Frust über Fusionspläne: Bürger wollen mitreden

Seit Monaten fordert eine Bürgerinitiative, dass die Bad Schlemaer selbst über die Kommunalhochzeit mit Aue entscheiden dürfen. Jetzt gingen die Mitglieder erstmals auf die Straße.

Bad Schlema.

Mit einem Kleinaufgebot von drei Einsatzkräften war die Polizei am Dienstagabend in Bad Schlema angerückt. Die Beamten sollten sicherstellen, dass es bei dem angemeldeten Protest gegen die Fusionspläne mit der Stadt Aue ruhig bleibt - zu tun hatten sie aber nicht viel. Denn vom Trubel einer Protestaktion mit Pfiffen und Plakaten war die Demo weit entfernt. Genau ein Banner mit den Worten "Lasst uns Bürger wählen!" war zu sehen, kein einziger Schrei zu hören.

Schätzungsweise 70 Leute, darunter auch Jugendliche und Senioren, waren dem Aufruf der Bürgerinitiative "Wir sind Bad Schlema" gefolgt, die für 17.30 Uhr zur Demo vor dem Rathaus aufgerufen hatte. Die Mitglieder forderten erneut ein Mitspracherecht der Schlemaer bei der geplanten Kommunalhochzeit zum 1. Januar 2019. Lutz Hörnig kritisierte in einer kurzen Rede: "Steuern dürfen wir zahlen, aber entscheiden sollen wir nichts." Steffen Barth hinterfragte die angespannte Finanzlage des Ortes, die als Hauptgrund für die Fusion gilt: "Das ist für mich unverständlich. Es brummt die Wirtschaft, aber für die eigenen Bürger ist kein Geld da." Yvonne Bochmann forderte schließlich: "Wir müssen alle zusammen auf die Straße gehen!"

Für die Fusion hatten der Auer Stadtrat und der Gemeinderat von Bad Schlema gestimmt. Ein Votum der Bürger ist nicht geplant. Das fordert aber die Bürgerinitiative und macht für ihr Anliegen nun auf mehreren Wegen Werbung. So hängen seit einigen Tagen im Ort Banner, die ein Wahlrecht fordern. Zugleich sammelt die Initiative Unterschriften für ein entsprechendes Bürgerbegehren.

Ein Ehepaar aus Bad Schlema, das sich am Dienstag unter die Teilnehmer gemischt hatte, aber lieber anonym bleiben will, schloss sich der Forderung nach einem Wahlrecht an. "Ich fühle mich von unseren Bürgervertretern nicht mehr vertreten", sagte die Frau mittleren Alters. Statt mit Aue favorisiere sie ein Bündnis mit Schneeberg. "Dort stellt der Bürgermeister wenigstens etwas auf die Beine." Ähnlich äußert sich Kerstin Arnold: "Ich bin eher für Schneeberg", so die Bad Schlemaerin. Aue sei für einen Behördengang zu weit weg. "Am liebsten wäre mir aber, wenn der Ort selbstständig bleibt." Sorgen bereitete Teilnehmern auch, dass die Bad Schlemaer in der neuen Einheitsstadt womöglich weniger zu sagen haben, da Aue mit mehr als 16.000 Einwohner gut dreimal so groß ist wie der Kurort.

Kritik an der Demonstration kam unterdessen vom Auer Stadtrat Tobias Andrä (parteilos). Er bezeichnete die Versammlung gestern als eine "misslungene Aufführung" und forderte, den Fokus nun "auf das Wesentliche zu richten": Die Mitgestaltung der Stadt Aue-Bad Schlema.

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