Erzgebirgerin verleiht Bier den richtigen Geschmack

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Marie-Luise Mauersberger ist die wahrscheinlich einzige Braumeisterin aus dem Erzgebirge - zumindest bald. Nun will sie mit ihrem Wissen helfen, einer Traditionsmarke frischen Wind einzuhauchen.

Arnsfeld/Großrückerswalde.

Sie kennt sich besser aus mit dem beliebtesten alkoholischen Getränk der Deutschen als die meisten Männer. Schließlich hat Marie-Luise Mauersberger den Beruf Brauer und Melzer von der Pike auf gelernt. Nun hat die Arnsfelderin auch mit Bravour ihre Meisterprüfung bestanden. Doch wie kommt die wahrscheinlich einzige Braumeisterin aus dem Erzgebirge zu einem für Frauen doch ungewöhnlichen Job?

"Die Frauenquote ist schon sehr niedrig, liegt so bei zehn Prozent", sagt die 29-Jährige, die bereits als Kind handwerklich sehr begabt war. "Mein Großvater hatte einen Kfz-Betrieb. Dort und auch zuhause habe ich immer mit angepackt", erinnert sich Marie-Luise Mauersberger. In ihrer Zeit als Chemie-Studentin arbeitete sie sogar in der Baubranche auf Montage, um sich etwas dazuzuverdienen. Stein des Anstoßes, schließlich doch das Studium zu schmeißen und einen Handwerksberuf zu erlernen, war letztlich aber ein Braukurs in einem Gasthaus in Chemnitz, den sie gemeinsam mit ihren Freunden besuchte. "Der Chef dort sagte, dass er einen Azubi sucht. Und meine Kumpels meinten, das wäre was für mich", erzählt die Erzgebirgerin, die anschließend 2013 bei dem Betrieb in Lehre ging.

Man müsse Bier schon selbst mögen, sonst funktioniere es nicht. Was Marie-Luise Mauersberger an ihrem Job aber besonders schätzt, sei die Vielseitigkeit und das Handwerkliche. "Rohstoffe, Agrarwirtschaft, Prozesstechnik, Chemie, Biochemie und Mikrobiologie: Es gibt wenige Berufe, die so viele Bereiche berühren", schwärmt die 29-Jährige. In der kleinen Gasthausbrauerei musste sie beim Brauprozess noch richtig anpacken, das Malz mit einer Schrotmühle schroten oder auch die Maische händig herstellen. "Man fühlt es, schmeckt es, riecht es, ob man sich an die Rezeptur gehalten hat", sagt die Arnsfelderin. Mittlerweile ist sie für die Qualitätssicherung bei der Einsiedler Brauerei zuständig, entwickelt auch Neuheiten, ist aber allen voran mitverantwortlich, dass die Biersorte immer gleich schmeckt. Klingt einfach, ist es aber nicht. "Bier ist ein Naturprodukt. Die Rezeptur muss immer angepasst werden, da sich Rohstoffe verändern. Das kann schon an der Härte des verwendeten Wassers liegen", erläutert die ausgebildete Brauerin und Mälzerin, die seit 2019 berufsbegleitend Kurse besuchte und Fachbücher wälzte, um ihren Meister zu machen. Ihre Prüfungen hat sie bereits mit sehr gut bestanden. Es fehlen nur noch ein Ausbilder- und ein Betriebswirtschaftsschein, dann darf sie sich Braumeisterin nennen.

Eine besondere Leistung, denn Fakt ist: Bei der Industrie- und Handelskammer Chemnitz sind aktuell sechs aktiv ausbildende Firmen für den Beruf "Brauer und Mälzer" gelistet. Dazu befinden sich zwei Brauerinnen in der Ausbildung, sagt IHK-Sprecherin Kerstin Küpperbusch. Bei den 22 wiederum bei der Handwerkskammer Chemnitz geführten Betrieben tauchen nur zwei Brauerinnen auf, erklärt Sprecherin Romy Weisbach. Eine Meisterin sei daher schon etwas Seltenes.

Beruflich hat Marie-Luise Mauersberger mit dem Titel ihr großes Ziel erreicht. Und auch privat läuft es für sie nach Maß. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten wohnt sie im Elternhaus, gleich gegenüber wiederum die Großeltern. "Ich bin ein richtiger Familienmensch. Die Brauerei, meine Freunde und Familie - mehr benötige ich nicht." Allerdings will sich die 29-Jährige nun auch ehrenamtlich engagieren und mit ihrem Wissen helfen, einer Traditionsmarke frischen Wind einzuhauchen. Auf Initiative von Gemeinderat Tino Schott soll in Großrückerswalde ein Verein gegründet werden, um in der örtlichen Brauerei im Kultur- und Begegnungszentrum kontinuierlich eigenen Gerstensaft herzustellen. In dem ehemaligen Gasthof wurde früher das auch außerorts bekannte Hirschbräu gebraut. Marie-Luise Mauersberger soll mit ihrer Expertise für den richtigen Geschmack sorgen.

Und was hält die Expertin eigentlich von alkoholfreiem Gerstensaft? "Alkoholfreies kann man nicht mit Bier vergleichen, weil es schon allein geschmacklich ein völlig anderes Produkt ist."

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