Ermittlungen zu Straftaten in Schwarzenberg laufen ins Leere

Weder die Messerattacke auf eine 14-Jährige noch der Fall einer aufgehängten braunen Puppe in der Stadt konnten aufgeklärt werden. Dennoch sorgen die Ereignisse weiterhin für Schlagzeilen.

Schwarzenberg.

Eine braune Puppe hängt am Eisenbahnviadukt. Geschehen ist dies am 29. Juni 2018. Nur Stunden später findet ein Konzert des rechtsgerichteten Vereins Freigeist statt. Wenige Tage zuvor ist ein 14-jähriges Mädchen nach eigener Aussage kurz vor Mitternacht am Raschauer Weg von einem Mann mit einem Messer angegriffen und verletzt worden. Sie beschreibt den Täter als "südländischen Typs". Die Polizei nimmt in beiden Fällen Anzeigen auf und ermittelt.

Lange Zeit halten sich die Ermittler bedeckt. Auskünfte: Fehlanzeige. Nun aber sind die Ermittlungen abgeschlossen, beide Akten der Staatsanwaltschaft übergeben. Doch zu einer Anklage wird es nicht kommen. "Beide Verfahren wurden im August 2018 eingestellt, da in keinem der Fälle ein Täter ermittelt werden konnte", teilt jetzt eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Chemnitz auf Nachfrage mit.

"Ich bin fassungslos", sagt Wenke Fritzsch, die Mutter der 14-Jährigen. Sie erfährt erst durch "Freie Presse" von der Einstellung des Verfahrens. "Meiner Tochter sind einmal durch die Polizei Bilder vorgelegt worden. Aber sie hat niemanden darauf erkannt", berichtet die Mutter. Doch so ein Vorfall verändere das ganze Leben, betont sie. "Ich fahre meine Tochter jetzt jeden Tag zur Schule und hole sie wieder ab."

"Das ist unbefriedigend, dass die beiden Fälle nicht aufgeklärt werden konnten", kommentiert Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU) das Ergebnis der Untersuchungen. Schließlich habe das Geschehen deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt. "Mich ärgert aber, dass da oft vieles miteinander vermischt wird und so ein völlig falsches Bild von Schwarzenberg entsteht." Damit nimmt sie Bezug auf einen vor wenigen Tagen in der Zeitung "Die Zeit" unter der Überschrift "Was ist los in Schwarzenberg?" erschienenen Artikel, in dem erneut von Rechtsradikalen in der Stadt die Rede ist. "Man hat das Gefühl, die wollen uns, und damit meine ich das ganze Erzgebirge, in die braune Ecke stellen", ärgert sich Hiemer. Die Autorin des Beitrags, Milena Hassenkamp, dazu gestern: "Es war in keiner Weise von mir gewollt, solche Assoziationen zu erwecken."

Schon in einer ersten Veröffentlichung auf "Zeit online" im Juli hieß es: "Seit 2013 hat die NPD auf den Straßen von Schwarzenberg im Erzgebirge das Sagen." - "Das ist einfach Blödsinn", kontert Hiemer. Natürlich gebe es auch hier Menschen, die eine andere politische Auffassung haben und radikal denken. Aber das Bild, das seither von Schwarzenberg in der überregionalen Presse gezeichnet werde, entbehre an vielen Stellen jeglicher Grundlage, meint die CDU-Politikerin. Richtig sei, dass die Stadt jenen vom rechtsgerichteten Verein Freigeist angekündigten "Sommerabend" gern verhindert hätte. Doch der Landkreis habe die Durchführung des Konzerts auf dem Hammerparkplatz gestattet.

Dass man bezüglich der Puppe niemanden zu fassen bekam, sei ihr "fast klar" gewesen. Doch diesen Vorfall als Dummen-Jungen-Streich abzutun oder gar zu bagatellisieren, wäre ein Fehler, so Hiemer. "Wir dürfen es aber nicht zulassen, dass man uns Schwarzenberger alle und pauschal in die rechte Ecke stellt."

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