Chemnitzer Modell: So will die Bahn künftig Aue ankoppeln

Um die Bahnstrecke nach Chemnitz muss den ÖPNV-Nutzern aus der Region nicht mehr bange sein. Im Gegenteil: Die Pläne des Verkehrsverbunds Mittelsachsen klingen richtig gut. Am Anfang steht aber erst mal eine Durststrecke.

Aue.

Vor zwei Jahren kämpften Kommunalpolitiker und Bürger um den Erhalt der Bahnstrecke von Aue nach Chemnitz, deren Zukunft alles andere als sicher schien. Inzwischen leuchtet diese Zukunft in recht rosigen Farben.

Am Donnerstagabend stellte der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) seine Ausbaupläne für die Bahnstrecke in einem öffentlichen Fahrgastforum im Auer Kulturhaus vor. Etwa 50 Bürger waren gekommen. Sie hörten spannende Details - und gleich am Anfang diesen Satz von Mathias Korda, Geschäftsbereichsleiter Verkehr und Infrastruktur beim VMS: "Es gab Irritationen, ob das Chemnitzer Modell bis nach Aue reichen wird. Ich denke, indem wir hier sind, ist das ausgeräumt."

Das Chemnitzer Modell steht für die Fusion von Eisenbahn und Straßenbahn. Dieselloks auf der einen und Elektrobahnen auf der anderen Seite verschmelzen zu Triebwagen, die beides können: Auf den Eisenbahnschienen fahren sie mit Diesel, im Straßenbahnnetz mit einem Elektromotor. Als vor etlichen Jahren die ersten Chemnitzer Straßenbahnen bis nach Stollberg rollten, mutete das exotisch an. Mittlerweile sind auch Burgstädt, Mittweida und Hainichen angeschlossen. Ohne umzusteigen können Fahrgäste bis ins Chemnitzer Zentrum fahren. In der Zukunft soll das auch Nutzern des Öffentlichen Personennahverkehrs aus Cranzahl, Annaberg, Olbernhau, Limbach-Oberfrohna und Oelsnitz/E. möglich sein. Als Nächstes aber ist Aue an der Reihe.

Die Eisenbahnstrecke aus Aue wird am Technopark im Süden von Chemnitz ans Straßenbahnnetz angebunden. Die Arbeiten sollen am 15. September beginnen und voraussichtlich bis Dezember 2019 dauern, sagte Thomas Blankenhagel vom VMS. In dieser Zeit werden Eisenbahnbrücken und Bahnübergänge saniert, Schallschutzwände installiert und fünf neue Ausweichstellen geschaffen, an denen Züge aus unterschiedlichen Richtungen künftig aneinander vorbei kommen. Der Bahnhof Burkhardtsdorf erhält ein zusätzliches Abstellgleis, der Bahnhof Zwönitz ein zweites Fahrgleis und einen weiteren Omnibusstand. Auch der Bahnhof Meinersdorf soll mit den Bussen des Regionalverkehrs Erzgebirge (RVE) verknüpft werden. Außerdem werden vier neue Haltepunkte eingerichtet: einer in Thalheim-Mitte, zwei in Einsiedel (Bebel-Platz und Brauerei), einer in Erfenschlag-Ost.

Mit der Wiederaufnahme des Bahnbetriebs fahren die Züge von Aue nach Chemnitz im Stundentakt. Das ist eine Verdopplung der Frequenz. Schneller werden sie freilich nicht. Der VMS nannte am Donnerstag noch keine Fahrzeiten, doch an den derzeit 70 Minuten soll sich laut Verkehrsleiter Korda kaum etwas ändern. Die Fahrt durchs Zwönitztal brauche nun mal ihre Zeit.

Für Fahrgäste, die schnell von Aue nach Chemnitz wollen, eröffnet der RVE am 13. August die Expressbuslinie 383. Die Busse starten am Postplatz, fahren über die Autobahn und sollen nach 50 Minuten in der Chemnitzer City ankommen.

Der Haken an den tollen Plänen: Während der anderthalbjährigen Bauphase fahren gar keine Züge. Da gibt es Schienenersatzverkehr.


Schienenersatzverkehr

Rund anderthalb Jahre dauern die Umbauarbeiten an der Bahnstrecke Aue-Chemnitz. In dieser Zeit bietet der VMS Schienenersatzverkehr an.

Die Busse sollen nicht über Einsiedel fahren wie die Eisenbahn, sondern ab Burkhardtsdorf direkt nach Altchemnitz. Für die Ortschaften um Einsiedel gibt es einen Zubringerverkehr nach Burkhardtsdorf. Dort muss man Umsteigen, entweder in Richtung Aue oder in Richtung Chemnitz.

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2Kommentare
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  • 0
    4
    698236
    05.06.2018

    Hier sind Profis unterwegs, die nicht wisse wer das Geld zahlt, was da ausgegeben wird. Ich wäre dafür, dass mal mehr Demut bei den Entscheidungsträgern gezeigt wird! Steuergelder sind nicht von Gott gegeben! Hat sich einer Gedanken gemacht, wie Öffentlicher Personennahverkehr in 2035 aussieht. Autonomes Fahren bei Bahn und Kfz? So lange ist da nicht mehr hin!

  • 5
    1
    Lebensfreude
    03.06.2018

    Bei den Baukosten von 45 Millionen Euro denkt man an einen hochwertigen Ausbau auf technisch neustem Stand. Aber weit gefehlt! Zur Zeit gibt es Kreuzungsmöglichkeiten in Einsiedel, Burkhardtsdorf und Thalheim, warum braucht man dann noch welche in Dittersdorf und Meinersdorf? Der angepriesene 2-gleisige Ausbau bis Reichenhain ist auch bloß eine halbe Sache. Von 1907 bis 1946 war die Strecke bis Einsiedel 2-gleisig! Wurde dann auf Grund von Reparationsleistungen zurückgebaut. Das Planum ist aber noch vorhanden. Desweiteren, warum will man vom Technocampus ab mit Diesel fahren? Angesichts der jetzigen Dieselfeinstaubdebatte wäre es doch angebracht wenigsten im Stadtgebiet von Chemnitz bis Einsiedel elektrisch unter Fahrdraht zu fahren, zumal mit den drei neuen Haltepunkten häufiger angehalten und angefahren werden muss und die Strecke keine Verbindung zum elektrischen Netz der Bahn hat, die ein anderes Stromsystem benutzt. Gleichzeitig wären teure Schallschutzmaßnahmen überflüssig bzw. einfacher auszuführen. Und wie soll der Schienenersatzverkehr funktionieren (von Burkhardtsdorf direkt nach Altchemnitz) wenn 2019 die B 95 in Harthau für mehrere Monate voll gesperrt wird (FP vom 24.04.2018) und die Umleitung wahrscheinlich sowieso über Kemtau/Dittersdorf/Einsiedel geht? Dies alles interessiert den VMS wahrscheinlich nicht, denn wenn man 90 % Förderung für ein Prestigeobjekt bekommt, sind ein paar Millionen mehr oder weniger in den Sand gesetzt egal. Es sind aber alles Steuergelder. Stuttgart 21 lässt grüßen!



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