Das letzte Braustolz-Bier aus Kappel

Die Chemnitzer Marke braut künftig im Vogtland. Über den alten denkmalgeschützten Standort verhandelt ein Investor mit der Stadtverwaltung.

Chemnitz.

Für Mitarbeiter der Braustolz-Brauerei hat die vergangene Woche traurig begonnen. Der Braumeister Kay-Uwe Jüttner setzte den letzten Sud in Kappel an. Für ihn, der seit 32 Jahren bei der Brauerei arbeitet, sei das ein sehr emotionaler Moment gewesen. Das Bier kommt künftig aus Neuensalz bei Plauen. Der Umzug der Produktion von Chemnitz ins Vogtland und der Verkauf der in Altendorf gelegenen Braustolz-Immobilie unweit der Zwickauer Straße sind offenbar beschlossene Sache. Das wird weder von Seiten der Brauerei noch vom Investor, dem Chemnitzer Bauunternehmer Jörg Mierbach, bestritten. Ein genauer Termin, ab wann die Braustolz-Biere in Neuensalz gebraut werden sollen, könne aber noch nicht genannt werden, sagt der Marketing-Chef der Brauerei, Thomas Schreyer, auf Anfrage. Mit dem angesetzten Sud aus der vorigen Woche komme man noch bis zum Sommer hin, sagte Jüttner.

Über die weitere Verwendung der hiesigen Brau- und Abfüllanlagen solle erst später entschieden werden. Die Kapazität des 2016 in Betrieb genommenen neuen Sudhauses der Plauener Sternquell-Brauerei in Neuensalz sei auch für das Brauen der Braustolz-Biere ausgelegt, so Schreyer. Beide Brauereien gehören zur in Bayern beheimateten Kulmbacher Gruppe.


Das Grundstück und die Gebäude an der Straße Am Feldschlößchen gehen an den Investor über, bestätigt der Marketing-Chef weiter, ohne einen Namen zu nennen und etwas über die Pläne des künftigen Eigentümers zu verraten. Dazu sei Stillschweigen vereinbart worden. Braustolz werde sich aber nicht ganz von seinem traditionellen Standort verabschieden, kündigt er an. Die Mitarbeiter der Bereiche Marketing, Vertrieb und Event-Logistik sollen auch künftig vom jetzigen Gelände aus tätig sein. Die Flächen würden vom neuen Besitzer gemietet.

Von der laut Schreyer jetzt noch 15-köpfigen Braustolz-Belegschaft wechseln nur jene nach Neuensalz, die das Bier einbrauen. Hergestellt werden sollen weiter alle derzeitigen Braustolz-Sorten nach den Originalrezepturen von Braumeister Jüttner. Nach der erst kürzlich erfolgten Markteinführung von Braustolz-Grapefruit werde zudem über weitere neue Bier- und Biermischgetränke-Sorten nachgedacht. Nach Angaben des Marketing-Chefs muss auch kein Sportverein und keine Kultureinrichtung, die derzeit von Braustolz gesponsert werden, um die Unterstützung bangen. Eine Reduzierung sei "definitiv" nicht geplant, versichert er, und: "Wir als Braustolz werden unser starkes regionales Engagement in Sport und Kultur beibehalten."

Auch der vor allem als Immobilienentwickler in der Innenstadt bekannte Investor Jörg Mierbach beruft sich auf Nachfrage zu seinen Plänen für das Braustolz-Gelände zunächst auf die getroffene Stillschweige-Vereinbarung. Zudem wolle er die Öffentlichkeit nicht vor den Stadträten informieren. Diese sollen sich voraussichtlich im August mit dem Thema beschäftigen, so Mierbach. Sein Ziel sei ein städtebaulicher Rahmenvertrag, über den er zurzeit Gespräche mit der Stadtverwaltung führe. "Ich möchte die Silhouette der Brauerei mit dem Sudhaus und dem Verwaltungsgebäude gern erhalten", versicherte er der "Freien Presse".

Die Stadtverwaltung bestätigt lediglich, die Stadträte würden "zu gegebener Zeit" über die Ergebnisse der laufenden Abstimmungen informiert. Der Eigentümer der Immobilie werde ein Konzept vorlegen, welches zunächst von der Stadtverwaltung und der Denkmalschutzbehörde geprüft werde. "Dem Ergebnis kann nicht vorgegriffen werden", wird erklärt. Die Brauerei mit Mälzerei, Wasserturm, Kühlhaus, Sudhaus, Abfüllgebäude mit Speisesaal und Verwaltungsgebäude steht auf der Kulturdenkmalliste des Stadtteils Altendorf. Sie sei "einer der bedeutendsten historischen Brauereibetriebe in Chemnitz", heißt es dort. Besonders das unverändert erhaltene Sudhaus mit originaler technischer Ausstattung samt Kesseln sowie der Wasserturm mit noch originalen Behältern seien "bemerkenswerte architektonische Zeugnisse verschiedener Bauphasen".

"Die Stadtverwaltung geht derzeit von der Erhaltungspflicht von Denkmalen durch den Eigentümer aus", erklärt die Pressestelle. Da Abstimmungen mit dem Eigentümer noch liefen, könnten keine weiteren Termine genannt werden. (mit jpe)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...