Ein Dorf wird wieder aufgeforstet

Der Sturm hat dem Zwönitzer Ortsteil Brünlos übel mitgespielt. Nun werden Bäume gepflanzt. Das ist auch ein Signal.

Brünlos.

Den Sturm, der Ende September über Teile des Erzgebirges hinweggefegt ist, haben die Brünloser Grundschüler noch gut in Erinnerung. "Mein Papa ist Feuerwehrmann. Der war die ganze Zeit unterwegs", sagt Gustav. Seine Klassenkameradin Anni erinnert sich vor allem an die Minuten vor dem Sturm: "Alles war ganz weiß und es wurde plötzlich warm. Und dann ging es los." Die verheerenden Schäden sind mittlerweile mit vereinten Kräften wieder behoben worden. "Nun gehen wir den zweiten Schritt", sagt Ortsvorsteher Dieter Krebs.

Das Stichwort ist Wiederaufforstung. Gestern haben Grundschüler und Kindergartenkinder symbolisch drei Kastanien gepflanzt. Nicht die erste Neupflanzung im Dorf, denn auch im Freibad sind nach dem Sturm neue Bäume gepflanzt worden. "Wir sind stolz auf unseren grünen Ort. Bäume gehören zur Dorfgemeinschaft", begründet Krebs. Mit der Aktion solle nicht nur der Baumbestand wieder aufgefüllt werden, sondern auch ein Zeichen gesetzt werden. "Wir möchten damit auch die Bürger animieren, Bäume zu pflanzen", sagt Krebs.

In der Bürgerschaft liegt das Interesse mitunter anders. Dort wird neben dem Sturmholz gerne auch mal der ein oder andere lästige Baum gefällt. Das allerdings geht so einfach nicht. Denn in Zwönitz gilt eine Baumschutzsatzung, die den Umgang mit den Gehölzen eindeutig regelt. "Die Anträge auf Baumfällung sind seit dem Sturm angestiegen", sagt Uwe Klinger, der in der Stadtverwaltung Zwönitz für die Einhaltung der Baumschutzsatzung zuständig ist. An dieser, betont er, wolle die Stadt auch festhalten. "Bäume wegzuschneiden ist nicht der richtige Weg", sagt Thomas Krauß, der als Ortschaftsrat der Baumschutzkommission angehört. "Wir dürfen uns nicht den Ast abschneiden auf dem wir sitzen." Er hat Verständnis dafür, dass die Menschen nach dem Sturm verunsichert sind. Doch ein gesunder Laubbaum, stelle kein Problem dar. Der müsse nicht weg. Problematisch sei es bei Flachwurzlern, wie beispielsweise Fichten. "Die haben die meisten Schäden verursacht, weil die Kronen abgerissen worden sind", sagt Krauß.

Ortswechsel. In Thalheim hat der Sturm ebenfalls massiven Schaden angerichtet. Zwar sind die meisten Gefahrenstellen beräumt, doch die Arbeiten sind nicht abgeschlossen. Auch die Kostenrechnung steht noch aus. Im kleinen Rahmen werden auch in Thalheim zusätzliche Baumfällungen beantragt, doch die Stadt ist da konsequent. "Wenn der Baum nicht krank ist, genehmigen wir keine Fällungen", sagt Bauamtsleiter Roland Wegener.

Diesbezüglich ist Zwönitz weiter. Neben den drei Kastanien, die die Kinder gestern gepflanzt haben, und den Bäumen im Freibad gibt es Pläne an der Alten Stollberger Straße und am Waldschlösschen bis zu 50 Bäume zu pflanzen. Bäume an Straßen können auch für auf Privatgrund gefällte Bäume die Lösung sein. Die Baumschutzsatzung sieht bei Fällungen Ersatzpflanzungen vor. "Es kann auch eine Pflanzung finanziert werden", sagt Klinger.


Kommentar: Heimatpflege

Was wäre das Erzgebirge ohne Bäume? Definitiv um einiges weniger attraktiv. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass der Klimawandel in vollem Gange ist. Stürme, wie der Ende September, werden in Zukunft wohl häufiger zu beklagen sein. Daher ist es verständlich, wenn sich Bürger um die Sicherheit ihrer Häuser sorgen und in Erwägung ziehen, Bäume zu fällen. Dass nicht jeder Baum direkt weg muss, zeigt die alte Eiche im Dorf. Die hat zwar Schäden an der Roscher-Mühle verursacht, darf aber weiterleben - fachgerecht gestutzt. Das ist ein gutes Signal. Ebenso, dass an den öffentlichen Straßen aufgeforstet wird. Auch das ist Heimatpflege.

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