Erster Waldfriedhof in der Region öffnet bis Sommer

In Lauter-Bernsbach kann ab Mitte des Jahres eine ungewöhnliche Ruhestätte genutzt werden. Die Nachfrage ist schon jetzt groß - sogar einige Urnen von Verstorbenen stehen für die Beisetzung bereit.

Lauter-Bernsbach.

Wer eine letzte Ruhestätte im Wald statt auf dem Friedhof sucht, der findet in Kürze in Oberpfannenstiel einen geeigneten Platz. Der Stadtrat von Lauter-Bernsbach hat jetzt Satzung und Nutzungsvertrag für den Waldfriedhof Erzgebirge als ersten seiner Art mehrheitlich zugestimmt. Spätestens ab Mitte des Jahres können Urnen an ausgesuchten Bäumen im Waldboden beigesetzt werden.

Die Mindestruhezeit soll 20 Jahre betragen. So sieht es die Satzung vor. In einem halben Meter Tiefe stehen dann die Urnen, die vom Material her biologisch abbaubar sein müssen. Um die Grabstätten im Wurzelwerk der Bäume wiederfinden zu können, werden diese mit schlichten Markierungen oder Namensschildern versehen und mit einer Registriernummer über GPS-Daten erfasst, die der Betreiber den Hinterbliebenen mitteilt.

Sascha Aurich

Aurichs Woche:Der „Freie Presse“-Sonntagsnewsletter von Sascha Aurich

kostenlos bestellen

Rein äußerlich bleiben die Grabstellen, die von jedem schon zu Lebzeiten ausgesucht werden können, über der Erde völlig naturbelassen - jede Form des Schmucks und der besonderen Pflege ist untersagt. Nur so, sagt die Satzung, könne der Charakter eines Waldfriedhofs bestehen bleiben. Die Stadt Lauter-Bernsbach als Trägerin des Friedhofs - so schreibt es das Gesetz vor - hat mit Eigentümer des Waldstückes aus Schleiz (Thüringen) eine Nutzungsdauer von mindestens 99 Jahren vereinbart.

Obwohl es den Friedhof noch gar nicht gibt, ist die Liste der Interessenten bereits lang. Teils warten Leute schon jetzt auf die Eröffnung, um ihre verstorbenen Angehörigen bestatten zu können. "Ein halbes Jahr dürfen Urnen beim Bestatter aufbewahrt werden", sagt Thomas Kunzmann (Freie Wähler). Der Bürgermeister von Lauter-Bernsbach sieht den Waldfriedhof als Bereicherung. "Es scheint ein Trend zu sein."

Drei Arten von Grabstellen sind in Oberpfannenstiel vorgesehen: für Familien und Freundeskreise, für Partner und Ehepartner sowie Einzelgrabstellen. Die Zahl der Urnen in einer Grabstätte richtet sich nach der Größe dieser, maximal aber sind zwölf Urnen erlaubt. Öffnungszeiten kennt der Waldfriedhof mit Nadel- und Laubbäumen keine. Er bleibt weiterhin für jedermann zugänglich - sofern sich Besucher angemessen verhalten. Sprich Lärm und Müllablage, das Befahren des Areals mit Fahrzeugen aller Art, Ruhestörung und dergleichen sind verboten. Ordnungswidrigkeiten können mit Geldbußen von bis zu 1000 Euro geahndet werden.

Vor rund zwölf Jahren erwarb der Betreiber in Oberpfannenstiel ein 17 Hektar großes Waldstück als Familienvermögen, davon werden nun fünf Hektar zur letzten Ruhestätte für Naturliebhaber. Die Form der alternativen Bestattung im Gegensatz zur letzten Ruhe auf dem Gottesacker hat viele Befürworter, aber auch Kritiker. Letzteren trägt die Kommune als Trägerin mit einer Gewinnbeteiligung ein Stück weit Rechnung, die mit dem Eigentümer vereinbart wurde. Diese Summe fließt laut Kunzmann in den Erhalt und in die Pflege vorhandener Friedhöfe in Lauter-Bernsbach, weil das finanziell immer schwerer fällt.

Bundesweit gibt es rund 100 Bestattungswälder, unter anderem in Callenberg bei Chemnitz. Beispiel für durchschnittliche Kosten: Ein Familienbaum mit bis zu zehn Grabstellen kostet für eine Laufzeit von 60 Jahren 4400 Euro.

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 3 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...