Einstige Panoramastrecke steht vor einer Renaissance

Der Bärenrundweg soll noch in diesem Frühjahr fertig sein. Wer Bernsbach umrunden will, läuft dann auch auf einem ehemaligen Bahndamm entlang. Eine Erweiterung in Richtung Wandermagnet Fuchsbrunnenbrücke ist geplant.

Lauter-Bernsbach.

Die "Panoramabahn" soll ihrem Namen wieder alle Ehre machen. Allerdings nicht wie einst für Zugpassagiere, sondern für Fußgänger und später vielleicht auch für Radfahrer. Der Ausblick ist wunderbar - bis weit ins Tal hinein reicht bei gutem Wetter der Blick. Nach ein paar Metern geht es in den Wald hinein. Teils knirschen die für ein Gleisbett typischen Steine noch unter den Schuhsohlen, obwohl die Schienen verschwunden sind und seit Jahrzehnten auf dem Abschnitt kein Zug mehr verkehrt. Geblieben sind diese kleinen Relikte der früheren Strecke dennoch. Ebenso wie die typische Mulde des Gleisbetts teils noch deutlich ins Auge fällt. Dieses Fleckchen Erde befindet sich oberhalb von Oberpfannenstiel.

Im Prinzip bildet es die Querfeldein-Verlängerung des Bonitzraumwegs in Richtung Lößnitz. Die Rede ist von einem rund zwei Kilometer langen Stück altem Bahndamm auf Lößnitzer Flur. Doch in der Muhme bestand daran kein Interesse. In Lauter-Bernsbach dagegen schon. "Wir haben der Deutsche Bahn Immobilien diesen Abschnitt für 6000 Euro abgekauft", bestätigt Bürgermeister Thomas Kunzmann (Freie Wähler).

Die Stadt will damit am liebsten gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. In erster Linie soll der alte Bahndamm den schon lange geplanten Bärenrundwanderweg endlich rund machen, sprich den Kreis schließen. Als Trampelpfad ist der Abschnitt bereits begehbar. Der gesamte Rundweg indes misst 13 Kilometer und trägt das Bernsbacher Wappentier im Namen. Bis Ausflügler auf dessen Spuren wandeln, ist allerdings noch viel Arbeit nötig. "Dennoch wollen wir im Frühjahr fertig sein", so Kunzmann.

Entlang der früheren Bahnstrecke von Zwönitz nach Scheibenberg - mit acht Viadukten beziehungsweise Brücken - herrschte bis Ende der 1940er-Jahre Fahrbetrieb. Der erste Zug verkehrte am 11. Dezember 1899 als Testfahrt vor der offiziellen Eröffnung 1900. Vier Personenzüge waren pro Tag in beide Richtungen unterwegs. Ab August 1947 wurde der 26,23 Kilometer lange Gleiskörper der Aussichtsbahn, deren Streckenführung unter Kennern als "schönste und spektakulärste im Erzgebirge" galt, als Kriegs-Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert. Versuche, den Rückbau zu verhindern, scheiterten. Sie führten lediglich dazu, dass der Abschnitt von Elterlein bis Scheibenberg noch bis 1965/1966 betrieben wurde.

"Für unsere Zwecke müssen wir die rund zwei Kilometer nun aufforsten und für Wanderer herrichten. Da gibt es viel zu tun", sagt Thomas Kunzmann. Immerhin hat sich auch auf dem besagten Abschnitt zwischen Kilometer 5,85 und 7,15 seit rund 60 Jahren nichts getan, konnte der Wald nach Belieben wachsen. Lohnen wird sich der Aufwand nicht nur mit Blick auf den Bärenrundweg, für den die Kommune aus dem Leader-Programm für ländliche Entwicklung rund 42.000 Euro Fördermittel bekommt. Das sind 75 Prozent der Gesamtsumme. "Wir planen perspektivisch auch die Erweiterung Richtung Lößnitz und Zwönitz bis zur Fuchsbrunnenbrücke", blickt Kunzmann voraus.

Auch dieses markante Bauwerk überquerte die "Panoramabahn" einst auf dem Abschnitt von Zwönitz nach Bernsbach - und es zieht Ausflügler noch heute fast magisch für Schnappschüsse an. "Wir haben uns als Kommune den Städten Zwönitz und Lößnitz mit Blick auf dieses Projekt angeschlossen, wollen das nach Kräften unterstützen", sagt Kunzmann. Gemeinsam soll die Sanierung vorangetrieben werden. "Eine Machbarkeitsstudie ist erfolgt." Allerdings sei die Instandsetzung der Brücke ohne Fördermittel nicht zu stemmen. "Zuletzt standen Kosten von einer knappen Million Euro im Raum", berichtet der Stadtchef. Und auch wenn das alles zunächst utopisch anmute, zahlen sich die Mühen aus, ist Kunzmann sicher. "Denn kriegen wir das hin, gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung attraktive Wander- und Radregion. Das wäre allein aus touristischer Sicht sehr wichtig."


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