Debatte nach Doppel-Unfall in Eibenstock: Wer ist schuld?

Innerhalb von 24 Stunden sind zwei Motorradfahrer auf Rollsplitt ausgerutscht. Kritik, die Beschilderung sei daran Schuld gewesen, weist die Verkehrsbehörde jetzt zurück. Die Polizei gibt ihr Rückendeckung.

Eibenstock.

Zwei Unfälle, drei Verletzte und ein Blechschaden von gut 16.000 Euro: Das ist die traurige Bilanz eines sonnigen Sommer-Wochenendes in Eibenstock gewesen. Am 13. und 14.Juli hatte es auf der Bundesstraße 283 kurz hintereinander gleich doppelt gekracht - und zwar an der selben Stelle.

Erst war ein Motorrad (Fahrer: 41) in einer Rechtskurve gegen ein Auto gerutscht, dann verlor ein weiterer Motorradfahrer (50) auf gleicher Strecke die Kontrolle über seine Maschine und stürzte. Über die Ursache für beide Karambolagen, die sich innerhalb von weniger als 24 Stunden auf dem Weg von Eibenstock in Richtung des Ortsteils Wolfsgrün ereigneten, wird seither spekuliert: Wie konnte es zum Doppelunfall kommen?

Die Polizei vermutet, dass die Fahrer aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit auf Rollsplitt ausrutschten, den man kurz zuvor nach Ausbesserungsarbeiten auf die Straße aufgetragen hatte. Damit werden Risse und kleine Löcher im Asphalt verschlossen. Zuerst wird Bitumen auf die Straße gespritzt, dann dieser mit Splitt gebunden.

Die Männer, heißt es, hätten vor den Steinen aber gewarnt sein müssen. Denn laut Polizei war sowohl ein Schild "Vorsicht, Rollsplitt" aufgestellt als auch die Geschwindigkeit auf Tempo 50 reduziert worden. Ein Augenzeuge berichtet jedoch, dass kurz vor der Kurve ein Tempo-70-Schild stand, das das Tempolimit aufhob. "Auf dem Motorrad hat man da auf Rollsplitt keine Chance", sagt er. Trifft die Verkehrsbehörde also womöglich eine Mitschuld?

Das zuständige Landratsamt des Erzgebirgskreises dementiert das auf Nachfrage entschieden. Zwar sei richtig, dass vor der Kurve ein Tempo-70-Schild stand - allerdings nur in der Gegenrichtung. Auf der Strecke nach Wolfsgrün, auf der beide Motorradfahrer unterwegs waren, sei besagtes Schild zur Seite gedreht gewesen. Mitarbeiter Ralf Stettinius weist zudem daraufhin, dass ein "Achtung, Rollsplitt"-Schild ortsfeste Geschwindigkeitsregeln aufhebt. "In dem Moment muss jeder besondere Vorsicht walten lassen." Schuld an den Unfällen seien deshalb allein die Motorradfahrer.

Die Polizei sieht das ähnlich. Fahrer müssten bei Rollsplitt eine Geschwindigkeit wählen, die es ihnen erlaubt, die Straße gefahrlos zu passieren, sagt Polizeihauptkommissar Michael Fugmann. "Auf zwei Rädern kann da schon Tempo 30 zu schnell sein. Aber es gibt Leute, die stellen die Maschine an und das Gehirn aus."

Auch ein Fahrlehrer bestätigt "Freie Presse": Wenn nach einer Rollsplitt-Warnung ein neues Tempolimit kommt, entbinde das nicht davon, Vorsicht walten zu lassen. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", sagt er. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit werde immer von äußeren Bedingungen begrenzt, so etwa dem Straßenuntergrund.

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