Erzgebirgische Hilfswerker ziehen Strippen aus der Ferne

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Das alljährliche Benefizkonzert für das Erzgebirgische Hilfswerk Deutschland musste abgesagt werden. Diese Spenden werden fehlen, und doch fühlen sich die Helfer nicht vergessen.

Schwarzenberg.

Rund 6000 Euro hatte das Benefizkonzert im Januar 2020 an Spenden für das Erzgebirgische Hilfswerk Deutschland (EHD) erbracht. Immer am letzten Sonntag im Januar erklingt es in der St.-Georgen-Kirche in Schwarzenberg. Nur diesmal blieb es coronabedingt still.

"Das ist für uns als Verein natürlich bitter, denn der Bau des Kinderhauses in Onegag muss ja weiter gehen, ebenso die Arbeit im Waisenhaus von Botosani", sagt Eberhard Dürigen, der Vorsitzende des EHD. Doch er fügt hinzu, dass ein Blick aufs Spendenkonto gezeigt habe, dass einige treue Konzertbesucher den Verein und dessen Arbeit in Rumänien nicht vergessen haben. "Es sind dennoch einige Spenden eingegangen, was uns natürlich umso mehr freut", sagt Dürigen.

Unmittelbar nach dem Fall der Mauer 1989 haben die Mitglieder des Vereins um Eberhard Dürigen damit begonnen, den Ärmsten der Armen in Rumänien, nahe der Grenze zu Moldawien, zu helfen. Als eines der ersten Projekte entstand das kleine Waisenhaus in Botosani mit einer Physiotherapie. Und immer hatten die Erzgebirger auch die Altenheime und die Landbevölkerung im Blick. Etliche Hilfstransporte mit Sachspenden, medizintechnischem Gerät und natürlich auch ganz alltäglichen Dingen der Hilfe zur Selbsthilfe sind in den zurückliegenden mehr als 30 Jahren aus dem Erzgebirge in diese Region geschickt und gebracht worden. Die sonst von den Deutschen überbrachten Weihnachtsgeschenke für die Kinder habe diesmal der rumänische "Vertreter" von Ruprecht überbracht.

"Unseren Verein gibt es nunmehr 30 Jahre. Das Jubiläum der Gründung war im Oktober, doch pandemiebedingt konnten und wollten wir das gar nicht groß feiern", so der Vereinschef. Auch in Rumänien wüte derzeit das Virus. Pfarrer Stephan, der ein wichtiger Partner für das laufende Bauvorhaben des Kinderheims in Oneaga ist, sei schwer an Corona erkrankt, habe mehrere Wochen im Krankenhaus zugebracht und sei nur langsam auf dem Weg der Besserung. Ebenso habe es zahlreiche Bauarbeiter erwischt, zudem erschwere Quarantäne in vielen Bereichen das Vorankommen. Die gute Nachricht ist: "Der Rohbau steht, das Dach ist drauf", so Dürigen. Momentan ziehen die Hilfswerker die Strippen so gut es geht aus der Ferne. "Wir haben zum Glück so gute Kontakte zu unseren Dolmetschern, dass wir auch von hier aus per Telefon und E-Mail weitere Aufträge auslösen und notwendige Arbeiten koordinieren können", sagt Eberhard Dürigen, der sich selbst über Jahrzehnte als Bauprofi einen Namen gemacht hat. Doch wer ihn kennt, weiß auch, dass er vielmehr der Mann ist, der sich die Sache selbst und vor Ort ansehen und in der Praxis bewerten will. Insofern ist dieses "Steuern auf Distanz" keineswegs das, was ihn zufriedenstellt.

Aber die aktuelle Situation lässt auch ihm keine andere Wahl. Zudem äußert er die Bitte an die vielen Unterstützer in der Region, bis auf Weiteres keine Sachspenden mehr abzugeben. "Weil wir nicht wissen, wann wir wieder nach Rumänien fahren können, und weil die Lager voll sind. Wer helfen will, kann dies aber gern mit einer Spende auf des Konto des EHD tun", so Dürigen.

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