Dirigierstudenten beweisen: Interpretation ist Chefsache

Dirigent ist eine Machtposition. Ob sich ihm Orchester unterordnen, hängt von Können und Ausstrahlung ab. Stimmt beides nicht, macht die Konkurrenz das Rennen.

Aue/Schwarzenberg.

Die praktische Seite der Kapellmeisterei zu trainieren, arbeitet die "Dresdner Musikhochschule "Carl Maria von Weber" seit vielen Jahren mit der Erzgebirgischen Philharmonie zusammen. Jedes Jahr findet an mehreren Tagen im Kulturhaus ein Dirigierseminar statt. Die Ergebnisse des aktuellen Seminars waren Samstagabend beim 10. Philharmonischen Konzert zu hören.

Als erste kam Dirigentin Katharina Dickkopf aufs Podest. "Den Namen Dickkopf kann man als Dirigent gut in die Tat umsetzen", hatte Orchestermanager Michael Eccarius in seinem Einführungsvortrag im kleinen Saal gescherzt. Denn Kapellmeister dürfen keine Demokraten sein. Interpretation ist Chefsache. Katharina Dickkopf hatte sich etwas Unpopuläres gewählt, die kaum gespielte Ouvertüre zu Robert Schumanns Oper "Genoveva". Thema ist die schicksalhafte Verkettung einer Liebesbeziehung um das Jahr 730. Die junge Künstlerin kam etwas unschlüssig auf die Bühne, aber nach der spannungsvoll musizierten bedrohlichen Einleitung richtete sie sich hoch auf und lenkte das Orchester zuverlässig zum strahlenden Finale. Katharina Dickkopf hat bereits in Heidelberg und Mannheim studiert. Zurzeit ist sie Assistentin an den Landesbühnen Sachsen.


Diesmal stand auch der Namenspatron der Dresdner Musikhochschule auf dem Programm: Webers Concertino für Klarinette und Orchester Es-Dur op. 26 wurde von dem Chinesen Yanhui Liu gespielt. Er agierte als Soloklarinettist bereits in professionellen Orchestern. Das hörte man. Virtuos spielte er in den Ecksätzen auf, und man konnte sich überzeugen, dass sich auch ein Chinese in die deutsche Waldstimmung des verträumten Mittelsatzes ausdrucksstark einfühlen kann. Dirigiert hat das Concertino selbstbewusst mit hoch erhobenem Kopf Dionysos Pantis aus Griechenland. Für die Interpreten gab es viel Beifall.

Viele Musikfreunde in der DDR kannten den Komponisten und Dirigenten Siegfried Kurz. Er arbeitete an den Staatsopern Dresden und Berlin. Dessen Konzert für Trompete und Streichorchester op. 23 dirigierte souverän der Berliner Tim Fluch, der bereits bei Großwerken wie Wagners "Götterdämmerung" und der "Alpensinfonie" von Richard Strauß assistierte. Solist des Trompetenkonzerts war Philipp Rauch. Mit strahlendem Glanz und unbändiger Kraft schmetterte er das Concertino. Rauch ist mehrfacher Preisträger von "Jugend musiziert" auf Landes- und Bundesebene.

Zuletzt stand Richard Wagners Jugendsinfonie C-Dur auf dem Programm. Der 19-jährige Wagner hatte sich Beethoven zum Vorbild genommen, besonders dessen 3. und 7. Sinfonie. Auf dem Dirigentenpodium stand der Weißrusse Lavon Śpirydonau. Das Multitalent war Sieger bei nationalen Wettbewerben in Komponieren, Musikwissenschaft und Mathematik. Śpirydonau und die Erzgebirgische Philharmonie lieferten eine Glanzleistung ab. Wagner wäre hellauf begeistert gewesen. Schade, dass diese scharf profilierte und jugendwilde Interpretation nicht aufgezeichnet wurde.

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