Die zweite Auferstehung einer Jesus-Figur

Die Johanniskirche besitzt einen Heiligen aus der Werkstatt Peter Breuers. Vor 200 Jahren entging die Plastik den Flammen, zuletzt wirkte sie farblos. Am Sonntag kehrt sie wie neu nach Lößnitz zurück.

Lößnitz.

Ein kleines Mädchen hat den Anstoß für die Restaurierung des Auferstandenen Christus in der Lößnitzer St.-Johannis-Kirche gegeben. Bei der Führung einer Klasse durch die Kirche wunderte sich die Schülerin über die schwindende Farbe des Heiligen: "Warum hat der so weiße Finger?" Dies sei Anlass gewesen, die fällige Überholung in Angriff zu nehmen, sagt Pfarrerin Elke Seekamp-Weiß (33). Drei Jahre ist das her. Am Sonntag kehrt die rundherum aufpolierte Kirchenfigur auf ihren Sockel über dem Altar zurück.

Lange Zeit wussten die Lößnitzer nicht, welchen Schatz sie in ihrer Kirche stehen haben. Der knapp einen Meter hohe Heilige aus entkerntem Lindenholz ist über 500 Jahre alt und stammt aus der Werkstatt des bekannten Zwickauer Bildschnitzers Peter Breuer (um 1472 - 1541). Eine kleine Sensation. Ans Licht gebracht hat sie Manfred Günther (88), der seit seinem 16. Lebensjahr in der St.-Johannis-Kirche ein- und ausgeht, wie er sagt, und sich für jedes Detail dort interessiert.

Bei seinen Recherchen über die Christusfigur fand er deren Erwähnung für das Jahr 1741 in der Chronik des Magisters Gotthelf Friedrich Oesfeld (1735 - 1801). War die Heiligen-Plastik bereits damals bekannt, musste sie sehr alt sein. In einer Veröffentlichung von 1931 zu Bornkinnel-Figuren stieß Günther erneut auf den Auferstandenen. In einem Nebensatz wurde erwähnt, dass die Figur Peter Breuer zugeschrieben werde. "Auf einmal tauchten hier 500 Jahre aus der Geschichte auf", erinnert sich der Lößnitzer. "Das gab ein großes Staunen bei uns allen."

Inzwischen haben Kunsthistoriker in der Figur eindeutig die Handschrift des Zwickauer Meisters erkannt, und der Auferstandene wird im offiziellen Werkeverzeichnis Peter Breuers geführt. Datiert wird er auf die Zeit um 1505.

Auch für Restaurator Mirko Negwer (45) aus Zeitz war es etwas Besonderes, die Skulptur in den Händen zu halten. "Viele Dorfkirchen besitzen Figuren aus der Renaissance, aber kaum eine konnte sich einen bekannten Meister leisten", sagt er. Lößnitz, damals die "Salz-Hauptstadt" Westsachsens, hatte das Geld.

Negwer erläutert, wieso die Finger des Auferstandenen weiß aussahen: "Die Figur war mit wasserlöslicher Farbe bemalt und ist wohl mit einem feuchten Lappen geputzt worden. Dabei hat sich Farbe gelöst. Das Weiß, das der Schülerin auffiel, war die Grundierung." An anderen Stellen wurde Schmutz eingerieben.

Nach der Restaurierung wird die Figur ihrem kunsthistorischen Stellenwert nun wieder gerecht. Die 3800 Euro, die die Generalüberholung gekostet hat, wurden durch Spenden der Gemeinde und Fördermittel finanziert. "2300 Euro haben wir von der Unteren Denkmalbehörde erhalten", sagt Pfarrerin Seekamp-Weiß. Rund 600 Euro kamen durch eine Broschüre zusammen, die Manfred Günther über das Lößnitzer Bornkinnel und die Christusfigur verfasste. Der Lößnitzer hat bereits ein neues Forschungsprojekt. "Im Jahr 1806 brannte die Johanniskirche ab. Der Auferstandene ist den Flammen entgangen. Ich möchte herausfinden, wie es dazu kam."

Der Gottesdienst am Sonntag beginnt um 10 Uhr in der St.-Johannis-Kirche. Neben Pfarrerin Elke Seekamp-Weiß sprechen auch Restaurator Mirko Negwer und Kirchenforscher Manfred Günther aus Lößnitz.

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