Es ist der Zufall, der zur Begegnung führt

Das erste interkulturelle Fest in Aue lockt am Samstag gut 500 Gäste an. Organisatoren und Mitwirkende freuen sich über Zuspruch und darüber, dass Proteste ausbleiben.

Aue.

Sprachengewirr, Frauen mit Kopftüchern, dunkelhäutige junge Männer, die viel Spaß bei "Mensch ärgere Dich nicht" haben, sowie arabische und österreichische Musik auf der Bühne sorgen für internationales Flair auf dem Auer Altmarkt. Auf Initiative von Michael Beyerlein, der unter dem Dach der Diakonie Erzgebirge sich seit vielen Monaten um Flüchtlinge und deren Integration in der Region kümmert, hatte die Große Kreisstadt Aue am Samstag erstmals zu einem interkulturellen Fest eingeladen.

Das Ziel war klar definiert: Begegnung schaffen und so Brücken zwischen den Kulturen bauen. Doch kann das funktionieren? "Ich schätze, dass wir über den Tag verteilt etwa 500 Besucher hatten", resümierte Beyerlein gegen Ende des sechsstündigen Festes. Damit sei er für die Premiere zufrieden. Besonders glücklich aber machte ihn, dass sich Oberbürgermeister Heinrich Kohl offenbar pudelwohl bei diesem Treffen gefühlt habe und sich gar zu einem arabischen Tanz animieren ließ.

Besonders groß war der Zuspruch von ausländischen Mitbürgern, sagt Frank Schmidt vom Verein Eine Welt Aue: "Es hätten noch ein paar mehr Einheimische sein können. Der Altersdurchschnitt aber war gut." Junge und Ältere haben mitgefeiert. Doch die meisten einheimischen Besucher stießen eher durch Zufall auf das gesellige Geschehen und ließen sich dann animieren, genauer hinzusehen. "Wir als Verein wollen ein Stück weit zu einer gerechteren Weltordnung beitragen. Die Produzenten aus aller Welt sollen davon leben können und damit in ihrem Land eine Perspektive haben", erklärt Schmidt, dessen Verkaufsstand gut besucht war.

Dass viele Flüchtlinge gar nicht für immer in Deutschland bleiben wollen, ist die Erfahrung von Heidi Born, die als Bundesfreiwillige bei der Auer Brücke arbeitet: "Ich höre immer wieder, dass sie Heimweh haben und eigentlich nur warten wollen, bis der Krieg vorbei ist." Vom Fest war sie angetan. "Ich hatte den Eindruck, dass die Gäste offener werden", sagt Born: "Allerdings habe ich auch einige Diskussionen mit deutschen Frauen geführt, die das Kopftuch stört, weil es aus ihrer Sicht nicht hierher gehört."

Für Irene Fahle, stellvertretende Vorsitzende vom Kreisverband des Deutschen Kinderschutzbundes, war das interkulturelle Fest keine Premiere: "Wir sind auch immer in Schneeberg mit dabei." Viele hätten sich an ihrem Stand Rat geholt. "Ich hatte sehr viele Gespräche mit Kindern, die ich durch meine Arbeit im Asylbewerberheim kenne, und auch einige Muttis waren da", so Fahle. Den meisten wäre die Integration sehr wichtig. "Aber das Wichtigste ist für sie die Sprache. Die Nachfrage nach Kursen ist groß."

Michael Beyerlein war froh, dass dieses Treffen friedlich abgelaufen ist. "Es gab keinerlei Probleme." Weil er die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen als politische Versammlung angemeldet hatte, war die ganze Zeit auch Polizei präsent. "Das ganze Fest verlief friedlich", bestätigte die Polizeidirektion Chemnitz.


Stimmen von Gästen

Mohamed Fadely (37) aus Algerien lebt seit 13 Jahren in Deutschland und half als Ordner: Ich finde, dass das Fest sehr gelungen ist. Ich sehe hier die Multikultur und habe viele Leute kennengelernt. Die Mischung aus arabischer und deutscher Musik ist fantastisch. Ich hoffe, dass es so etwas häufiger gibt. Es kann helfen, Vorurteile abzubauen.

Susann Ehrhardt (25) aus Aue war mit ihrem Neffen und Freunden da: Wir sind zufällig hier gelandet, die Kinder mussten raus. Den Ansatz des Festes finde ich gut, wir werden ja tagtäglich damit konfrontiert. Ich habe noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Für die Kinder ist wichtig, dass sie lernen, damit umzugehen. Hier passiert das unkompliziert.

Christiane Moravetz (69) aus Frankfurt/Main besucht zurzeit ihre Familie in Aue: Mein Enkel hat mich hergelockt, weil es eine Hüpfburg gibt. Ich hoffe sehr, dass solche Veranstaltungen helfen, Vorurteile abzubauen. Allerdings habe ich vorhin gehört, wie eine junge Mutter fragte, ob sie hier auf einem Ausländer-Basar sei und wieder gegangen ist. Ich selbst bin in einem sehr toleranten Elternhaus aufgewachsen, habe nie etwas anderes erlebt. (klin)

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