Die Macher hinter dem Welterbetitel

20 Jahre hat es bis zur Auszeichnung der Montanregion gedauert. Den Wegbereitern wurde am gestrigen Mittwoch eine Dankesfeier gewidmet. Doch auch die Zukunft stand im Fokus.

Marienberg.

Mehr als 1000 Menschen haben den 20-jährigen Weg zum Welterbetitel der Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí begleitet. "Es können daher bei Weitem nicht alle genannt werden", sagte Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, zur Dankesfeier am Mittwoch in der Stadthalle Marienberg. Trotzdem wurde die Veranstaltung genutzt, um Erinnerungen zu wecken und die Macher hinter dem Antrags- und Nominierungsprozess zu würdigen.

Doch neben den Auszeichnungen von Volker Uhlig, Prof. Dr. Helmuth Albrecht - stellvertretend für das Team der TU Freiberg -, Dr. Michael Urban als Protagonist auf tschechischer Seite sowie Matthias Voigt gab Landrat und Welterbevereinsvorsitzender Frank Vogel auch einen Ausblick darauf, wie es weitergeht. Ab Februar wird der Welterbeverein umstrukturiert. Es werden neue hauptamtliche Mitarbeiter eingestellt. Noch im ersten Halbjahr 2020 soll geklärt sein, wo Besucherzentren und Informationsstellen entstehen. Außerdem sprach Vogel von jährlich sieben Millionen Euro, die nun für die Entwicklung des Welterbes benötigt werden. Gefordert sei dabei der Freistaat, aber auch die Kommunen. Darüber hinaus sollen weitere Schulprojekte folgen, um die nächsten Generationen zu begeistern. Denn, so Vogel: "Der Welterbetitel ist eine Chance, aber auch eine Verpflichtung."


Der Wegbereiter

Volker Uhlig gehört zu den Wegbereitern. 16 Jahre lang leitete der ehemalige Landrat und gelernte Hüttenmann den Förderverein Montanregion Erzgebirge. Zudem fungierte er über Jahre als Vorsitzender des Welterbevereins. Uhlig sprach von der spannendsten Zeit seines Berufslebens und lobte die Zusammenarbeit mit Tschechien sowie den Zusammenhalt aller Beteiligten auch während der Rückschläge. Der Moment der Verleihung in Baku sei ein außergewöhnlicher gewesen. "Vor Vertretern von 190 Nationen in einem riesigen Saal. Das war Adrenalin pur. Da wurde mir bewusst, in welcher Liga wir jetzt spielen", sagte er zum Welterbetitel. (rickh)


Der Vordenker

Prof. Dr. Helmuth Albrecht habe als erstes für die Welterbe-Idee gebrannt und andere damit angesteckt, sagte Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge. Der Historiker kam 1996 nach Freiberg, übernahm ein Jahr später eine Lehrstelle an der TU. "Wenn man wissen will, wie eine Region tickt, muss man ihre Geschichte kennen", sagte der Vorsitzende des Fördervereins Montanregion Erzgebirge. Während der Bewerbungsphase habe es eine ganze Reihe von frustrierenden Momenten gegeben. "Aber wir sind immer gestärkt herausgegangen." Wichtig sei es nun, junge Menschen für den weiteren Werdegang zu gewinnen. (rickh)


Der Projektmanager

Matthias Voigt hat acht Jahre als Projektmanager bei der Wirtschaftsförderung Erzgebirge gearbeitet. Landrat Frank Vogel würdigte auch sein Engagement. Voigt habe meist im Hintergrund gewirkt. Zudem sei die gute Organisation der drei zehntägigen Besichtigungstermine durch die Gutachter sein Verdienst gewesen. "Auch nach seinem Ausscheiden bei der Wirtschaftsförderung hat er uns weiterhin unterstützt und als Berater zur Verfügung gestanden", betonte Vogel in seiner Dankesrede. Heute arbeitet Voigt als Verwaltungsleiter an einer Zwickauer Schule, ergänzte Sabine Schulze-Schwarz von der Wirtschaftsförderung. (rickh)


22 Jahre Arbeit bis zum Titel

Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge, hat die vergangenen Jahre bis zum Welterbetitel Revue passieren lassen:

1998 wird das Erzgebirge in die deutsche Warteliste für das Weltkulturerbe aufgenommen.

2000 gründet sich die Welterbe-Projektgruppe an der TU Freiberg. Drei Jahre später wird der Förderverein Montanregion Erzgebirge ins Leben gerufen. Erste Kontakte zu Tschechien entstehen.

2005 wird das Projekt zum Schlüsselthema innerhalb des Regionalmanagements.

Am 27. Juni 2011 erfolgt die Gründung des Welterbekonvents Erzgebirge in Marienberg. Konzepte und Projektgruppen entstehen. 2012 steigt die Tschechische Republik offiziell in die Welterbe-Bewerbung mit ein. Am 20. Juni dieses Jahres folgt die Konstituierung der sächsisch-tschechischen Steuerungsgruppe in Freiberg.

Am 17. April 2013 wird der erste, 1400 Seiten starke Welterbeantrag in Oelsnitz beschlossen und rund ein Jahr später eingereicht.

Am 21. Mai 2015 erfolgt die Gründung des Welterbevereins Montanregion Erzgebirge aus dem Welterbekonvent in Annaberg-Buchholz. Nach der Tagung des Welterbekomitees in Bonn und der negativen Einschätzung der Icomos - Berater-Organisation der Unesco - ziehen die Erzgebirger 2016 ihren Antrag zurück, überarbeiten ihn und konzentrieren sich dabei auf den Erzbergbau.

Am 26. Juni 2017 wird der zweite, 1000 Seiten starke Antrag einstimmig in Schwarzenberg beschlossen. 2018 begutachtet ein Sachverständiger die 22 Bestandteile. Am 6. Juli 2019 wird der Montanregion der Welterbetitel in Baku verliehen. (rickh)


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