Erste Siedlung im Erzgebirge legt ihre Hausbrunnen still

Acht Häuser in Stützengrün haben Trinkwasseranschlüsse erhalten, was noch vor Kurzem als zu teuer galt. Dass das Projekt bezahlbar wurde, ist auch der Initiative der Betroffenen zu verdanken.

Stützengrün.

Das ist er also, der Brunnen, mit dem diese Geschichte anfing. Ein Betonschacht auf dem Hinteren Hübel in Stützengrün, der vier Meter in die Erde reicht. Von hier hat Familie Queck jahrzehntelang ihr Trinkwasser bezogen. Waschen, Kochen, Toilettenspülung. Gespeist wurde der Hausbrunnen durch Niederschläge. In guten Monaten stand das Wasser 3,50 Meter hoch. Vor einem Jahr waren es kaum 20 Zentimeter. "Die Pumpe zog Luft", erzählt Bernd Queck. Er ging zu den Nachbarn und sagte: "Mein Brunnen ist leer. Wie sieht es bei euch aus?"

Sieben anderen Familien auf dem Hinteren Hübel erging es nicht besser. Nach der langen Dürre im Sommer 2018, die bis in den Herbst anhielt, waren ihre Hausbrunnen fast trocken. Wäschewaschen erledigten manche bei Freunden, Duschen auf der Arbeit. Aus dieser Notlage ist eine Bürgerinitiative entstanden, deren Beispiel mit dazu beigetragen hat, dass es in Sachsen heute ein Förderprogramm für sogenannte Brunnendörfer gibt: Weil der Bau von Wasserleitungen zu abseits gelegenen Höfen als zu teuer galt, bauten die Versorger in der Vergangenheit nicht. Seit Mai 2019 zahlt der Freistaat einen Zuschuss in Höhe von 65 Prozent - höchstens aber 20.000 Euro - pro Anschluss. Auf dem Hinteren Hübel in Stützengrün konnten die Bürger dadurch ihren Hausbrunnen ade sagen. Seit Ende Oktober sind ihre Grundstücke ans öffentliche Netz angeschlossen. Am Mittwoch wurde mit einem Glas Sekt angestoßen. Es ist die erste Brunnensiedlung im Erzgebirge, vermutlich aber in ganz Sachsen, die dank des Förderprogramms Trinkwasseranschlüsse bekommen hat.

"Das hier war zwar nur eine kleine Baustelle, für uns als Verband spielte sie aber eine ganz große Rolle", sagte Frank Kippig, Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW). Nachdem die Betroffenen aus Stützengrün zusammen mit ihrem Bürgermeister Volkmar Viehweg (CDU) bei Kippig vorstellig geworden waren, bemühten sie sich gemeinsam um eine Lösung. Unterstützt wurden sie von den damaligen Landtagsabgeordneten Thomas Colditz (CDU) und Simone Lang (SPD). Da praktisch ganz Sachsen mit dem Problem austrocknender Hausbrunnen kämpfte, kam im Frühjahr das Förderprogramm zustande. Die Bürger aus Stützengrün und der ZWW gehörten zu den Tempomachern.

"Positiv aufgenommen wurde in Dresden, dass die Leute bereit waren, einen Teil der Kosten zu tragen", erinnert sich Kippig. "Ich habe damals gesagt: Ja, eine Bürgerinitiative ist nichts Schlimmes." Mit 2000 Euro pro Grundstück wollten sich die Betroffenen am Bau der 125 Meter langen Wasserleitung beteiligen. Dank der Fördermittel werden es jetzt nur 875 Euro. Das funktioniert freilich nicht überall so gut. Bürgermeister Viehweg sprach von drei bis vier weiteren Problemfällen in Stützengrün, für die ein Anschluss noch immer zu teuer sei. Aufgrund des Klimawandels ist der Abschied vom Hausbrunnen aber ein wichtiges Thema. Als Nächstes will der ZWW im Bereich Külliggut in Johanngeorgenstadt bauen. Projekte in Dittersdorf und Burgstädtel werden derzeit mit den Bürgern verhandelt.

Die Bürger vom Hübel sind zufrieden. "Das Wasser ist besser als das aus dem Brunnen", sagt Bernd Queck. "Zieht man die Spülung, denkt man: Oje, das gute Zeug." In seinem Hausbrunnen steht das Wasser derzeit bei gut einem Meter. Es dient künftig zum Blumengießen.

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