Erinnerungen erfreuen das Publikum

Gala "Kleiner Mann - ganz groß" zum 20. Todestag des Heimatdichters, Mundartsprechers, Malers und Spaßvogels Werner Kempf in der "Goldnen Sonne". Dabei gab es viel zu Lachen.

Schneeberg.

Er war nur knapp einen anderthalben Meter groß, wenn er also Beachtung finden wollte, musste er etwas Besonderes werden. Wer ihn hat reden hören, vergisst seine demonstrativ Aufmerksamkeit fordernden Gesten nicht. Vor zwanzig Jahren ist Werner Kempf (1925-1999) gestorben, das nahm das Kulturzentrum "Goldne Sonne" zum Anlass, am Sonntag an den humorvollen Ehrenbürger der Stadt Schneeberg zu erinnern.

Einen "Kempf-Klassiker" nannte Moderator Rudolf Sack den Sketch über die krachlederne Pauline Meier aus Neustädtel, die einen verschnarchten Finanzbeamten in Dresden zur Weißglut treibt. Das Gelächter des Publikums nahm kein Ende über Bärbel Ahnis, die die laute Pauline spielte. Pauline droht so lange, bis sie von der Sekretärin (Gabi Georgi) zu einem "Geheimen Rat des Finanzministers" (Peter Anger) vorgelassen wird. Sie verlangt lautstark eine Darlehensgenehmigung, "das Papierle", für eine zusammengefaulte Abortanlage. Ihr Mann sei kriegsversehrt und habe Anspruch. Als der "Geheime Rat" auf den üblichen langen Dienstweg verweist, breitet Pauline ihre Kamelhaardecke aus, zeigt ihren Proviant vor und geht auf unabsehbare Zeit in Wartestellung. Als das nicht hilft, schreit sie: "In 14 Tagen ist Wahl! Hier sitz ich, hier bin ich. Ich schrei und bläk, dass ganz Dresden rebellisch wird!" Sie erhält widerwillig einen geschlossen Brief, den verlangt sie jedoch zu lesen, da sie nicht ihren eigenen Haftbefehl überbringen will. Pauline Meier zieht zuletzt solide finanziert als Siegerin davon.


Neben dem Eingang zum Saal der "Goldnen Sonne" stand ein lebensgroßes Abbild des Neustädtler Originals. Auf einer Leinwand waren Fotos aus dem Leben von Werner Kempf zu sehen, aus der Schulzeit, mit seiner Frau Hanni sowie von Auftritten mit den "Filzteichmaad". Mit-Moderator Steffen Hergert las parodierend Geschichten und Gedichte von Werner Kempf in dessen Sprechweise. Das Landesbergmusikkorps unter der Leitung von Jens Bretschneider spielte Bergmännisches, der Singkreis Neustädtel sang anrührend Anton Günthers "Bild dir nischt ei!"

Besondere Auftritte hatten zum Beispiel junge Künstler aus der Oberschule Bergstadt Schneeberg mit einem aufwendig kostümierten "Marktspiel". Da kamen die Butter- und Quarkhändlerin aus Weißbach, der Klempner aus Beierfeld, eine Kirchberger Tuchhändlerin. Ein Fischhändler meinte über seine Fische: "Gestern war'n se noch e bissel nasser". Eine kleine Schmugglerin aus Tschechien bereicherte illegal das Handelsgeschehen, ein weiterer Geschäftstüchtiger bot Schlüpfergummi und Rattengift. Und alle riefen: "Leute, kaaft, kaaft, kaaft!" Kempf hatte einst für das Kinderhaus Neustädtel die Szene "Bergquartal" geschrieben. Die Hortkinder stellten in Trachten bergmännische Berufe vor, vom Steiger bis zu den Handwerkern: "Und der Steiger trägt stolz sein helles Licht." Zwischendurch spielte das Landesbergmusikkorps, zuletzt verließen die Kinder, von begeistertem Beifall begleitet, die Bühne durch den Saal.

Das Leben Neustädtler Originals war reich an Wendungen. Bereits als Schüler lernte er schnitzen. Der Kriegsdienst blieb ihm wegen seiner Körpergröße erspart. Mit den "Filzteichmaad" und den "Zschorlauer Nachtigallen" hatte der gelernte Formgestalter seine ersten Auftritte. Er zeichnete, schuf viele Aquarelle mit Heimat-Motiven, publizierte humorvolle Gedichte und Geschichten, die er als Mundartsprecher vortrug. Verliehen wurden ihm der Kunstpreis des Bezirkes Karl-Marx-Stadt und die Verdienstmedaille der DDR, an der Gründung des Erzgebirgsensembles wirkte er mit.

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