Einstiges Küken fliegt nach 13 Jahren aus

Melanie Stieglat aus Schneeberg verlässt das Tanzprojekt Keen on Rhythm. Ein Verein, der mehr als nur Freizeit war.

Schneeberg.

"Geweint wird nicht", sind sich Katja Reichert, die Leiterin des Tanzprojektes Keen on Rhythm und ihr Schützling Melina Stieglat einig. Doch plötzlich halten beide inne. Katja Reichert dreht die Augen nach oben, um so zu verhindern, dass die Tränen rollen. Der Versuch ist wenig erfolgreich. Ihre Augen werden feucht, und auch Melina kämpft gegen ihre Emotionen. 13Jahre lang gehörte die heute 19-Jährige zum Schneeberger Tanzprojekt. Katja sei immer Trainerin gewesen und manchmal habe sie die Rolle einer zweiten Mutter übernommen. "Sie war Vertraute und Freundin", erzählt Melina. Reichert nickt: "Die Mädchen kommen auch mit ihren Sorgen und Ängsten zu mir." Liebeskummer, Probleme mit den Eltern oder in der Schule - die Trainerin hat vieles gehört: "Sie wissen, dass sie sich auf mich verlassen können und dass alles, was sie mir anvertrauen, auch bei mir bleibt."

Mit dem Auftritt bei der Las Vegas Show am Samstag, 19.30 Uhr im Kulturzentrum "Goldne Sonne" sagt Melina Stieglat der Bühne und damit den Showgirls des Vereins ade. Der Liebe wegen zieht sie nach Köln, wo sie ein Studium beginnt.

An ihr erstes Training im Jahr 2005 erinnert sie sich noch heute: "Mein Opa Gunter hat mich damals zu Katja gebracht", erzählt sie: "Ich sollte gleich mitmachen." Berührungsängste in der für sie neuen Gruppe hatte sie nicht. Ihren ersten Auftritt hatte sie als Cappuccino-Tasse.

Schon damals habe sie Melina überzeugt. "Sie konnte nicht nur tanzen, sondern brachte ganz viel Körpergefühl mit", sagt Reichert. Aufgrund ihrer Größe und ihrer Ausstrahlung habe sie im Tanzprojekt eine rasante Entwicklung genommen. Schon mit 13 Jahren wechselte sie zu den Showgirls. "Sie war damit immer das Küken", so Reichert. Dass sie sich selbst Türen zu höheren Aufgaben aufgestoßen hat, sei wichtig gewesen. So hatte die junge Frau ihre größte Krise, als sie sich bei den Jüngsten unterfordert fühlte. "Da wollte ich aufhören", sagt sie. Ihre Trainerin erkannte aber das Problem und telefonierte mit Melinas Mutter. "Wir waren uns sehr schnell einig", sagt Reichert und zog das Mädchen in die nächste Gruppe. Der frühe Wechsel zu den Showgirls stellte sich als richtiger Schritt heraus. Mit 13 Jahren allerdings war sie deutlich jünger als alle anderen Tänzerinnen. Reicherts feste Prinzipien halfen, nicht in Versuchung zu geraten. "Keine Tätowierung, kein Alkohol und selbst nach erfolgreichen Premieren von großen Programmen geht es bei uns früh zurück nach Hause oder ins Hotel", so die Leiterin. Melina kann das nur bestätigen und weiß, dass sie in ihrem Verein vieles mit auf den Weg bekommen hat, was ihr auch im weiteren Leben helfen wird. Und vielleicht führt der Weg wieder zurück ins Erzgebirge.

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