Erzgebirger für Telefonterror zu 1800 Euro Strafe verurteilt

Bis zu 226-mal pro Tag hat ein Mann seine Ex-Freundin angerufen. Er habe dies aus Sorge um den gemeinsamen Sohn getan. Das Amtsgericht sah das etwas anders.

Aue.

Diese Anrufe wurden richtig teuer. Das Amtsgericht Aue hat einen Erzgebirger zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt. Bis zu 226-mal pro Tag hatte der 35-Jährige an insgesamt sieben Tagen seine ehemalige Freundin auf dem Handy angeklingelt. Obwohl es nach Aussage des Angeklagten um das Wohl des gemeinsamen Kindes gegangen sei, wurde er wegen Nachstellung und des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz verurteilt.

"Die Menge war mir gar nicht bewusst", sagte der Büroangestellte zu dem Vorwurf der insgesamt 439 Anrufversuche auf dem Handy seiner Ex. "Ich will, dass wir unseren Sohn gemeinsam erziehen. Doch ich war mit ihren kurzen Antworten nicht zufrieden", erklärte der Erzgebirger. "Zudem war auch Frustabbau dabei", gestand er vor Gericht.

Bis Oktober 2016 war er mit der Mutter seines Sohnes zusammen. Dann ging die Beziehung in die Brüche. "Ich kam mit der Trennung nicht klar. Denn dem gemeinsamen Kind fehlt eine Familie", sagte der 35-Jährige. Derzeit teilen sich der Vater und die Mutter abwechselnd in die Betreuung des Sohnes im Vorschulalter.

Zu den vielen Anrufen sei es gekommen, nachdem der Kleine im Juni dieses Jahres zur Übernachtung bei seinem Vater abgegeben wurde. "Er hatte noch Hunger. Also gab ich ihm etwas zu essen und machte ein Foto und schickte es der Mutter." Daraufhin sei herausgekommen, dass der Sohn bei ihr nichts essen wollte und versucht habe, sie zu schlagen. "So etwas müsse man doch sofort unterbinden", erklärte der Erzgebirger seinen Ärger. Auch das nächtliche Einnässen des Sohnes gehe ihm sehr nahe. "Ich musste mehrfach das Bettzeug wechseln." Zudem sei er nicht einverstanden gewesen, dass die Mutter einen Termin bei einem Urologen nicht wahrgenommen habe. Die zahlreichen Anrufe konnte auch ein zwischenzeitlich geschlossener Vergleich vor dem Familiengericht nicht stoppen. Auch danach rief er an mehreren Tagen wieder vermehrt bei seiner Ex an. Derzeit soll dies nicht mehr der Fall sein. "Ich schreibe ihr Nachrichten auf ihr Handy, wenn es um Absprachen mit dem Sohn geht."

Da der Angeklagte geständig war, brauchte die Kindsmutter nicht vor Gericht aussagen. Das kam dem Erzgebirger in der Strafbemessung zugute. "Ich kann ihre Sorgen verstehen, aber es muss im Rahmen bleiben. Die Vielzahl der Anrufe habe die Frau beeinträchtigt", sagte Richter Christian Weiß in seiner Urteilsbegründung. Er war bei der Geldstrafe um 300 Euro unter der Forderung der Staatsanwaltschaft geblieben. Dem Angeklagten empfahl er zudem ein Gespräch mit seiner Ex-Freundin bei einem Familientherapeuten, um die Erziehungsfragen zu klären.

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