Die Wismut lässt die Kröten retten

Ein Kahlschlag an der Hakenkrümme bei Aue kündigt das nächste große Vorhaben des Bergbausanierers an. Dabei werden zunächst Tausende Amphibien umgesiedelt. Naturfreunden ist das zu kurz gedacht.

Aue-Bad Schlema.

Das Gelände an der Hakenkrümme bei Aue ist derzeit kaum wiederzuerkennen. Wo einst ein Wald war, schweift der Blick über eine nahezu öde Fläche, unterbrochen nur von Häufen gefällter Bäume und gestapelter Äste. Ein Kahlschlag auf knapp acht Hektar Fläche - für einen guten Zweck.

In den 1950er-Jahren wurden hier radioaktive Abfälle des Uranbergbaus abgelagert. Später kamen Bauschutt und Hausmüll dazu. Der Wald stand also auf einer Altlastendeponie, die jetzt sicher verwahrt werden soll. "Das ursprüngliche Gelände liegt 25 Meter tiefer", sagt Manfred Speer. Er ist bei der Wismut für die Sanierung der sogenannten Altstandorte zuständig,Bergbauanlagen aus den 1940er- und 1950er-Jahren. Die mächtige Aufschüttung enthält nach Angaben der Wismut circa 585.000 Kubikmeter radioaktiven Schlamm und eine Million Kubikmeter Abraum, Schlacken, Asche, Schutt und Müll.

Auch Fäkalien wurden zur DDR-Zeit hier in drei Teichen abgeladen. Sie sind der Grund, weshalb sich auf dem Gelände in den nächsten Wochen noch nicht viel tun wird. "Die Fäkalien sind längst verrottet, aber aus den Teichen sind Biotope geworden, in denen sich Amphibien angesiedelt haben", sagt Speer. "Sie müssen umgesiedelt werden, um nicht unter die Räder zu geraten." Auch sollen die Tümpel entfernt werden. Die Laichgewässer der Kröten und Molche existieren dann nicht mehr.

Mit der Kröten-Rettung wurde die Grüne Aktion Westerzgebirge (GAW) aus Eibenstock beauftragt. Mitglieder des Umweltvereins haben Krötenzäune um die Teiche gezogen und Eimer in die Erde eingelassen, um die zum Laichen wandernden Amphibien abzufangen. Eimer innerhalb der Umzäunungen sollen Grasfrösche sammeln, die in den Tümpeln überwintert haben. Die Eimer werden täglich geleert.

Bei der Aktion sind jedoch Probleme zutage getreten. Zum einen gibt es viel mehr Amphibien als die Planer angenommen hatten. "Wir haben bisher mehr als 1700 Erdkröten und mehr als 1000 Berg- und Teichmolche gesammelt", sagt Jörg Richter, der Vorsitzende der GAW. Das heißt, die neue Heimat der Amphibien - der von der Wismut vor Jahren angelegte Teich im Borbachtal von Niederschlema - ist zu klein.

Außerdem zeigte sich, dass die Tiere das Gewässer nicht annehmen. Obwohl die GAW viele Amphibien im Borbachtal ausgesetzt hat, sind diese ohne zu laichen aus dem Teich verschwunden. Dessen Population geht seit den verheerenden Bodenverwüstungen, die vor einigen Jahren im benachbarten Poppenwald bei Holztransporten angerichtet worden sind, beständig zurück, haben Naturfreunde beobachtet. Das frische Blut von der Hakenkrümme hat daran nichts geändert. Die GAW hat einen Teil der geretteten Tiere nun auch in anderen Gewässern der Region freigelassen.

Zum dritten verweist Jörg Richter darauf, dass in den nächsten Jahren noch mehrere Generationen Molche zu den dann verfüllten Teichen an der Hakenkrümme wandern werden. "Sie setzen sich erst dann in Bewegung, wenn sie geschlechtsreif sind", sagt er. Die GAW dringt daher darauf, dass bei den Sanierungsarbeiten ein neuer Laichteich geschaffen wird. In den nächsten Tagen soll es dazu eine Beratung geben.

Die Arbeiten an der Hakenkrümme sollen laut Wismut im September beginnen und bis Ende 2022 dauern. Das Vorhaben kostet 4,5 Millionen Euro, zwei Drittel bezahlt die Wismut, ein Drittel tragen die Stadt Aue-Bad Schlema und der Erzgebirgskreis. Die Altlasten werden abgedeckt und weitgehend gegen Sickerwasser abgeschirmt. "Hinterher ist das hier eine begrünte Landschaft mit Wanderwegen", sagt Speer.

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