Eibenstocks City braucht Frischzellenkur

Leere Geschäfte, kein Café zum Verweilen - dafür bekam die Bergstadt zuletzt viel Kritik. Kann der Trend umgekehrt werden?

Eibenstock.

Wie kann man dem Postplatz in Eibenstock wieder neues Leben einhauchen? Wie lässt sich dem Leerzug von Geschäften entgegenwirken? "Das sind Fragen, die uns alle angehen, weil es keinen gibt, der das Problem alleine lösen kann", sagte Eibenstocks Bürgermeister Uwe Staab (CDU) zum Runden Tisch des Gewerbe- und Tourismusvereins am Dienstagabend. Deshalb hatte seine Vorsitzende, Silke Dickescheid, alle Hauseigentümer und Händler vom Postplatz eingeladen, musste allerdings enttäuscht feststellen, dass weit weniger gekommen waren als erwartet.

Sie machte darauf aufmerksam, dass durchaus Potenzial für die Händler vorhanden sei. Denn Eibenstock habe mit seinen Ortsteilen zwar nur knapp 8000 Einwohner, aber es werden 170.000 Übernachtungen gezählt im Jahr, dazu kämen noch die Tagesgäste. Doch gerade die Urlauber äußern in letzter Zeit immer wieder Kritik, dass es in der Stadt an Einkaufsmöglichkeiten und gastronomischen Einrichtungen fehlt, hieß es vom Bürgermeister. "Da heißt es: Wenn man durch die Stadt läuft, ist nichts los, man kann nicht mal einen Kaffee trinken gehen", sagte er. Er warnte davor, dass man schnell in ein "Negativ-Image" abrutschen könne.

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Hoffnungen hatte man in einen Interessenten gesetzt, der ein Eiscafé in einem seit längerem leer stehenden Geschäft am Postplatz eröffnen wollte. Staab musste zum Runden Tisch enttäuschen: Der Interessent hatte einen Tag zuvor abgesagt. Marko Erbacher, Besitzer des ehemaligen Kaiserlichen Postamtes, plädierte für eine Lösung ähnlich dem Samocca in Aue. Er stellte die Verbindung zur Diakonie her, die auch Einrichtungen in Eibenstock betreibt und ist der Meinung, dass deren Bewohner gern eine Beschäftigung in einem Projekt in Eibenstock annehmen würden. Silke Dickescheid griff den Gedanken auf und will das Gespräch zur Geschäftsführung der Diakonie suchen.

Der Blick auf die kommenden fünf Jahre fiel bei den Geschäftsleuten in der Runde verschieden aus: Während Heidi Rößler vom gleichnamigen Modegeschäft sagte, dass sie in drei Jahren in Rente gehen werde und es aus jetziger Sicht niemand gibt, der den Laden weiterführt, äußerte sich Silke Schneider-Hoffmann vom Schuhhaus Schneider zufrieden über ihren Umsatz. Die Entscheidung, vor acht Jahren das Geschäftshaus am Postplatz zu errichten, habe sie nicht bereut. Sie als auch Heidi Rößler meinten, dass sich ihre Kundschaft zu je 50 Prozent aus Einheimischen und Touristen zusammensetze. Reisebüro, Apotheke, Sportstudio und Physiotherapie zeichneten ebenso ein positives Bild.

Heidi Rößler hat für ihr Geschäft den Trend ausgemacht, dass besonders die Generation 55 plus auf Beratung und persönlichen Kontakt mit den Verkäufern setze, statt sich auf Käufe im Internet zu verlassen. "Würde ich mein Geschäft weiterführen, hätte ich in diese Richtung weitergedacht", sagte sie. "Unser Vorteil ist, dass wir unsere Kunden kennen, wir wissen, wie sie ticken und was sie kaufen wollen." Die Geschäftsfrau meint allerdings auch, dass es langfristig wohl eher etwas bringt, Dienstleistungen anzubieten, statt nur zu verkaufen.

Marko Erbacher vermietet Wohnungen in seinem Haus, dem ehemaligen Postamt. Darauf, ob die Deutsche Post ihre Filiale dort behält, habe er natürlich keinen Einfluss, aber er hofft, "dass die Post mit mir in die Zukunft geht".

Die meisten der Eigentümer haben ihre Häuser in der Innenstadt hergerichtet. Doch es gibt auch schwarze Schafe, die das Bild verschandeln und sogar andere mit ihren teilweise nächtlichen Aktivitäten stören. Auch das wurde in der Runde nicht verschwiegen. In einem Fall von "illegaler Gastronomie" berichtete Staab davon, dass er schon zahlreiche Gespräche mit dem Hauseigentümer geführt habe, um die Situation zu verbessern. Was ihm in der Runde berichtet wurde, veranlasste ihn zu dem Versprechen, erneut das Gespräch zu suchen. "Und dieses Mal werde ich klare Ansagen machen."

Um mehr Farbe in die Innenstadt zu bringen, hat die Stadtverwaltung eine Aktion ins Leben gerufen, bei der Hauseigentümer einen finanziellen Zuschuss für die Anschaffung von Blumenkästen bekommen. So richtig begeistert war man von der Idee in der Runde nicht, denn fast alle hatten es schon einmal erlebt, dass aus ihren Blumenkästen Pflanzen "verschwanden" ebenso auch schon ganze Blumenbehälter.

Vom Leader-Verein Westerzgebirge gab es zur Veranstaltung Tipps, was Unternehmer an Förderung beantragen können. Betont wurde, dass man schon vor der Antragstellung ein passendes Konzept in der Schublade haben sollte.

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