Eine Stadt als zwölfter Mann

Der Umbau des Erzgebirgsstadions ist für Aue ein Meilenstein gewesen, die Fusion mit Bad Schlema ein weiterer. Nun stehen in der neuen Stadt Wahlen an. Wie geht es danach weiter? Der Stadtchef hat einen Rat.

Aue-Bad Schlema.

Der Stolz und die Freude über das rundum erneuerte Erzgebirgsstadion sind Anfang 2018 förmlich zu greifen gewesen. Damals war in Aue die offizielle Schlüsselübergabe gefeiert worden, nachdem zuvor rund 20 Millionen Euro in den Neu- und Umbau der Spielstätte flossen. Das Gros zahlte der Landkreis als Eigentümer, aber auch die Stadt schoss eine Millionensumme zu.

Wer deshalb vor der Kommunalwahl am 26. Mai mit der Stadtsprecherin Jana Hecker über die Stadtentwicklung in der vergangenen Legislaturperiode spricht, wird gern von ihr an diesen Meilenstein erinnert - und an den großen Anteil, den die Kommune daran hat. "Wir haben schon viele Zuschüsse an den FCE gezahlt, auch Sonderzuschüsse", erklärt sie. Dass der Verein heute steht, wo er steht, das sei deshalb ein Stück weit auch Aue und jetzt Aue-Bad Schlema zu verdanken.

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Die Stadt als zwölfter Mann der Fußballmannschaft? "Wir schießen zwar nicht die Tore, aber wir unterstützen den Verein", sagt Hecker. Auch für das neue Sport- und Freizeitzentrum, das am früheren Güterbahnhof entsteht und das unter anderem die Nachwuchskicker des FCE nutzen werden, greift die Stadt tief in die Tasche.

Aber Jana Hecker kann noch viele andere Bereiche aufzählen, in die investiert wird: die Sanierung der alten Wellner-Fabrik zum Beispiel oder das neue Gewerbegebiet, das am Bahnhof entsteht. Der Amtsverweser und Übergangsstadtchef Steffen Möckel setzt die Liste im Stadtteil Bad Schlema fort: Sanierung alter Halden, Modernisierung der Turnhalle der Schillerschule, Verteidigung des Kurbad-Titels und Umbau der alten Gleesbergschule zum modernen Pflegeheim.

Doch für die Zukunft bleiben viele Baustellen. In Bad Schlema sind es etwa die Sanierung des Kurbads und des alten Bahnhofs, in Aue unter anderem das Beleben der Innenstadt und die Erstellung eines neuen Konzepts für die alte Heidelsbergschule.

Die größte Baustelle dürfte aber das Zusammenführen von Aue und Bad Schlema als gemeinsame Stadt sein. Über die Fusion zum 1. Januar dieses Jahres hätten manche Bürger - vor allem in Bad Schlema - gern selbst in einem Bürgerentscheid abgestimmt. Dass sie das nicht tun durften, hat einige verärgert zurückgelassen. Stadtchef Möckel rät dem künftigen Oberbürgermeister deshalb, gerecht mit allen Ortsteilen umzugehen. Für ihn bedeutet das: Es müsse überall in etwa gleich viel investiert werden. Die Fusion selbst bezeichnet er rückblickend als "einzig gangbaren Weg". "Wir konnten in Bad Schlema nicht mehr allein bleiben." Sinkende Einwohnerzahlen hätten an der Finanzkraft des Ortes genagt; die kommunalen Aufgaben seien zugleich nicht weniger geworden. "Straßen mussten wir ja trotzdem unterhalten."

Weniger Konflikte um die Fusion will Sprecherin Hecker in Aue wahrgenommen haben. "Die Auer waren eher um die Bad Schlemaer besorgt", sagt sie. Dass Entscheidungen, wie die Eingemeindung Wildbachs, anfangs umstritten waren, sich später aber als richtig erwiesen hätten, lässt Möckel hoffen. Er sagt: "Die Zeit wird die Wunden heilen."

Heißt also: Eines Tages stehen die Bürger als zwölfter Mann hinter ihrer neuen Stadt, so wie die Stadt hinter ihrer Fußballmannschaft.


Diese Kandidaten treten an

CDU: Hans Beck, Thomas Colditz, Katja Neubert, Rainer Pommer, Frank Löffler, Maja Poland, Wolfgang Krones, Marcel Koch, Reiner Pöschl, Horst Dippel, Kerstin Vana, Michael Kommichau, Stefan Richter, Sylva Wöstmann, Andreas Richter, Thomas Stelz, Jana Beyer, Markus Ziener, Michael Eitler, Evelyn Meier, Paul Krauthahn, Pierre Söllner, Fabian Heintz, Sascha Goll, Heike Müller, Kai Häcker, Klaus-Peter Bachmann, Ralf Petermann, Mike Weller, Tobias Kaufmann, Daniela Kraus, Frank Bachmann, Sven Spielvogel, Markus Glöckner, Carolin Beck, Helmut Krieger, Jens Krämer

Linke: Andreas Rössel, Heide-Marie Bamler, Karla Heinz, Rolf Niemann, Uta Oertel, Hans-Peter Eichmann, Bettina Trzarnowski, Klaus Henoch, Gerhard Lederer, Frank Trzarnowski, Jörg Hildebrand

SPD: Claudia Ficker, MarcoHohenhausen, Christa Schneider, Stephan Mühlberg, Frank Thiele, Dr. Wilfried Scharner, André Ficker, Karsten Wilhelm, Heiko Männel

