Der Pfarrer und die Pferde

Ein ungewöhnlicher Gottesdienst fand am Wochenende in Zwönitz statt. Er richtete sich an Reiter - aber nicht nur.

Zwönitz.

So etwas hat es in Dorfchemnitz bisher noch nicht gegeben. Anlässlich des Reit- und Springturnieres in dem Zwönitzer Ortsteil, einem der großen Wertungsturniere im Erzgebirge mit rund 350 Reitern aus ganz Deutschland, fand gestern der erste Reitergottesdienst statt. Dafür wurde das große Festzelt kurzerhand umgestaltet. Dem Anlass entsprechend stellte man vorn in der Mitte einen Altar auf.

Die Bänke im Zelt waren gut belegt mit Reitern, Mitwirkenden und Zuschauern. Die Predigt hielt Michael Tetzner, Pfarrer der Evangelisch-lutherischen Trinitatis-Gemeinde Zwönitz mit Dorfchemnitz. "Die Anfrage kam kurzfristig über den christlichen Männerstammtisch", erzählt der 51-Jährige, der vom christlichen Erzgebirge spricht. Thomas Steinke vom Männerstammtisch habe einen solchen Gottesdienst in den Altbundesländern erlebt und meinte, das könne man auch in Dorfchemnitz umsetzen, sagt Tetzner. Gesagt, getan.

Die Bewahrung der Schöpfung, zu der die Tiere und somit auch die Pferde gehören, ist der Kern seiner Predigt gewesen. Der Sport und der christliche Glauben gehören seiner Meinung nach ganz eng zusammen, das habe Tradition. Man versuche, über den Sport Menschen zum Glauben zu bringen und die Gemeinschaft zu stärken. Der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) ist ein gutes Beispiel: Deutschlandweit werden sportliche Veranstaltungen organisiert, die mit einer Andacht beginnen. Der christliche Glaube und Tiere sind eng verbunden - schon von der Bibel her.

"Es liegt eine besondere Verantwortung im Menschen, wenn er mit Tieren Umgang hat und mit ihnen arbeitet. Es gibt das böse Wort in der deutschen Sprache, das Herrschen", sagt Tetzner und spricht weiter: "Der Mensch herrscht über das Tier, was oft falsch ausgelegt ist. Es soll maximal ein Zähmen im positiven Sinne sein, wie man im Reitsport erlebt, aber alles in einem liebevollen und ehrfürchtigen Umgang mit der Schöpfung."

Der Pfarrer würde nicht so weit gehen, dass Tiere eine besondere Seele haben in dem Sinne, dass man Segenshandlungen vollziehen sollte: "Das gut gemeinte Miteinander von Gott her ist gewollt. In einen Pferdestall bin ich persönlich aber noch nicht gerufen worden."

Tetzner kennt viele christliche Reiter, die sich wünschen, dass Turniere wie dieses ohne schwere Unfälle abgehen und um Gottes Segen ersuchen. Wichtig sei das friedliche Miteinander und dass man sich mit den Siegern mitfreuen kann. Die Kollekte des Reitergottesdienstes kommt der Kirche zugute.

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