Förster hinterlässt einen Vorzeigewald

Stephan Stange nimmt Abschied. Der 53-jährige verlässt das Carlsfelder Revier. Nicht nur ein Sturm machte dort viel Arbeit.

Carlsfeld.

Als der Orkan Kyrill Ende Januar 2007 über Deutschland hinwegfegte, traf er auch den Carlsfelder Forst schwer. Über ein Jahr lang mussten mehr als 1000 Lkw-Ladungen Sturmholz aus den Wäldern geschafft werden. "Dieser Sturm war mein traurigstes Erlebnis als Revierförster", erinnert sich Stephan Stange. Seit 1995 ist er in Carlsfeld. Mitte August wird der 53-Jährige aus Schönheide in das Revier Leubnitz bei Werdau wechseln. "Mit dem anstehenden Wechsel möchte ich eine neue Herausforderung annehmen", erklärt er. Ein Nachfolger steht bislang noch nicht fest. Die kommissarische Leitung übernimmt zunächst Andreas Pommer.

Die Aufgaben eines Revierförsters fasst Stange so zusammen: "Neben dem Achten auf Einhaltung des Naturschutzes und der Ruhe auf den Waldwegen übernehme ich die Planung, Vorbereitung, Kontrolle, Koordination und Abrechnung jeglicher Arbeiten im Wald. Dazu gehören Baumfällungen, Holzernte, Pflanzungen, Jagd, Wegebau, Zaunbau und die Bestandspflege." Bei letzterer wird je nach Größe der Bäume wiederum zwischen Kultur-, Jungwuchs- und Jungbestandspflege sowie Durchforstung unterschieden.

Als Stange das Carlsfelder Revier übernahm, waren viele Bäume geschädigt und durch Wild geschält. "Mit Hilfe der Jagd haben wir das in den Griff bekommen", sagt der Förster. Außerdem war der Wald früher dichter und jünger, was ein Absterben vieler Baumkronen zur Folge hatte. "Durch regelmäßige Durchforstung ist der Wald heute aufgelockerter. Dadurch können die Bäume älter werden, was sie auch weniger sturmanfällig macht", erklärt Stange und merkt an, dass die Häufigkeit der Stürme in den vergangenen Jahren durch den Klimawandel zugenommen habe. Großen Schaden haben die Wälder einst auch während der Bergbauzeit erlitten, als viel Holz benötigt wurde. Eine Monokultur war die Folge - konkret: Es standen fast ausschließlich Fichten in den Wäldern. "In den vergangen Jahren pflanzten wir jährlich bis zu 100.000 Rotbuchen, Weißtannen und Bergahorne an, um den natürlichen Mischwald wiederherzustellen. Außerdem haben wir Fichten entlang von Bächen gefällt und an deren Stelle Schwarzerle und Bergahorn gesetzt. Das durch die Unmengen an Fichtennadeln verursachte, beinahe tote Biotop im Wasser konnte sich dadurch erholen", berichtet Stange.

Stange freut sich darüber, wie positiv sich der Carlsfelder Wald verändert hat. Deshalb verlässt er sein Revier auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Wir haben etwas geschaffen, das sich deutschlandweit sehen lassen kann. Das erfüllt mich mit Stolz."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...