AfD: Lars Bochmann, Hans-Jürgen Bochmann

Grüne: Hartmut Weickelt, Christine Ramminger, Frank Schmidt, Cornelia Körner, Fanny Weickelt, Siegfried Otto

NPD: Stefan Hartung, Sylvia Held, Sebastian Lindner, Jan Flechtner, Jan Krings, Ronny Böhme, Rudolf Leistner

Auer Liste der Unabhängigen: Tobias Andrä, Thomas Ketzer, Frank-Michael Horbach, Renata Mehlhorn, Olaf Fischer, Jörg Prager, Heinz Poller, Margot Dietel, Frank Pampel, Hans-Ulrich Biernert, Matthias Möckel, Heiko Mehlhorn

FW Erzgebirge: Dr. Oliver Titzmann, Uwe Haas, Claus-Dieter Reinhardt, Bernd Richter, Katrin Rosenkranz, Eberhard Neumann, Steffen Wünsche, Michael Hauße, Heiko Schulz, Bernd Damisch, Matthias Pausch, Renate Eberlein, Jörg Meinhardt, Ronald Behrens, Thomas Weißflog, Detlef Markert, Ullrich Espig, Jörg Geller, Roswita Ludwig, Anke Lamm, Nadine Ezold, Stephan Lamm, Heini Lorenz, Sandra Ficker, Silke Skorzus, Samantha Pilarzeck, Silvia Ficker, Michael Geller

FW Aue: Beatrice Meichßner, Mario Heydel, André Harzer, Falk Schellenberger, Danny Weber, Holger Erler, Heike Klötzer, Ronny Schamel, Marko Hoffmann, Jens Dettmer, Grit Johne, Roland Lorenz, André Albrecht, Mandy Herrmann, Axel Schlesinger, Thomas Dumcke, Matthias Bohn, Rico Junghanns, Christiane Koch, Karsten Fischer, Lukas Jordan, Rainer Mickan, Matthias Thümmler, Heiko Fetting, RonnyZebisch, Swen Seidel, Frank Dörfelt, Andreas Pult, Matthias Richter, Marco Beer, Sandy Bohn, Sven Ewald, FlorianWirth

Wabs: Konrad Barth, Lutz Hörnig, Yvonne Bochmann, Steffen Richter, Holger Michen, Simone Köhler, Steffen Barth, Daniel Hartmann, Swen Bertram, Sabine Lange, Mandy Mörtl, Stefanie Pügner, Danuta Schildt, Katrin Schürer, Andreas Otto, Sabine Weber, Frank Stenger, Torsten Thury, Sigrid Fleischer, Stephan Sesser, Anja Seifert, Brigitte Lorenz, Siegfried Barth, Wolfgang Beyer, Ute Buchsteiner, Sven Bretschneider, Silke Drescher, Bianka Weigelt, Virginie Auerswald, IvonneHauser, Ilona Schiffner, Juliane Deim, Silvana Georgi, Helga Irmisch, Berit Fleck, Andrea Franke, Silvia Kraus, Jeanette Muth, Marc Dienelt


Zahlen und Fakten

Die Gesamtfläche von Aue-Bad Schlema beträgt 36,6 Quadratkilometer. Der kleinste Stadtteil ist mit rund 5,7 Quadratkilometern Wildbach, der größte Aue mit 14,6 Quadratkilometern. Die Einwohnerzahl liegt derzeit bei circa 21.000.

Im aktuellen Übergangsstadtrat haben die Freien Wähler mit 15 Sitzen die meisten Stimmen. Die CDU hat 13 Sitze, die Linke 7, die SPD 2, Aldu 2. Die NPD hat einen Sitz.

1725 Gewerbe sind in der Stadt gemeldet. Davon entfallen etwa 435 auf den Handel, 345 aufs Handwerk und 61 auf die Industrie.

Die Partnerstädte sindSolingen (Nordrhein-Westfalen), Guingamp (Frankreich), Kadan (Tschechien), Rechberghausen (Baden-Württemberg) und Elgg (Schweiz).


Was sich Bürger wünschen

Was wünschen sich Bürger vom neuen Rat? "Freie Presse" hat sich in Aue-Bad Schlema umgehört:

Philipp Pöschl (33) aus dem Stadtteil Aue sagt: "Mit dem, was in der Stadt getan wird, bin ich eigentlich zufrieden." Für Vereine werde viel gemacht. "Was sich noch weiter zum Positiven verändern könnte, wäre das Stadtbild an sich. Es gibt Ecken in Aue, die könnten sauberer und gepflegter sein, etwa die Uferterrasse." Wünschen würde sich Pöschl auch mehr Polizei-Präsenz.

Kerstin Müller (56) aus dem Stadtteil Bad Schlema erklärt: "Was ich mir wünsche, ist, dass sich in der Stadt alles stabilisiert, sodass man nach vorn blicken und die Dinge anpacken kann." Sie habe gehört, dass in Schlema aufgrund der Finanzlage in der Vergangenheit einige Dinge liegen blieben. Außerdem wünscht sich Müller mehr Leben in der Marktpassage. Und sie erklärt: "Es wäre gut, wenn man eine Idee hätte, damit Bad Schlema insgesamt noch attraktiver wird."

Steven Bareton (25) aus dem Stadtteil Aue sagt: "Es wäre schön, wenn sich der Stadtrat etwas mehr für die Jugend einsetzt. Gerade die jungen Leute wissen nachmittags meist nicht wohin. So sitzen sie zuhause vor der Konsole oder vorm Fernseher." Ein anderes Thema, das ihm am Herzen liegt: die Vierbeiner. "Was ich mir gut vorstellen könnte, ist eine Hundespielwiese." (wend)

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