Der Alte ist der Neue: Kohl gewinnt OB-Wahl in Aue

Im zweiten Wahlgang konnte der langjährige Amtsinhaber als Einziger mehrere Prozente zulegen. Das brachte dem CDU-Mann Heinrich Kohl am Sonntag einen klaren Sieg.

Aue-Bad Schlema.

Der erste Gratulant war Jens Müller (Freie Wähler). Die Enttäuschung stand dem Herausforderer ins Gesicht geschrieben, als Hauptamtsleiter Steffen Gerisch am Sonntag gegen 19 Uhr das Wahlergebnis auf den Bildschirm im Rathaus brachte. Dennoch ging Müller als Erstes zu Heinrich Kohl (CDU) und beglückwünschte ihn mit festem Händedruck.

Kohl wiederum hatte zuvor alle frühzeitigen Gratulationen abgewehrt. Nach und nach trudelten im Rathaus die Ergebnisse der 18 Wahlbezirke ein, und es zeichnete sich ab, dass der 62-jährige, der die Geschicke der Großen Kreisstadt Aue seit 1999 lenkt, seinen Vorsprung mit jedem fertig ausgezählten Wahllokal ausbaut. Trotzdem sagte Kohl: "Abwarten, man darf sich nicht zu früh freuen." Dass Müller zwischendurch noch einmal einige Prozentpunkte aufholte, schien ihm recht zu geben. Als dann auch die knapp 2000 Briefwahlstimmen gezählt waren, stand Kohl jedoch als klarer Sieger da: Von 8236 Wählern, die ihre Stimme abgaben, hatten 3451 das Kreuz hinter seinem Namen gemacht. Das waren 42 Prozent.


Jens Müller holte 2703 Stimmen (32,9 Prozent). Der NPD-Politiker Stefan Hartung, der als Einzelkandidat antrat, kam auf 1491 Stimmen (18,2 Prozent). Andreas Rössel (Linke) erhielt 564 Stimmen (6,9 Prozent). Wahlberechtigt waren 17.079 Bürger von Aue-Bad Schlema. Somit lag die Wahlbeteiligung bei 48,2 Prozent. Es handelt sich um das vorläufige Ergebnis. Das amtliche Endergebnis wird auf der Sitzung des Wahlausschusses am Dienstag, 15.30 Uhr im Kleinen Saal des Rathauses in Aue bekanntgegeben.

Große Veränderungen dürfte es dann nicht geben, und so war Heinrich Kohl kurz nach der Verkündung des vorläufigen Ergebnisses bereit, Glückwünsche entgegenzunehmen. Nach Jens Müller gehörten CDU-Fraktionschef Hans Beck und Ernst Lauterjung (SPD), einer der stellvertretenden Bürgermeister aus der Partnerstadt Solingen, zu den ersten Gratulanten. Lauterjung hielt sich mit einer Delegation aus der Klingenstadt in Aue auf.

In den zurückliegenden zwei Wochen sei er ein Nervenbündel gewesen, verriet Kohl: "Noch nie war ein Wahlkampf so anstrengend. Aber meine Frau hat die Spannung noch mehr mitgenommen." Es sei gut, dass nun klare Verhältnisse herrschen. Das parlamentarische Leben in der neuen Stadt müsse jetzt Fahrt aufnehmen. "Wir sind inzwischen die einwohnerstärkste Stadt im Erzgebirge, und das wollen wir auch bleiben", umriss Kohl seine Ziele. "Wir wollen den Wirtschaftsstandort Aue ausbauen und unser durch den Bad Schlemaer Kurbetrieb hinzugewonnenes Potenzial nutzen." Gerüchten, dass er als 62-jähriger nicht die vollen sieben Jahre seiner Legislaturperiode im Amt bleiben wolle, erteilte Kohl eine Absage: "Wenn man eine solche Entscheidung trifft, so trifft man sie über die volle Distanz."

Heinrich Kohl gewann im zweiten Wahlgang in allen 18 Wahlbezirken außer in vieren. Auch bei den Briefwählern hatte er die Nase vorn. Stefan Hartung gewann in Wildbach mit einer Stimme vor Jens Müller. Müller holte sich den Sieg in den Wahllokalen Friedrich-Schiller-Schule, Kulturhaus Aktivist und Kultursaal im Rathaus Schlema.

"Ich bin enttäuscht, dass ich nicht groß aufholen konnte", sagte er nach Bekanntgabe der Ergebnisse. Als früherer Bürgermeister von Bad Schlema ist ihm klar, dass ihm die Fusion mit Aue Stimmen in seinem Heimatort gekostet hat: "Viele Schlemaer haben leider nicht erkannt, dass die Fusion nötig war, um unsere Aufgaben der kommenden Jahre zu erfüllen." Ob er Baubürgermeister bleibt, weiß er noch nicht. "Am Montag fahre ich in den Urlaub. Da ist Zeit nachzudenken, wie ich beruflich und privat weitermache."

Der neue OB tritt sein Amt am 1. August an. Bis dahin führt Steffen Möckel als Amtsverweser die Stadt.

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