Erzgebirger sorgen für Dreh der Zahnbürsten

Rund zwölf Millionen Euro hat die Kabel- Konfektionstechnik GmbH in Sehma seit 2012 in ihren Standort im Erzgebirge investiert. Und damit sogar den übermächtigen Chinesen den Zahn gezogen.

Sehma.

Elektrische Zahnbürsten sind mittlerweile wohl aus keinem Haushalt mehr wegzudenken. Die Namen der Produzenten sind meist bekannt. Doch in Schwung kommen die kleinen Gesundheitshelfer erst durch ein Unternehmen im erzgebirgischen Sehmatal. In der Unger Kabel-Konfektionstechnik GmbH werden momentan Anschlussleitungen samt Stecker für rund neun Millionen elektrische Zahnbürsten produziert. "Das sind fast alle in Deutschland", sagt Vertriebsleiterin Anne Männel. Ein Auftrag - darauf ist sie besonders stolz - der im Vorjahr von den Chinesen zurückgewonnen werden konnte.

Schon im nächsten Jahr sollen es doppelt so viele werden, heißt es. Dann will das 1998 gegründete Unternehmen zwei neue Fertigungslinien in Chemnitz in Betrieb nehmen, die erste soll noch in diesem Jahr aufgebaut werden. Ein Werk dafür ist bereits gekauft - unmittelbar neben der Siemens-Ansiedlung in Autobahnnähe, sagt Anne Männel. Sie spricht von 20 bis 30 neuen Arbeitsplätzen, die in Chemnitz geplant sind.

Etwa 5000 Quadratmeter Produktionsfläche kommen dann noch einmal zum Stammsitz an traditionsreicher Stelle im Sehmatal dazu. Dort wurde die Küttnerfabrik, in der einst Kunstseide produziert wurde, umgestaltet und gehört seit 2002 zum Firmensitz. Seither stetig gewachsen, beschäftigt der Kabel-Konfektionierer gegenwärtig 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und entwickelte sich zu einem der größten Arbeitgeber im Ort. Erwirtschaftet werde nach Angaben von Anne Männel ein Jahresumsatz von annähernd 30 Millionen Euro.

Doch auf den Fertigungslinien in Sehma entstehen nicht nur die Anschlussleitungen für elektrische Zahnbürsten - die es übrigens nicht nur als Europavariante gibt, sondern auch mit jeweils landestypischen Steckern für England, Brasilien, Korea und die USA zum Beispiel. Netzleitungen und Stecker werden auch für viele andere Haushaltsgeräte namhafter Hersteller produziert und zum großen Teil auch selbst entwickelt.

Seit 2011 gibt es im Unternehmen dafür eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, berichtet die Vertriebsleiterin. Dort sind sieben Mitarbeiter nicht nur mit den Wünschen der Kunden in aller Welt beschäftigt, sondern auch mit der Entwicklung im eigenen Haus. "Unser Anspruch ist es, so viel wie möglich zu automatisieren, um im Wettbewerb standhalten zu können", sagt Anne Männel. Denn als Unternehmen habe man sich bewusst dafür entschieden, in der Region zu bleiben. "Ein Umzug nach Tschechien beispielsweise stand nie zur Debatte." Also wird auch das neue Hochregallager, das gegenwärtig in Sehma errichtet wird, vollautomatisch arbeiten - "ganz ohne Menschen, nur mit Robotern".

Eine Entwicklung, die mittlerweile weit über die Grenzen des Erzgebirges hinaus für Aufsehen sorgt. Denn die Unger Kabel-Konfektionstechnik ist für den Großen Preis des Mittelstandes nominiert. Dabei haben es von 4800 vorgeschlagenen Betrieben in Deutschland gerade mal 800 ins Finale geschafft - darunter die Sehmataler. Vergeben wird der Preis im September.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...