Erhebendes im Kirchenschiff: Gott hört lächelnd mit

Die Heilige Cäcilia, Schutzpatronin der Kirchenmusik, stand im Mittelpunkt eines großen Konzerts mit Solisten, Chor und Orchester in der Kirche St. Wolfgang. Franz Schuberts 3. Sinfonie wurde ein Opfer der Akustik.

Schneeberg.

Wenn es so im Himmel klingt, kann man die Auferstehung befürworten. Die "Cäcilienmesse" (1855) von Charles Gounod stieg erhaben und erhebend ins Kirchenschiff von St. Wolfgang in Schneeberg. Die Kantorei St. Wolfgang mit Gästen sowie die Erzgebirgische Philharmonie waren die Akteure dieses Festes. Vor dem Orchester stand Kantor Alexander Ploß.

Im Gegensatz zur Hitze draußen war die Kirche angenehm temperiert. Nach dem machtvollen "Kyrie" (Herr, erbarme dich) mit allen Mitwirkenden wurde es dann mit dem "Gloria" in einem Maße feierlich, wie man es selten hört. Über dem Klang von Chor und Orchester erhob sich fast wie eine übernatürliche Erscheinung eine strahlende Stimme. Die renommierte Sopranistin Jana Büchner, einst an der Oper Chemnitz stürmisch gefeiert, sang das "Ehre sei Gott in der Höhe" mit der vollen Kraft der Überzeugung dessen, was sie da sang.


Zu einem wuchtigen Block wurde das ausgedehnte "Credo" (Bekenntnis), ein marschierender Aufbruch, den nichts aufhalten kann. Charles Gounods genialer Landsmann Hector Berlioz hat Ähnliches geschrieben. Eine Besonderheit dieser Messe ist das "Offertoire" (Gabendarbringung), ein langsamer, rein instrumentaler Satz. Diese zerbrechliche Musik entfaltete über die Holzbläser mildes Licht und ist ideal für die Akustik von St. Wolfgang.

Der junge lyrische Tenor Christoph Pfaller war der Solist im "Sanctus" (Heilig). Seine jugendlich strahlende, sicher geführte Stimme gab diesem Satz besonderen Glanz, der eine Pracht entfaltete, die Gustav Mahlers gewaltiger "Auferstehungssinfonie" (Nr. 2 c-moll) nahekam. Christoph Pfaller war Thomaner und wurde vom erstklassigen Kammersänger Martin Petzold unterrichtet. Als Oratoriensänger hat er einen Namen. Zum Solistenensemble gehörte der gleichrangig singende ungarische Bassist László Varga, Sänger am Annaberger Eduard-von-Winterstein-Theater.

Der Komponist der Messe, Charles Gounod, hat das internationale Repertoire bereichert mit seiner Oper "Faust" (in der DDR "Margarete"). 2007 hatte die Erzgebirgische Philharmonie mit den Regensburger Domspatzen beim Label "Querstand" die "Cäcilienmesse" in hoher Qualität eingespielt. Der Bayerische Rundfunk zeichnete die Generalprobe auf.

Begonnen hatte das Konzert mit der Sinfonie Nr. 3 D-Dur (DV 200) von Franz Schubert. Wird der Name genannt, denkt man zuerst an die "Unvollendete" und an die Große Sinfonie in C-Dur. Die sechs frühen Sinfonien des Österreichers sind viel mehr als nur Vorstudien. Die 3. Sinfonie wurde aber zum akustischen Problemfall. In einem extrem nachhallenden Kirchenraum wie dem von St. Wolfgang besteht die Gefahr, dass so ein leichtgewichtiges Werk ins Monumentale verfälscht wird und Kontur verliert - auch wenn die Wiedergabe so gut ist wie bei Kantor Alexander Ploß. Der 1. Satz verwirbelte immer wieder bis zur Unkenntlichkeit im störenden Nebenschall. Gut durchhörbar kam der idyllische Mittelteil des 2. Satzes (Allegretto) zur Entfaltung. Das trifft auch auf den innigen Wiener Ländler Mitte des 3. Satzes zu. Der wirbelige Finalsatz wurde stilfremd von zu donnernden Forteschlägen gestört. Solche Musik ist etwas für die kleinere Hospitalkirche in Schneeberg. Für St. Wolfgang gilt die Regel: Immer schön langsam!

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...