Elternratsmitglied fordert mehr Mitarbeit

Reiner Tennler engagiert sich seit Jahren für eine bessere Bildung an Schulen, vor allem für die Kleinsten. Dabei findet er klare Worte für den derzeitigen Zustand. Zu einem Thema lädt er zur Diskussion ein.

Annaberg-Buchholz.

Massiver Lehrermangel, immer mehr Unterrichtsausfall, ratlose Eltern: Beim Thema Schule sieht die Lage seit Jahren schlecht aus. Jüngstes Beispiel in der Region sind die mittlerweile behobenen Probleme an der Kleinrückerswalder Grundschule. Weil dort viele Lehrer fehlten, fand in einigen Klassen über Wochen und Monate kaum noch regulärer Unterricht statt. Die Eltern schlugen öffentlichkeitswirksam Alarm, luden Medienvertreter, bildungspolitische Sprecher, Politiker zu ihren Sitzungen ein. Auch Reiner Tennler saß bei diesen Treffen mit am Tisch.

Der Annaberg-Buchholzer arbeitet im Kreiselternrat mit und wurde darüber an den Landeselternrat für den Grundschulausschuss delegiert. Da er selbst einen Sohn im Grundschulalter hat, setzt er sich in seiner ehrenamtlichen Arbeit vor allem für diese Schulform ein. Vor Kurzem wurde er zum Vorsitzenden des Landeselternrat-Ausschusses für Grundschulen gewählt. Ein Amt, was seiner Meinung nach kaum noch ehrenamtlich zu machen ist. Es gebe viel zu viele Probleme und Bedarf, sagt Tennler. Das nur in seiner Freizeit zu bewerkstelligen, sei sehr schwierig. Doch nicht nur das. In seinen Augen herrscht auch ein Demokratiedefizit. "Mehr Bürger müssen sich um die Probleme in der Gesellschaft kümmern, aktiv werden." Das fange auch beim Thema Schule an. Tennler ist sich sicher, dass der Lehrermangel auch weiterhin bestehen wird, trotz Seiteneinsteiger. In den kommenden Jahren würden unzählige Pädagogen in den Ruhestand gehen. Doch der Lehrermangel ist aus Sicht des Elternrats nicht das einzige Problem. Auch die technische Revolution mit alle ihren Facetten spiele in den Schulen kaum eine Rolle. "Es reicht nicht, einfach nur einen Computer hinzustellen." Ginge es nach ihm, müsste das Bildungssystem komplett neu aufgestellt werden. "Noch nie gab es so viele Möglichkeiten." Viele Freie Schulen würden dies vormachen, nichtsdestotrotz ist Tennler ein Verfechter staatlicher Schulen.


Um wirklich etwas zu ändern, braucht Schule im Gesamten eine Lobby. Doch die gebe es nicht wirklich. Für viele Eltern sei das Thema solange interessant, wie die Kinder in die Schule gehen. Danach ebbt das Interesse verständlicherweise wieder ab, da die Betroffenheit fehlt. Bei der Wirtschaft wiederum sei es umgekehrt. Da setzt laut Tennler das Interesse an der Bildung der Schüler erst dann an, wenn die potenziellen neuen Mitarbeiter und Auszubildenden vor der Tür stehen. Auch von dieser Seite wünscht sich der Erzgebirger mehr Unterstützung.

Das zeige sich auch am geringen Interesse, in Gremien wie dem Landeselternrat mitzuarbeiten. Eine Hürde dabei sei, dass man bisher erst Schulelternsprecher sein muss, um Mitglied werden zu können. Doch vielen fehlt einfach die Zeit, sich auf mehreren Ebenen zu beteiligen. Reiner Tennler versucht dies. Er ist im Elternrat der Schule seines Sohnes, im Kreiselternrat und im Landeselternrat. Das heißt aber auch, dass viele Termine anstehen. Das schrecke ab. Zudem hat er in Gesprächen mit anderen Eltern mitbekommen, dass sich viele mit den Problemen allein gelassen fühlen. Zudem mache es Mühe, sich das notwendige Hintergrundwissen anzueignen. Forderungen auf Landesebene oder bei der Bildungsagentur durchzusetzen, sei schwierig. "Demokratie lebt von der Beteiligung." Doch im ländlichen Raum, wo die Wege zwischen den einzelnen Orten weit sind, fehle ein geschlossenes Auftreten.

Ein Thema, das ihn bewegt, ist Inklusion. Aus seiner Sicht sehr wichtig und positiv, wenn die Schulen auch entsprechend ausgestattet werden. Doch da hegt Tennler Zweifel. Um die Problematik mit anderen zu diskutieren, lädt der Kreiselternrat Erzgebirge am 8. Mai zu einem Kinobesuch mit anschließender Podiumsdiskussion ein. Gezeigt wird die Langzeitdokumentation "Ich. Du. Inklusion". Der Film gibt ganz konkret Einblick in die Thematik.

Der Film "Ich. Du. Inklusion" wird am 8. Mai im Gloria Filmpalast in Annaberg-Buchholz gezeigt. Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion statt. Los geht es 18 Uhr. Der Eintritt kostet 7,50 Euro.

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