Ebbe im Carolateich: Reparatur wird teuer

Trotz Regens sinkt der Pegel des Gewässers immer wieder ab. Um ein großes Fischsterben zu verhindern, mussten im vergangenen Jahr extra Einsatzkräfte anrücken. Ist es bald wieder so weit?

Aue.

Dass mit dem Carolateich in Aue etwas nicht stimmt, ist in den vergangenen Tagen auf den ersten Blick zu erkennen gewesen: Der Wasserpegel sank deutlich. Zu erkennen war das etwa an den Betonfundamenten unter dem Brunnen, die normalerweise nicht zu sehen sind, weil sie sich unter der Wasseroberfläche befinden, plötzlich aber freilagen.

Ein ähnliches Bild gab der Teich bereits im April vergangenen Jahres ab. Damals stand das Wasser noch etwas tiefer, sodass das Gewässer zu "kippen" drohte und die kleinen Fische im Teich in Gefahr waren. Die Stadtverwaltung alarmierte daraufhin die Rettungskräfte des Technischen Hilfswerks (THW), die mit schwerer Technik anrückten, um für den Zulauf von frischem Wasser zu sorgen. Kostenpunkt: rund 2000 Euro.

Mehr als 15 Einsatzkräfte waren damals stundenlang im Einsatz - und zwar an der Mulde im Bereich des Fußgängerwegs an der Marie-Müller-Straße. Dort wurden bis zu 2500 Liter in der Minute aus dem Fluss gepumpt und über einen Zufluss am alten Gießereigelände zum Teich befördert. Droht sich der Rettungseinsatz nun zu wiederholen?

Grund für den immer wieder sinkenden Pegel im Teich ist ein Defekt am Zulauf, dem sogenannten Walthergraben. Zuletzt hieß es, dass ein Leck in diesem verhindere, dass neues Wasser aus dem Zschorlaubach in den Teich zufließen kann. Doch die Situation ist wohl deutlich schlimmer als bislang bekannt. Wie Bauamtsleiter Immo Rother erklärt, ist der gut 1,4 Kilometer lange Walthergraben nämlich "durchlöchert". Die Rohre aus Steinzeug in einzelnen Abschnitten sind zum Teil gerissen, zum Teil weggebrochen und versetzt. Ein Teil des Wassers sickert an kaputten Stellen weg. Deshalb sei in der Vergangenheit eine Art Gummiblase in den Kanal gesetzt worden, um diesen zu verschließen. Die Folge: Seither sitzt der Carolateich auf dem Trockenen. Und weil das Wasser im Gewässer bei Wärme nicht nur verdunstet, sondern auch kleinere Mengen im Randbereich im Boden versickern, sinkt der Pegel. Eine Gefahr für die Fische - darunter Hechte und Goldfische.

"Die Situation ist prekär", sagt Immo Rother. "Und die Situation wird ganz schlecht, wenn im Sommer der Regen ausbleibt." Damit sich der THW-Einsatz so schnell nicht wiederholt, wird inzwischen ab und zu die Gummiblase im Kanal gelockert, damit frisches Wasser zufließen kann. Eine Dauerlösung ist das aber nicht. Und: Herrscht im Zschorlaubach eines Tages Niedrigwasser, könnte am Ende nur noch ein Rettungseinsatz helfen. Für die Reparatur des Grabens rechnet die Stadtverwaltung aktuell mit Kosten in Höhe von 150.000 bis 200.000 Euro. Geld, das im Haushalt aber bislang nicht eingeplant ist. "Wir versuchen, an Fördermittel zu kommen", erklärt der Bauamtsleiter. Doch selbst wenn die fließen und die Stadträte im aktuellen Haushalt Geld locker machen, dürfte das Problem Walthergraben nicht so schnell zu beheben sein. Denn derzeit läuft erst die Planung für die Reparatur. Frühestens 2021 könnte das Wasser wieder fließen.

Eine Reparaturidee sieht vor, eine Art Plastikschlauch in den bestehenden Graben zu ziehen und aufzublasen, um so das Rohr abzudichten. Einige Stellen sind allerdings so stark beschädigt, dass Teile des Rohrs geöffnet und repariert werden müssten. Als Plan B kursieren in der Stadtverwaltung deshalb Überlegungen, einen ganz neuen Zufluss zu schaffen und Wasser aus der Mulde in den Teich fließen zu lassen.

Dazu erklärt Immo Rother: "Wir könnten wenig Wasser auf Höhe der Mühlstraße aus dem Fluss entnehmen - nicht mit großen Pumpen wie denen des THW, sondern mit kleinerer Technik." Von dort aus würde dann ein Teil des Walthergrabens genutzt, um das frische Wasser in den Teich zu leiten. Das Problem allerdings: Für diesen Plan braucht die Stadtverwaltung zunächst eine Genehmigung der Wasserbehörde des Kreises. Heißt also: Eine schnelle Lösung des Problems zeichnet sich nicht ab. "Ich erwarte keinen Durchmarsch", bestätigt Rother.

1Kommentare
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    1
    Tauchsieder
    27.06.2020

    Kopfschütteln, wenn das Problem länger bekannt ist hätte man doch schon längst handeln müssen. Wartet man hier auf eine Eingebung von oben?
    Und wenn man der Meinung ist Zitat: - Für diesen Plan braucht die Stadtverwaltung zunächst eine Genehmigung der Wasserbehörde des Kreises. Heißt also: Eine schnelle Lösung des Problems zeichnet sich nicht ab - Zitat Ende. Dann muss man der Behörde mal entsprechend Druck machen, da sind die Medien, egal welcher Art, sehr hilfreich.