Eine Arbeit, auf die der Opa stolz wäre

Lüftlmalerei ziert Fassaden vieler Häuser im Erzgebirge. "Freie Presse" erzählt die Geschichte dahinter. Heute: Familie Strauß aus Lößnitz.

Lößnitz.

Wer kennt ihn nicht, den markanten Turm der evangelisch-lutherischen Johanniskirche in Lößnitz, der das Stadtbild auf besondere Weise prägt. Am Haus von Familie Strauß an der Rudolf-Weber-Straße dominiert der Turm ein Lüftlbild von Matthias Nestler aus Geyer.

Zum Salzmarkt oder in der Advents- und Weihnachtszeit, wenn Lößnitz von vielen Gästen besucht wird, ist die Resonanz auf das Lüftl-bild ganz besonders groß -da werde es bestaunt und immer wieder gelobt. Kein Wunder, denn das Haus steht nahe am historischen Stadtkern. Hin und wieder gäbe es auch Fragen. So interessiert es viele, wer das Bild gemalt hat. Auch die Frage nach dem Preis werde ehrlich beantwortet. "3500 Euro. Da erschrecken die meisten erst einmal. Aber wenn man ein Bild in einer solchen Dimension kaufen würde, wäre es ja ein Vielfaches mehr. Uns ist es jeden Euro wert", sagt Katrin Strauß.

Dabei war das Lüftlbild zunächst nur ein lang gehegter Wunsch. Erst seit 2013 ziert das Motiv das Gebäude, in dem drei Generationen wohnen. "Mein Papa Steffen wollte schon seit vielen Jahren ein Bild am Haus haben", erzählt Katrin Strauß. Und sie verrät: "Das sollte damals noch mein Opa malen, der ein wirklich begabter Zeichner und Maler war." Der Opa habe sich allerdings nicht wirklich an das ehrgeizige Projekt getraut. "Er hatte immer Respekt vor der Dimension", bedauert die Enkeltochter. Sie hätte ihrem Großvater die Lüftlmalerei durchaus zugetraut. Auch wenn der Opa seinem Sohn diesen Wunsch habe nicht erfüllen können, so blieb dieser bestehen. Allerdings galt es nun, einen Künstler zu finden, der sich der Hauswand annimmt.

Da Katrins Mutter aus Geyer stammt, waren ihr Matthias Nestler und dessen Bilder durchaus bekannt. "Meinem Papa Steffen gefielen diese Werke so gut, dass er auch in Gedenken an meinen Opa ein Bild von Nestler ans Haus malen lassen wollte", erinnert sich Katrin Strauß. Steffen Strauß hatte nur einige wenige konkrete Vorstellungen, wie das Bild aussehen sollte. "Er wollte eine Art Schwibbogen", erzählt die Tochter: "Unten sollte ein Bergwerk sein, weil er und sein Vater selbst Bergleute waren." Der tragende Bereich des Bildes sollte allerdings eine Lößnitzer Stadtansicht sein. "Matthias Nestler selbst hat sich da dann ausgetan, hat sich erkundigt und sich Lößnitz genau angeschaut." Er stellte der Familie zunächst seinen Entwurf vor und ist damit auf große Begeisterung gestoßen. "Das war zwar nur eine Bleistiftskizze, doch es hat uns gleich gefallen. Mein Papa hat dann nur noch gesagt, dass er sehr gern noch ein Spruchband haben will, was das Ganze abrundet." Dass dieses Spruchband letztendlich von einem Engel gehalten wird, sei erst während des Malprozesses, direkt an der Wand, der seinerzeit von Mai bis Juli dauerte, entstanden.

"Unser Anspruch war immer, dass es so naturgetreu wie möglich aussehen sollte", sagt Katrin Strauß und schwärmt für die Farben des Bildes. Eine Schwarz-Weiß-Variante sei nie in Frage gekommen. Diskutiert wurde aber reichlich über die Hauswand, an die es gemalt werden sollte. "Erst sollte es an eine Hausseite, die wir von unserer Sitzecke aus immer gesehen hätten. Dort allerdings haben wir angebaut, deshalb fiel die weg." Die Wand, die sich direkt neben der Haustür befindet, drängte sich letztendlich regelrecht auf.

Nach nunmehr fünf Jahren sehe das Bild immer noch richtig gut aus. Um es vor unliebsamen "Wassernasen" zu schützen, wie sie sich beispielsweise auch an Fensterbrettern bilden, hat Familie Strauß mit Leisten ein kleines Dach darüber gebaut. "Uns gefällt es allen immer noch sehr. Wir erfreuen uns jedes Mal, wenn wir daran vorbei laufen. Deshalb würden wir es immer wieder so malen lassen", sagt Katrin Strauß. "Wir sind sehr familienverbunden, und das Bild spiegelt ein bisschen Familiengeschichte wider."

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