Der Handwerker auf dem Präsentierteller

Der Schneeberger Handschuhmacher Nils Bergauer eröffnet morgen eine Schaumanufaktur. Die Renaissance des Handschuhs macht's möglich.

Schneeberg.

Ab sofort muss Nils Bergauer (33) zur Arbeit laufen. Vorbei ist die Zeit, als seine Werkbank in der Langgasse nur ein Stockwerk von seiner Wohnung entfernt war. Der Inhaber der Lederhandschuh-Manufaktur N.B. Zahor hat die Alte Wache am Fürstenplatz zu einer Schauwerkstatt ausgebaut. Während des Lichtelfestes am Wochenende können Besucher ihm dort erstmals durch ein großes Fenster bei der Arbeit zusehen.

"Ich freu mich drauf", sagt Bergauer. "Ich kann zwar nicht mehr in Pantoffeln auf Arbeit gehen, aber ich habe meine Arbeit auch nicht mehr sieben Tage die Woche vor Augen. Schließe ich abends zu, habe ich Feierabend." Nun ja, vielleicht nicht ganz. Denn mit dem Zuschließen dürfte es spät werden. Seit Bergauer die Firma vor vier Jahren gegründet hat, ist die Anzahl seiner Aufträge kontinuierlich angestiegen, und die Schaumanufaktur im Herzen der Bergstadt soll ihm zusätzliche Laufkundschaft bringen.

"Ich hatte Glück", sagt Bergauer. "Handschuhe sind in den zurückliegenden Jahren wieder in Mode gekommen." Vor allem junge Leute unter Dreißig entdecken den Lederhandschuh als Mittel, um Individualität auszudrücken, erzählt Bergauers Lebenspartner Lars Rosenkranz (48): "Bei uns ist jedes Paar ein Unikat. Das kommt bei den Kunden an."

Rosenkranz bezeichnet sich als den Kalfaktor bei N.B. Zahor. Er kümmert sich um Kundenbetreuung, Büroarbeit, um Marketing und den Internetauftritt - Dinge, für die Nils Bergauer kaum noch Zeit hat, weil er Handschuhe nähen muss. Ab Samstag tut er das also öffentlich. Dass Passanten durch die Glasfront am Eingang schauen, ist ausdrücklich erwünscht. "Ich sitze ja freiwillig auf dem Präsentierteller", sagt er .

Frank Zahor (77) aus Johanngeorgenstadt, der Nestor der Handschuhmacherzunft, findet dieses Konzept klasse. "Ich denke, das macht den Leuten Lust auf unser Handwerk", sagte er gestern. "Mit Nils haben wir einen guten Fang gemacht, der Junge hat goldene Hände." Zahor hat Bergauer ausgebildet. Danach konnte der junge Handschuhmacher das eigene Familiengeschäft wiederbeleben, das ins Jahr 1876 zurückreicht.

In Nils Bergauers Schauwerkstatt riecht es nach Leder, Holz und altem Stahl. Der Blick fällt auf 100 Jahre alte Schränke und Werkzeuge, von denen einige noch mehr Jahre auf dem Buckel haben. Die Einrichtung scheint aus lauter Antiquitäten zu bestehen. Dies sei keine Show, erklärt Lars Rosenkranz: "Für unser Handwerk gibt es keine modernen Maschinen. All diese Stücke stammen aus der großen Zeit der Handschuhmacherei. Zum Glück wurden Werkzeuge und Möbel damals für eine halbe Ewigkeit gebaut."

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