betonfundament ist derzeit bei ES Automobilguss in Schönheide im Entstehen. Dort hinein soll Anfang September der neue Tiegelschmelzofen gesetzt werden, das Herzstück der zehn Millionen Euro teuren Investition in moderne Anlagen. Mit diesen will das Unternehmen seinen eigenen Strukturwandel meistern, weg von großen Stückzahlen, hin zu einer flexibleren Produktion mit kleineren Aufträgen, die nicht mehr nur aus der Autoproduktion kommen sollen.

Es sei ein "vorgezogener Strukturwandel", sagte Geschäftsführer Barbaros Arslan am gestrigen Dienstag beim Besuch von Grünen-Politiker Cem Özdemir, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages. Ein Strukturwandel, zu dem sich das Schönheider Unternehmen, das zur Prevent-Gruppe gehört, gezwungen sah nach dem Streit mit VW, der zur Aufkündigung von Lieferverträgen durch den Autohersteller und damit zu einem massiven Stellenabbau bei ES Guss führte. Von dem Streit wusste natürlich auch Cem Özdemir. Sicher war dieser auch ein Thema bei VW in Zwickau, das er vor Schönheide ansteuerte.


Im kleinen erzgebirgischen Ort jedoch sparte man diese Vorgeschichte nahezu aus. Vielmehr wollte der Grünen-Politiker von den Schönheidern wissen, wie sie mit den Herausforderungen klar kommen. "Wir machen das, was möglich ist", sagte Barbaros Arslan. Durch das Tal der Tränen sei man bereits hindurchgegangen, jetzt müsse man schauen, wohin sich der Markt entwickelt. Das sei mit Chancen und Risiken verbunden. "Wir werden uns breiter aufstellen, haben schon neue Kunden gewonnen, unter anderem im Maschinenbau und im Industrieanlagenbau", verriet der Geschäftsführer. Gleichwohl werden in Schönheide nach wie vor sogenannte Differentialausgleichsgetriebe hergestellt - die braucht man in E-Autos genauso wie in herkömmlichen Fahrzeugen. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen aktuell wieder 138 Mitarbeiter in Schönheide, im Frühjahr war die Zahl auf rund 100 gesunken.

"Wir wollen, dass Sachsen ein Automobilstandort bleibt", sagte Özdemir. Dabei gehe es auch um die Zulieferindustrie. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen schaffen, damit auch die Zulieferer der großen Automobilhersteller den Transformationsprozess zur Elektromobilität meistern können. "Wir trauen uns den Wandel zu", versicherte der Geschäftsführer von ES Guss. Özdemir zeigte sich begeistert von dem, was in Schönheide gemacht wird, das sei ein Bekenntnis zum Standort. "Das verstehe ich unter 'German can do'. Hier wird nicht gejammert, sondern angepackt, wenn der Wind etwas schärfer von vorn weht." In der Automobilbranche herrsche ein harter Wettbewerb. Durchsetzen werde sich gute Qualität.

Der neue Tiegelschmelzofen ermöglicht die Produktion von Teilen im Sphäroguss. Der ist auf dem Markt gefragter als Temperguss, weil er wirtschaftlicher in der Herstellung ist und hervorragende mechanische Eigenschaften hat. Darüber hinaus wird zukünftig CO2-neutral produziert, denn der neue Ofen funktioniert mit elektrischem Strom, nicht wie die alten mit Koks.

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